Neue Einheit vorgestellt Zwei Drohnen für mehr Sicherheit in Leonberg
Die neue Drohneneinheit der Stadt Leonberg setzt sich aus Mitgliedern der Warmbronner Feuerwehr zusammen. Sie haben eine umfangreiche Spezialausbildung erhalten.
Die neue Drohneneinheit der Stadt Leonberg setzt sich aus Mitgliedern der Warmbronner Feuerwehr zusammen. Sie haben eine umfangreiche Spezialausbildung erhalten.
Viele dürften es schon einmal vernommen haben: dieses hohe Surren, das mal von links, mal von rechts, aber fast immer von oben kommt. Es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass irgendwo gerade eine Drohne in der Luft ist – zu welchem Zweck auch immer. Die Polizei nutzt sie, um bei großen Menschenansammlungen den Überblick nicht zu verlieren. Fotografen holen sich mit einer Drohne sehenswerte Luftaufnahmen. Die Verwendung im Krieg ist derweil eine gänzlich andere. Die ukrainische Armee zum Beispiel nutzt bei der Verteidigung gegen Putins Invasoren umgebaute Standard-Propellerdrohnen und rüstet sie teils mit Granaten aus.
Selbstredend gänzlich unbewaffnet kommen die Flugobjekte daher, auf die seit Kurzem die neu gebildete Drohneneinheit der Leonberger Stadtverwaltung zurückgreifen kann. Nach einjähriger Ausbildung sind die Einsatzkräfte nun bereit, das unbemannte Luftfahrtsystem im Bevölkerungsschutz einzusetzen. Das Aufgabenfeld: Lageerkundung, Personensuche, Aufklärung bei Bränden oder Hochwasser sowie Einsatzdokumentation. Aber so eine Drohne steigt nicht mal eben so in den Himmel. Es steckt viel mehr dahinter. Zunächst braucht es Spezialisten. Die fanden sich in Reihen der Warmbronner Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr. „Da andere Abteilungen bereits Sonderaufgaben wahrnehmen, wurde die Abteilung Warmbronn angefragt und die Mitglieder haben sich dazu entschieden, die Zusatzaufgaben gerne zu übernehmen“, antwortet die städtische Pressesprecherin Leila Fendrich auf eine entsprechende Anfrage.
Rund 20 Personen sind nun Teil der neuen Drohneneinheit, die im Normalfall mit vier Einsatzkräften agiert. Da wäre zunächst der Flugleiter. Er ist verantwortlich für die gesamte Abwicklung des Drohneneinsatzes und Ansprechpartner für die „einsatzführende Stelle“. Es folgt der Fernpilot. Er steuert die Drohne und ist verantwortlich für den sicheren Flug. Kommt noch der Kamera-Operator. Er steuert die Zusatzbeladung der Drohne, also die Kamera, die Wärmebildkamera, den Lautsprecher oder einen Scheinwerfer.
Der Luftraumbeobachter schließlich ist verantwortlich für die Kontrolle des Luftraums, in dem die Drohne unterwegs ist. Er führt außerdem das Flugtagebuch, dokumentiert also den Einsatz. „Bei Bedarf kommt ergänzend ein Fachberater hinzu“, ergänzt Leila Fendrich. Das könne der Fall sein beim Einsatz mehrerer Drohneneinheiten und beim Kontakt mit der Deutschen Flugsicherung „bei Einsatzmaßnahmen im kontrollierten Luftraum“.
Aber wie genau wird man eigentlich Drohnenspezialist – also so ganz offiziell? „Es gibt ein dreistufiges Ausbildungskonzept, welches sich aus den Empfehlungen für Gemeinsame Regelungen zum Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz, kurz EGRED, ergibt“, holt Leila Fendrich aus. So benötige jeder und jede den Drohnenführerschein A1/A3. Den gibt’s nach einer externen Prüfung beim Luftfahrtbundesamt.
Die Ausbildung und Einweisung in die gesamte Einsatztechnik folgte in Eigenleistung. Denn rechtliche Kenntnis über Dokumentation und Datenschutz ist Pflicht. Die schriftliche und praktische Abschlussprüfung abgelegt – und dann geht’s auch schon hoch hinaus. „Ergänzt wird die Ausbildung um Einsatzübungen und weiteren fachspezifischen Fortbildungen durch externe Ausbildungsstellen, zum Beispiel für die Auswertung von Wärmebildern“, fügt Fendrich hinzu.
Ja, klingt gar nicht so unkompliziert. Und neben den Drohnen selbst braucht es noch weitere „Hardware“: eine mobile Bodenkontrollstation zum Beispiel. Dafür hat die Stadt ein gebrauchtes Einsatzfahrzeug beschafft und in Eigenleistung umgebaut. Kostenpunkt: 49 000 Euro. Insgesamt kostete die Implementation der gesamten Drohneneinheit 150 000 Euro.
„Die neue Einheit ist ein Gewinn für den Bevölkerungsschutz. Sie schafft Lageübersicht, erhöht die Sicherheit für Einsatzkräfte und beschleunigt Entscheidungen vor Ort“, sagte Ralf Kotte, Leiter Bevölkerungsschutz bei der Stadtverwaltung. Auch Oberbürgermeister Martin Georg Cohn betont die Bedeutung des Projekts: „Mit der neuen Drohneneinheit stärken wir die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger auf modernste Weise. Ob bei Bränden, Unwettern oder Personensuchen – schnelle und präzise Lagebilder können im Ernstfall Leben retten.
Erste Einsatzflüge gab es bereits, wie Leila Fendrich berichtet. „Die Polizei kann im Rahmen der Amtshilfe auch auf die Drohneneinheit der Stadt Leonberg zurückgreifen. Das ist zum Beispiel dieses Jahr beim Pferdemarkt so geschehen.“
Fabrikate
Zur Verfügung stehen zwei Einsatzdrohnen vom Typ „DJI Matrice 350 RTK“. Sie können maximal 55 Minuten in der Luft bleiben, ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 80 Kilometer pro Stunde. Sie können 7000 Meter hoch steigen und bei einer Temperatur von -20 bis +50 Grad Celsius eingesetzt werden. Sie können mit einer (Wärmebild-)Kamera, einem Suchscheinwerfer oder einem Lautsprecher bestückt werden.
Aufnahmen?
„Grundsätzlich gibt es keine Aufzeichnung der Bilder. Dies ist nur im Ausnahmefall und auf Veranlassung einer berechtigten Stelle zulässig“, antwortet Stadt-Pressesprecherin Leila Fendrich auf eine entsprechende Anfrage. Im Einsatzgeschehen würden der Einsatzleitung nur Live-Bilder zur Verfügung gestellt. „Eine Aufzeichnung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch den Flugleiter beziehungsweise Fachberater Drohne und muss gesondert dokumentiert werden.“ Die Aufzeichnung der Bilder stelle somit eine absolute Ausnahme dar.