Neue Gerüchte um Franziskus Papst stellt Weichen für die Nachfolge
Eine Reise in die Abruzzen befeuert wieder einmal die Spekulationen um einen bald bevorstehenden Rücktritt von Papst Franziskus. Doch so schnell wird es wohl nicht gehen.
Eine Reise in die Abruzzen befeuert wieder einmal die Spekulationen um einen bald bevorstehenden Rücktritt von Papst Franziskus. Doch so schnell wird es wohl nicht gehen.
Für den sonntäglichen Besuch der Kathedrale von L’Aquila setzte sich Franziskus sicherheitshalber einen Helm auf: Das Gotteshaus ist 13 Jahre nach dem schlimmen Erdbeben in der Abruzzen-Stadt immer noch für das Publikum gesperrt. Symbolisch schützte sich der Papst mit dem Helm wohl auch vor den Rücktrittsgerüchten, die er mit seinem Abstecher in die gut hundert Kilometer östlich von Rom gelegene Stadt ausgelöst hat: In L’Aquila liegt Papst Coelestin V. begraben, der Ende des 13. Jahrhunderts als erster Papst der Geschichte wenige Monate nach seiner Wahl freiwillig zurücktrat.
Plant Franziskus womöglich, in dessen Fußstapfen zu treten – wie Papst Benedikt XVI., der einige Jahre vor seinem Amtsverzicht ebenfalls nach L’Aquila gepilgert war? Die offizielle Begründung für den Besuch in den Abruzzen war jedenfalls eine andere: Franziskus nahm an der traditionsreichen Ablass-Wallfahrt der „Perdonanza Celestiniana“ teil, die auf Coelestin zurückgeht. Außerdem stand eine Begegnung mit Angehörigen der 309 Todesopfer des Erdbebens von 2009 auf dem Programm. Am Sonntagnachmittag flog Franziskus mit dem Hubschrauber in den Vatikan zurück.
Unabhängig von möglichen Rücktrittsgedanken hat der Papst am Tag zuvor bei der Ernennung von zwanzig neuen Kardinälen gezeigt, wohin die Reise der katholischen Kirche nach ihm gehen soll: Er erwies sich einmal mehr als „Papst der Peripherien“, der Regionen fördert, die in der Kirche bisher am Rande standen: Unter den neuen Purpurträgern stammen zwei aus Brasilien, zwei aus Indien, je einer aus Singapur, Nigeria, Ghana, Paraguay, Osttimor, Korea und der Mongolei.
Insgesamt hat Franziskus seit seiner Wahl 113 neue Kardinäle ernannt, wovon nach gegenwärtigen Stand 83 jünger als 80 Jahre und somit bei einem Konklave wahlberechtigt wären. Angesichts der geografischen Verschiebungen innerhalb des Kardinalskollegiums wagte der Wiener Erzbischof und (wahlberechtigte) Kardinal Christoph Schönborn die Prognose, dass „der nächste Papst wahrscheinlich kein Europäer sein wird“. Die Kardinäle aus dem alten Kontinent stellen nur noch 40 Prozent der maximal 120 Teilnehmer an einem Konklave.
Allerdings: Eine Garantie, dass es im Sinne des Amtsinhabers weiter geht, ist das nicht. Ein Konklave folgt eigenen Gesetzen, und Papst Franziskus ist das beste Beispiel dafür: Die Kardinäle, die sich 2013 nach dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle versammelten, waren fast ausnahmslos von den beiden konservativen Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ernannt worden. Dennoch wählten sie den undogmatischen und vergleichsweise modernen Erzbischof von Buenos Aires zum neuen Pontifex. Sie wollten ein Ende der Finanz- und Missbrauchsskandale. Dem Argentinier trauten sie Reformen eher zu als einem Kollegen aus Europa.
Bleibt die Frage, ob sich Franziskus einen Amtsverzicht überhaupt vorstellen kann. „Das ist eine normale Möglichkeit, aber bis heute habe ich nicht an diese Tür geklopft“, bekannte der 85-Jährige kürzlich. „Das heißt aber nicht, dass ich übermorgen nicht anfangen würde, darüber nachzudenken.“ Übermorgen: Das heißt wohl nicht vor dem Ableben seines Vorgängers Joseph Ratzinger: Zwei Päpste im Vatikan – ein amtierender und ein emeritierter - sind schon ungewöhnlich. Drei Päpste – das dürfte auch Franziskus denken – wären des Guten wohl zu viel.