Hilfe aus einer Hand – unter einem Dach: Offiziell vorgestellt wurde am Samstagnachmittag die erste Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF) im Kreis Böblingen. Die Lebenshilfe Böblingen gGmbH hat dazu die dritte Etage des Gebäudes in der Stuttgarter Straße angemietet, in dem bereits ihre Büroräume untergebracht sind.
Auf 240 Quadratmetern bietet die neue IFF von 1. Januar 2026 an heilpädagogische, ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Angebote für beeinträchtigte Kinder aus dem Landkreis Böblingen von der Geburt bis zur Einschulung. „Damit wird ein weißer Fleck auf der Landkarte geschlossen“, gratulierte Dusan Minic, Sozialdezernent des Landkreises Böblingen. „Die Lebenshilfe ist seit 60 Jahren erfolgreich unterwegs“, unterstrich Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann.
Talk zu inklusionspolitischen Fragen
Ehrengast der Pre-opening-Veranstaltung war Ulla Schmidt, Lebenshilfe-Bundesvorsitzende und Bundesministerin a. D.. „Ich habe die Schirmherrschaft gerne übernommen“, sagte die ehemalige Bundesgesundheitsministerin und Ministerin für soziale Sicherheit. „Mein Berufswunsch war Leiterin einer Frühförderstelle“, verriet sie dem Publikum. „Eltern wurden früher allein gelassen.“ Heute verträten sie selbstbewusst die Meinung: „Unsere Kinder können was.“ „Es geht um zehn Millionen Menschen“, sprach der Gast aus Aachen ein vehementes Votum für das Teilhabegesetz aus.
Nach dem offiziellen Teil bestand Gelegenheit, die neuen Räume, eine frühere physiotherapeutische Praxis, näher in Augenschein zu nehmen. Außerdem schloss sich ein Talk zu inklusionspolitischen Fragestellungen mit Ulla Schmidt, der SPD-Bundestagsabgeordneten Jasmina Hostert und dem SPD-Landtagsabgeordneten Florian Wahl an.
Umzug auf das Flugfeld geplant
Sieben Mitarbeiterinnen bilden das Team der neuen IFF. Die von ihnen praktizierte Komplexleistung Frühförderung ist eine Kombination aus Heilpädagogik und mindestens einer der medizinisch-therapeutischen Maßnahmen im Bereich Sprache, Wahrnehmung und Motorik, Entwicklungsauffälligkeiten, Konzentrationsproblemen, Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich und Behinderungen oder drohenden Behinderungen. „Es braucht ein engagiertes Team und Verwaltung“, erklärten die beiden Lebenshilfe-Geschäftsführerinnen Nicole Henk und Christina Holler.
Trotz der Neuerung sind die Räume in der Stuttgarter Straße nur eine Interimslösung. Bis 2028 soll auf dem Flugfeld das Kompetenzzentrum für selbstbestimmte Teilhabe einschließlich inklusiver Kita entstehen. Das wird dann auch Heimat der Interdisziplinären Frühförderstelle und der Lebenshilfe Böblingen.
Die Lebenshilfe
Statistik
472 Lebenshilfeorganisationen gibt es in Deutschland. Die Lebenshilfe Böblingen gGmbH kümmert sich mit 230 Mitarbeitern um insgesamt über 850 Menschen.