Neue Einrichtung in Hemmingen Im Etterhof wird der Ofen angeheizt

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Das neueste Werk des Ortsgeschichtlichen Vereins ist ein Backofen auf dem Gelände des Etterhofs, dafür wurden Sandsteine und Ziegel von Abbruchhäusern verbaut. Beim ersten Probebacken entstehen leckeres Vollkornbrot und Zwetschgenkuchen.

Die schwäbischen Pizzen liegen zum Einschießen bereit – mit denen nutzen Reinhard Kubens und Christel Raasch die erste Hitze   des Ofens.   Der erste Freitag im Monat soll künftig Backtag im  Hemminger Etterhof sein. Foto: factum/Granville
Die schwäbischen Pizzen liegen zum Einschießen bereit – mit denen nutzen Reinhard Kubens und Christel Raasch die erste Hitze des Ofens. Der erste Freitag im Monat soll künftig Backtag im Hemminger Etterhof sein. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Es duftet herrlich, gleichzeitig nach Holzfeuer und Brot. Einige Stunden lang hat am Dienstagnachmittag wieder historisches Flair in der Eisgasse in Hemmingen vorgeherrscht, ein Relikt aus alten Zeiten im Vordergrund gestanden. Der Ortsgeschichtliche Verein hat seinen neuen Backofen probeweise angeheizt und dazu im Ort eingeladen. Acht Brote sind entstanden, einige Deien, die man auch Dinnette, Salzblätz oder schwäbische Pizza nennen kann, sowie ein großes Blech Zwetschgenkuchen. Alles von köstlichem Geschmack. Offizieller erster Backtag ist am Ende der Ferien in vier Wochen.

Aber schon am ersten Dienstag im August, nachmittags um halb fünf, sind Reinhard Kubens, Manfred Gutbrod und Christel Raasch zufrieden – alles hat geklappt, nichts ist verbrannt oder teigig geblieben. Bei der Einrichtung des Etterhof-Museums und der Scheuer waren sie schon dabei, nun ist das neueste Werk gelungen, an dem sie maßgeblich mitgewirkt haben. Das Backhäusle, das eigentlich ein Backofen unterm neuen Dach zwischen Haupthaus und Scheuer ist, hat seinen Praxistest bestanden. Ein Korb Holz wurde verfeuert, der Aschekasten ist voll, Holzschieber, Reisigbesen und Einschießer sehen noch fast aus wie neu. Der Ofen selbst auch – aber das täuscht.

Nur das Kernstück ist neu

Der Kern, der eigentliche Feuerraum, ist ein Bausatz, neu angefertigt von einer Firma in Heiligkreuztal im schwäbischen Oberland. Das Drumherum, das der Käufer selbst bauen muss, könnte nun aus Backsteinen sein, gekauft im nächsten Baustoffhandel. Die Hemminger wären aber nicht der Ortsgeschichtliche Verein, würden sie es nicht anders machen. Auf dem Fundament aus Beton sind mehrere Lagen handbehauene Sandsteine hochgemauert – sie stammen vom abgebrochenen Gasthaus Löwen. Darauf wiederum folgen Ziegelsteine einer über 100 Jahre alten Scheune, und alte Dachziegel bilden die oberste Lage. „Zwei Wochen lang haben wir den Ofen aufgebaut“, erzählt Reinhard Kubens, „mit zwei bis drei Leuten, den ganzen Tag.“

In den Köpfen begonnen hatte das Projekt Backofen im Oktober 2017. In den Jahren zuvor gab es einige vergebliche Anläufe. Nun ist der Ofen fertig, er soll einmal im Monat benutzt werden und auch als Treffpunkt dienen. Dabei gibt es eigentlich gar keine Tradition, die man aufleben lassen könnte. Denn in Hemmingen gab im 19. und 20. Jahrhundert gar kein Gemeindebackhaus wie andernorts üblich, das alle Dorfbewohner nutzen konnten.

Schon 1717 ein Backhaus im Dorf

Auf einer Tafel des historischen Ortsrundgangs wird zwar gezeigt, dass 1717 ein Backhaus im Ort stand – bei der Scheuer des Schultheißen Schmid. Pflicht wurden solche Einrichtungen erst nach einem Erlass des württembergischen Innenministeriums von 1835 – der Grund waren Brände in Dörfern, die von Backöfen in Wohnhäusern ausgegangen waren. In Hemmingen brauchte man einen „Commun-Backofen“ nicht – es gab drei Bäcker im Ort, die nicht nur eigenes Brot verkauften. Vielmehr konnten dort Hausfrauen auch eigenen Brotteig backen lassen, was billiger war. Der Bäcker Wildermuth scheint davon ganz gut gelebt zu haben – sein Anwesen ist in einer historischen Ortsskizze das „Gemeindebackhaus“.

Das neue alte Backhaus ist nun nur ein paar Meter davon entfernt.

Münchingen
Das Backhaus in der Hinteren Gasse wurde 1844 in Betrieb genommen. Der Ofen wurde 2015 restauriert. Von 1864 bis 1956 gab es ein zweiten Backhaus zwischen Rathaus und Kirche, zwischen 1884 und 1969 existierte ein drittes an der vorderen Wette. Heute wird das Backhaus in der Hinteren Gasse von etwa zehn Familien benutzt. Am kommenden Samstag findet dort ein (voll belegter) Backtag für Kinder statt.

Ausstellung Im Münchinger Heimatmuseum ist dazu passend noch bis 26. August die Ausstellung „Unser täglich Brot“ zu sehen, geöffnet dienstags 15 bis 18 und sonntags 11 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Ludwigsburg-Eglosheim Das alte Backhaus in dem Stadtteil von Ludwigsburg wurde 1837 errichtet. Weil es sich vor einigen Jahren nicht mehr restaurieren ließ, baute ein Verein 2013 ein neues auf dem Bauspielplatz an der Hirschbergstraße. Dort findet am Samstag, 18. August, von 14 Uhr an ein Fest statt mit Broten und anderen Leckereien. Am 22. September verkauft der Backhausverein selbstgebackene Brote auf dem Wochenmarkt. Der Erlös ist für ein Projekt in Burkina Faso: In dem Partnerland Ludwigsburgs sollen Getreidemühlen gebaut werden.

Gerlingen Das Backhaus ist in das Haus der Volkshochschule integriert. Es wird einige Male im Jahr von Freiwilligen genutzt; meist für die Benefizaktion „Dein Stein hilft“ der Petruskirche. Angefeuert wird wieder am 18. und 19. Oktober sowie zur Kulturnacht am 26. Oktober. kwa