Neue Folge „München Mord“ Zu Gast beim Rotlicht-Bonzen

Wieder im Einsatz, v. li.:  Flierl (Bernadette Heerwagen), Schaller (Alexander Held) und Neuhauser (Marcus Mittermeier) Foto: ZDF/Jürgen Olczyk 13 Bilder
Wieder im Einsatz, v. li.: Flierl (Bernadette Heerwagen), Schaller (Alexander Held) und Neuhauser (Marcus Mittermeier) Foto: ZDF/Jürgen Olczyk

Das Team der ZDF-Reihe „München Mord“ zeigt in der Folge „Der Letzte seiner Art“ was Neues: Unterhaltsam sein auf Autopilot.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Bussis, Gedränge, bunte Verkleidungen: Muss man etwa den Lockdown-Koller fürchten, wenn man sich das soziale Treiben in der neuen Episode der ZDF-Krimireihe „München Mord“ anschaut? Vielleicht eher nicht. Denn auf die halbseidene Gesellschaft, die in „Der Letzte seiner Art“ zur Kostümparty im Spielcasino Nevada zusammenkommt, um sich die Rede eines aus den USA zurückgekehrten Rotlichtbonzen anzuhören, der beteuert, er habe nicht vor, seine Rolle als Pate von München an Jüngere abzutreten – auf die könnte man zur Not noch ein bisschen länger verzichten.

Andererseits – die drei Ermittler, die dieser Reihe einen immer größeren Fankreis erobern, die würde man schon mal gerne im Leben treffen: den vor metaphysischen Tatrekonstruktionen nicht zurückschreckenden Teamchef Schaller (Alexander Held), den zu burschikosen Fehleinschätzungen neigenden Hansdampf Neuhauser (Marcus Mittermeier), die irgendwo zwischen Empathie, Inspiration und Unsicherheit verirrte Kommissarin Flierl (Bernadette Heerwagen).

Provozierte Verwechslung?

Einige der besten Folgen der Reihe basieren auf Drehbuch-Kooperationen von Ina Jung mit Friedrich Ani, einer markanten Gestalt der deutschen Kriminalliteratur. Mit seinen Porträts tiefer verschatteter Existenzen ist Ani ein Meister der pessimistisch-melancholischen Daseinsfreude. Das Buch, nach dem Jan Fehse „Der Letzte seiner Art“ inszenierte, hat aber Peter Kocyla („Die Chefin“) geliefert, und ein Erstseher würde wohl nicht begreifen, warum durchaus zurechnungsfähige Menschen glauben, dies sei die liebenswerteste deutsche TV-Krimireihe.

Anfangs wird ein Mann niedergestochen, der in etwas auffälligen 70er-Jahre-Klamotten durch die Münchner Nacht gelaufen ist. Bald kommt der Verdacht auf, dieser Rudi Markwart sei einer ungewollten oder gar provozierten Verwechslung mit dem fliegenfängerklebrig auftretenden Immobilienbesitzer und Nevada-Betreiber Gustav Schmidinger (Martin Umbach) zum Opfer gefallen.

Unterhaltsam selbstverliebt

Hier wendet sich nun alle Aufmerksamkeit Schmidinger zu. Ani und Jung hätten gewiss auch Markwart im Blick behalten. Das Schicksal eines marginalisierten Mannes, der quasi nicht einmal einen eigenen Tod bekommt, hätte sie mehr interessiert als Schmidingers Prahlereien.

Gerade weil der Fall nicht viel hergibt, müssen Flierl, Schaller und Neuhauser die Folge mit ihren Eigenheiten tragen – und nicht zu vergessen, ihr Vorgesetzter Kriminaloberrat Zangl (Christoph Süß), dessen Selbstverliebtheit wie ein elektromagnetisches Störfeld fast schon Smartphones lähmen könnte. Es spricht für die 2014 gestartete Reihe, dass die Kernmannschaft fast schon auf Autopilot noch immer einen halbwegs unterhaltsamen Krimiabend hinbekommt.

Ausstrahlung: ZDF, Samstag, 13. Februar 2021, 20.15 Uhr. Bereits vorab in der Mediathek des Senders abrufbar.




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