„München Mord“ im ZDF Beim Fußball geht es um Leben und Tod

Von Bernd Haasis 

„Ausnahmezustand“, die neue Folge der ZDF-Krimireihe „München Mord“, ist ein herrlich absurdes Vergnügen.

Die Ermittler: Marcus Mittermeier (li), Alexander Held, Bernadette Heerwagen Foto: ZDF//Jürgen Olczyk 9 Bilder
Die Ermittler: Marcus Mittermeier (li), Alexander Held, Bernadette Heerwagen Foto: ZDF//Jürgen Olczyk

Stuttgart - Skurril ist ein zu schwaches Wort für das ­Ermittlertrio in der ZDF-Krimireihe „München Mord“: Beinahe entrückt wirkt es, wie Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen), Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und Ludwig Schaller (Alexander Held) einen Mord untersuchen – doch dann fügt sich alles auf magische Weise, was der nervige Kriminaloberrat und Karrierist Zangel (Christoph Süß) nie begreifen wird.

Diesmal geht es in den Stadtteil Giesing, wo die Anhänger des TSV 1860 München beim Bier über die aktuelle Niederlage debattieren. Mittendrin: der Trikotträger Neuhauser und die fußballimmune Flierl, die trotzdem mitgegangen ist ins Stadion, wo eigentlich Schaller hätte sitzen sollen. Ein Schrei ertönt, Neuhauser findet einen Fan tot im Treppenhaus und dessen sprachlose Entdeckerin Frau Birgel. Bald rückt die angrenzende Metzgerei in den Fokus, die Kneipe Kronenstüberl, ein Friseursalon und ein Verschworensein gegenüber der Polizei – sowie Rivalitäten zwischen Fans der „Blauen“ und die innige Feindschaft zu den „Roten“ vom FC Bayern.

Allerlei exaltierte Gestalten

Die stark lokalkolorierte Gemengelage stammt vom bayerischen Krimiautor Friedrich Ani, einem Hauptverfasser der Reihe, und seiner Co-Autorin Ina Jung. Der zum dritten Mal verpflichtete Regisseur Jan ­Fehse inszeniert eine ruppige und zugleich heimelige Kiezromantik als Kulisse für scheinbar irrlichternde Ermittler. Mittermeier ist köstlich als koketter Sonnyboy Neuhauser, der so manches einstecken muss; Heerwagen macht aus Flierl den Prototyp der ungläubigen Beobachterin, die sich vergeblich um zivilisierten Umgang bemüht; Held tritt staatstragend auf als Schaller, der von einer Vernissage eintrudelt, intellektuell tut und dann den Tathergang rekonstruiert, indem er ihn ekstatisch reinszeniert.

Flankierend treten exaltierte Gestalten auf wie der großmäulige Fußballerklärbär Bachmaier (Jürgen Tonkel), der den Spitz­namen „Breitner“ trägt, ein Fußballesoteriker (Sigi Zimmerschied), der keinen Zweifel daran lässt, dass es beim Spiel mit dem Ball um Leben und Tod geht, die mondäne ­Friseurin Leana (Dorka Gryllus) und Frau Birgel (Barbara de Koy), die mit Eierlikör ganz gut durch den Tag kommt. Es menschelt durch und durch in diesem Krimi, viele schöne Details machen ihn zu einem herrlich absurden Vergnügen. Schaller nennt die Flierl beharrlich „Fräulein“, als wäre alte Schule nicht verhandelbar, und kleine Gefälligkeiten beschleunigen die Ermittlungen: ein Bierkasten hier, ein verschwindender Strafzettel da.

„Ausnahmezustand“ ist auch ein Film ­darüber, wie Fußball die Nation spaltet in glühende Anhänger und verständnislose Verächter. Und er erinnert daran, dass Blaue nicht nur in Stuttgart nichts zu lachen haben – falls das ein Trost ist.

Ausstrahlung

Ausnahmezustand, Samstag, 17. Oktober, 20.15 Uhr im ZDF sowie in der ZDF-Mediathek.




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