Neue Erlebniswelt Neue Standorte für Freizeitpark gefunden

Vom Flurbereinigungsdenkmal aus wird man, wenn alles glattläuft, in Zukunft auf die Erlebniswelt blicken können, die sich im Bildhintergrund befinden wird. Foto: Simon Granville

Mittelalterfans wollen auf einem Grundstück bei Vaihingen-Kleinglattbach (Kreis Ludwigsburg) eine Erlebniswelt schaffen. Im Kreis Ludwigsburg ist aber noch eine zweite Fläche im Rennen.

Für Christoph Schlude war es zum Haareraufen. Er und seine Mitstreiterin Ariane Fingerle hatte sich verschiedene Attraktionen für Jung und Alt überlegt, ein möglichst umweltschonendes Verkehrskonzept entwickelt, die nötigen Geldmittel an der Angel und sogar ein passendes Grundstück an der Hand. Doch am Ende senkte der Markgröninger Gemeinderat im Dezember den Daumen und vereitelte damit die Pläne für einen Mittelalterpark auf der Gemarkung. Doch Schlude kündigte damals an, sich um eine Alternative bemühen zu wollen. Tatsächlich hat er nun sogar zwei Eisen im Feuer.

 

Er habe sich nach dem Nein aus Markgröningen mit dem VRS-Chefplaner Thomas Kiwitt zusammengesetzt. Kiwitt habe nach einem geeigneten Terrain Ausschau gehalten und dabei eine ganze Reihe potenzieller Standorte vorgeschlagen. Einige davon seien aus unterschiedlichen Gründen wie einer eher mangelhaften ÖPNV-Anbindung durchs Raster gefallen. „Am Ende haben wir mit vier Kommunen Gespräche geführt, zwei davon sind aktuell in der engeren Wahl. Beide liegen im Landkreis Ludwigsburg“, sagt Schlude.

Bei einer Gemeinde könne er den Namen derzeit nicht preisgeben. Das Thema werde hier bislang nur nicht-öffentlich behandelt. Der Gemeinderat habe aber bei nur einer Enthaltung hinter verschlossenen Türen schon seinen Segen für das Projekt gegeben. Allerdings sei die Grundstücksfrage nicht geklärt. „Im Vorteil ist deshalb momentan eine Fläche bei Vaihingen-Kleinglattbach“, erklärt er.

Mit den Eigentümern steht eine Einigung in Aussicht

Der Unternehmer möchte seinen Traum hier auf einem rund zehn Hektar großen Grundstück in einem Korridor zwischen der Kreisstraße 1696 von Vaihingen nach Kleinglattbach, dem Bahn-Tunnel und dem Oberriexinger Weg verwirklichen. „Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Fläche. Mit den Eigentümern steht eine Einigung in Aussicht“, sagt Schlude. Auch die Stadtverwaltung steht dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. „Das Projekt kann eine attraktive Chance für unsere Stadt sein – ohne den Haushalt zu belasten“, erklärt Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. „Ich sehe darin eine innovative Dienstleistung, die den Gewerbestandort Vaihingen in unmittelbarer Nähe zum Fernbahnhof nutzt und gleichzeitig die 1250-jährige Geschichte der Stadt einbindet“, betont er.

Der Vaihinger OB Uwe Skrzypek sieht in dem Projekt eine Chance für die Stadt. Foto: Archiv (Simon Granville)

In trockenen Tüchern ist das Ganze damit freilich nicht. Schlude ist mit der Idee zwar bereits im Ortschafts- und Gemeinderat vorstellig geworden. Einen Grundsatzbeschluss müssen die Gremien jedoch noch fassen. „Von einzelnen Fraktionen im Gemeinderat haben wir aber die komplette Unterstützung. Und auch die Fakten sprechen für uns“, erklärt der langjährige Unternehmensberater.

Mit Letzterem spielt der promovierte Biologe nicht zuletzt auf das Verkehrskonzept mit einer guten ÖPNV-Anbindung an. „Der größte Pluspunkt ist die Nähe zum Vaihinger Hauptbahnhof. In 15 Minuten ist man vom Stuttgarter Hauptbahnhof in Vaihingen. In zwei bis drei Minuten ist man per kostenlosem Shuttle-Bus, den wir anbieten wollen, in unserer Erlebniswelt“, betont Schlude. Außerdem müsse man keine Bäume für den Bau roden. Es würden im Gegenteil sogar welche gesetzt und auch anderes Grün gepflanzt.

Die Nachbarschaft müsse sich auch keine Sorgen um eine etwaige Lärmbelastung machen. Die Siedlung sei weit entfernt. Werde ein angedachtes Wohngebiet realisiert, solle laut Flächennutzungsplan im Anschluss daran ein breiter Immissionsschutzstreifen entstehen. Zusätzlich diene die Kreisstraße 1696 als Puffer.

Inhaltlich habe man am Grundkonzept festgehalten. Man wolle das Thema Mittelalter in verschiedenen Facetten bespielen. Unter anderem soll man in einem Burgdorf in das Leben von anno dazumal eintauchen können. In einem mittelalterlichen Badehaus werden sich Besucher entspannen können. In einer Erlebnisgastronomie sollen lokale Spezialitäten serviert, in einer Markthalle örtliche Produkte feilgeboten werden. In einer Naturlandschaft möchte man Wasserelemente für Spiel und Abenteuer installieren. Historische Veranstaltungen und mittelalterliche Feste sollen ebenso wie ein Indoor-Bereich für Kinder und Familien Gäste anlocken.

Christoph Schlude möchte mit der Mittelalter-Erlebniswelt einen Herzenswunsch verwirklichen. Foto: Archiv (privat)

Infoveranstaltung für die Bürger

Allerdings wird das Ganze einen neuen Namen erhalten: statt Mittelalterpark soll die neue Attraktion im Landkreis Ludwigsburg „Erlebniswelt Markstein“ heißen, in Anlehnung an den Flurnamen des Grundstücks bei Kleinglattbach. „Wir wollen damit auch verdeutlichen, dass sich unser Angebot nicht nur an Mittelalterfans richtet, sondern an alle, die in ihrer Freizeit etwas erleben möchten“, erklärt Christoph Schlude.

Der Bietigheim-Bissinger streicht hervor, das Konzept sei noch nicht in Stein gemeißelt, man wolle die Bürger ins Boot holen. Den Auftakt zur Bürgerbeteiligung bildet eine Infoveranstaltung am Mittwoch, 4. Juni, von 18 Uhr an in der Kleinglattbacher Halle im See.

Bekommt Schlude letztlich im zweiten Anlauf an anderer Stelle grünes Licht für sein Herzensprojekt, würden die Bagger wohl 2027 anrücken. „2028, aber spätestens 2029 zur Gartenschau in Vaihingen soll die Eröffnung gefeiert werden“, sagt Schlude.

Ganzjährig geöffnet

Ohne Fahrgeschäfte
Bei der geplanten Erlebniswelt Markstein handelt es sich um keinen Freizeitpark mit Achterbahnen, sondern um eine Erlebnis- und Bildungswelt für alle Altersgruppen mit Fokus auf dem Mittelalter. Die Attraktion soll ganzjährig geöffnet sein und auch Kurse, Mitmachaktionen und ein pädagogisches Programm im Portfolio haben.

Arbeitsplätze
Die Initiatoren wollen das Projekt ohne kommunale Mittel realisieren. Zugleich sollen rund 80 neue Arbeitsplätze entstehen, dazu Mini- und Ferienjobs.

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