Neue Gebühren in Böblingen Parken als Schlüssel zur Innenstadt

Tiefgarage unter dem Marktplatz: Geringe Auslastung Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Die Stadt Böblingen packt das Dauerthema Parken an, doch noch stehen Hausaufgaben an, schreibt Chefredakteur Jan-Philipp Schlecht.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, hört man immer wieder dasselbe Jammern der Autofahrer: In der Innenstadt finde man keinen Parkplatz, weshalb man sein Geld lieber in den Shopping-Centern auf der grünen Wiese ausgibt, wo ausreichend Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dass auch hier die Parkplatzsuche oft minutenlang im Dunkeln eines Parkhauses stattfindet, wird dabei großzügig übersehen. Am Lenkrad entscheidet oft die subjektive Wahrnehmung, nicht die objektive Realität. Denn in Böblingen fehlt es zwar an manchem, aber definitiv nicht an modernen Parkgaragen in der Innenstadt.

 

Im Zentrum stellen die Stadtwerke insgesamt 1860 Parkplätze zur Verfügung, davon ist zwar ein knappes Drittel an Dauerparker vermietet, sodass noch immer weit über 1000 gut beleuchtete, im Sommer angenehm kühle und im Winter trockene Stellplätze frei bleiben. Diese Parkflächen sind zudem strategisch günstig gelegen: Direkt unter dem Marktplatz mit Zufahrten über die Stadtgrabenstraße oder die Pfarrgasse, neben der Kongresshalle, am Postplatz, im Höfle oder unter der Hautana-Passage. Doch offenbar ist diese Tatsache vielen Autofahrern gar nicht bekannt, denn die Auslastung der städtischen Garagen lag ohne Dauerparker zuletzt bei etwas über 50 Prozent.

Diese niedrige Auslastung ist ein weiteres Zeichen des Konkurrenzdrucks zwischen Innenstädten und modernen Einkaufszentren wie dem Breuningerland. Immer mehr Einzelhändler in den Innenstädten geben auf, was die Abwärtsspirale weiter antreibt. Wer die Innenstädte wiederbeleben möchte, muss verschiedene Faktoren beachten: Attraktivität, Aufenthaltsqualität und vor allem gute Erreichbarkeit. In Bezug auf letztere hat Böblingen viel richtig gemacht – fast jedenfalls. Denn ein übersichtliches Parkleitsystem mit einer Anzeige freier Plätze, das den Suchverkehr lenkt, fehlt bisher.

Parkplätze vor den Geschäften sind Mangelware Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Bürgermeister Stefan Belz sagte einst, Böblingen zu einer „Smart City“ machen zu wollen, doch während die Parkgaragen in gutem Zustand sind, fehlt ihnen noch das „smarte“ Konzept. Eine Verbesserung in diesem Bereich könnte helfen, die Autos effizienter unterzubringen und die Zahl der dauerhaft belegten Parkplätze vor den Geschäften neu zu überdenken. Diese Plätze werden zwar von den Händlern stets verteidigt, doch vielleicht gibt es Raum für Kompromisse? Mehr Stellplätze für Menschen mit Behinderungen, eine Testphase mit anschließender Auswertung oder innovative Konzepte, wie sie in Herrenberg umgesetzt wurden: Vier innerstädtische Parkplätze verwandelten sich im Herbst 2023 in grüne Oasen mit Bänken und Fahrradstellplätzen.

Lobenswert ist der Ansatz der Stadt, die erste Stunde in den Parkhäusern gratis anzubieten. So lässt sich eine schnelle Erledigung in der Stadt ohne Zahlung absolvieren. Wichtig: Dieses Angebot muss in die Köpfe. Vielen in der Stadt dürfte es gar nicht bekannt sein. Auch hier ist die Psychologie der Nutzer der Schlüssel. In puncto Kontrollen haben die Stadtwerke zuletzt allerdings nicht für eine Attraktivierung gesorgt: Seit sie diese punktuell an das Unternehmen Park & Control abgegeben haben, mehren sich Beschwerden über forsch vorgehende Kontrolleure, die geradezu erpicht darauf seien, Parksünder zur Kasse zu bitten.

Dauerärgernis Medicum-Parkplatz

Ein problematischer Parkplatz bleibt der an der Konrad-Zuse-Straße, der vor allem von den Besuchern des Ärztehauses Medicum genutzt wird. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist der unebene Schotterbelag ein erhebliches Hindernis und Ärgernis. Der Zweckverband Flugfeld sucht zwar nach Lösungsansätzen – bisher ist keiner in Sicht. Die Schotterpiste wird wohl noch eine Weile bestehen bleiben.

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