Neue Einrichtung in Ditzingen Depot der Dinge will das Leben leihweise leichter machen

Sie gehören zu den Initiatoren des Angebots: Carola Frey, Susanne Wirth, Simone Rathfelder und Clemens Morlock (von links) Foto: Simon Granville

Man muss nicht alles selbst besitzen: Eine Gruppe von Schöckinger Bürgern hat im Ort eine Ausleihstelle für Alltagsgegenstände geschaffen. Gründe dafür gab es gleich mehrere.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Am Anfang war der Wettbewerb. Die Schöckinger waren angetreten, den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ für sich zu entscheiden. Am Ende wurden sie Zweiter: Anlass für ein wenig Enttäuschung bei den einen, Freude über die gute Platzierung bei den anderen – für alle aber die Basis, weiterzumachen, an den Ideen dranzubleiben, die irgendwie in der Luft lagen, noch nicht ganz ausgegoren, doch einer Realisierung nah. So fanden sich aus der großen Gruppe der Schöckinger sieben Menschen zusammen, die das Dinge-Depot geschaffen haben. Am kommenden Montag ist Eröffnung. Regulärer Öffnungstag wird danach der Donnerstag sein, parallel zur Bücherei.

 

Gemeinsam nutzen, nicht besitzen

„Wir wollen weg von einer Gesellschaft, die Statussymbole besitzt, hin zu einer Gesellschaft, die gemeinschaftlich nutzt“, sagt Simone Rathfelder. Die Idee hatte sich in einer Whatsappgruppe entwickelt. Über den Nachrichtendienst sind zwar per Handy etliche Schöckinger miteinander verbunden. Aber die entscheidende Idee habe sich nicht gefunden, wie das Verleihsystem in eine neutrale Organisationsstruktur gegossen werden konnte. Es dauerte noch eine Weile, zumal am Veto des Gemeinderats auch die Idee scheiterte, das Dinge-Depot – oder wie es andernorts heißt: die Bibliothek der Dinge – mit der Stadtbibliothek zu verknüpfen. So haben es beispielsweise Kornwestheim oder Heimsheim organisiert. In der Schleglerstadt heißt es Leih Bar.

In Ditzingen sind die Ehrenamtlichen nun unter dem Dach der Bürgerstiftung organisiert. Aus Sicht des Stiftungsvorstands Herbert Hoffmann ist dies folgerichtig. Das Angebot „passt in die Struktur der Bürgerstiftung“, sagt er. Zumal die Stiftung sich auch dem Gedanken der Nachhaltigkeit verschrieben habe. Unter ihrem Dach gibt es in der Kernstadt auch das Offene Bücherregal und das Repaircafé.

Die Macher des Dinge-Depots sind auch mit der nun gewählten Organisationsform einverstanden. Sie wollen jetzt vor allem eines: Dass das Angebot auch ausgiebig genutzt wird, Heckenschere, Fahrradtaschen, Messerschärfer, Schneiderpuppe, Bierbänke und Pavillon auch ausgeliehen werden. Wobei sie bei der Biertischgarnitur inzwischen keine Bedenken mehr haben. Sie war schon verliehen, noch ehe das Depot der Dinge im Ort wirklich publik wurde. Man könne reservieren, sagt Rathfelder. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, beschreibt Clemens Morlock das Prinzip.

Rund 50 Gegenstände befinden sich bereits im Depot, das sich in den Räumen eines ehemaligen Tante-Emma-Ladens befindet. Die Fläche ist inzwischen vor allem Büro, Morlock nutzt einen Teil davon. Der andere Teil ist nun Dinge-Depot. Um den Grundstock dafür zu bilden, haben die Ehrenamtlichen manches eingekauft, zum Beispiel Werkzeug oder Gartengeräte. Möglich wurde das durch eine Anschubfinanzierung der Allianz für Beteiligung, einem Netzwerk in Vereinsstruktur, das sich landesweit für die Stärkung von Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung einsetzt. Anderes wurde aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt, wie etwa die Schneiderpuppe. Carola Frey hat sie abgegeben – und schon jetzt ist ihr klar, dass sie selbst sie weiterhin nutzen werde – nun eben mit anderen zusammen. Wer seine Alltagsgegenstände ebenfalls abgeben möchte, um sie für andere verfügbar zu machen, kann sich an die Organisatoren wenden. „Wir entscheiden dann in der Gruppe, ob wir die Dinge aufnehmen“, sagt Rathfelder.

Von vornherein ausgeschlossen sind einerseits Gegenstände, die nicht oder nur sehr schwierig rückstandslos gereinigt werden können, zum Beispiel Waffeleisen. Andererseits müssen die Gegenstände transportierbar sein. Eine Mangel, die ihnen angeboten worden war, hätten sie deshalb abgelehnt, sagen die Initiatoren. Gleichwohl hätten sie eine Aufnahme in das Depot durchaus überlegt. Die Ausleihbedingungen sind mit jenen einer herkömmlichen Bibliothek vergleichbar: Die Ausleihdauer ist begrenzt, entsteht ein Schaden, sollte dieser repariert werden – zum Beispiel im Repaircafé.

Der ursprüngliche Gedanke sei gewesen, die Schöckinger Bevölkerung miteinander in Kontakt zu bringen, sagt Clemens Morlock. Das ist durch die Organisationsstruktur im Depot der Dinge nun auf den ersten Blick zunächst einmal in den Hintergrund gerückt. Aber was nicht ist, könne ja noch werden, meint Morlock: „Gegenüber steht das Schwätzbänkle.“

Eröffnung
Das Dinge-Depot wird am Montag, 15. Juli, mit einer Feier im Alten Rathaus Schöckingen eröffnet. Das Fest beginnt um 18 Uhr. Das Depot befindet sich in der Schlossstraße 2 und hat regulär donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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