Müssen akzeptieren, dass der Bau der Heizzentrale in der Echterdinger Ortsmitte begonnen hat (von links): Wolfgang Haug, Beate Krämer, Ulrike Schwing-Dengler und Bernd Schmittgall Foto: Philipp Braitinger
Lange haben viele Nachbarn gegen die neue Heizzentrale im Herzen Echterdingens gekämpft. Die Bauarbeiten haben nun trotzdem begonnen. Wie ist die Stimmung?
Vor wenigen Wochen fand der offizielle Baubeginn in feierlichem Rahmen statt. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann war dabei und lobte das Konzept. Doch der Ministerpräsident wohnt ebenso wenig wie die Entscheidungsträger im Gemeinderat oder die Verwaltungsmitarbeiter des Rathauses in unmittelbarer Nähe der Energiezentale. Vielen Menschen vor Ort ist anlässlich des Baubeginns ganz und gar nicht zum Feiern zumute. Im Gegenteil.
„Da ist etwas kaputtgegangen.“ So beschreibt Ulrike Schwing-Dengler die Entfremdung vieler Mitstreiter mit ihrer Stadt beziehungsweise der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat. Gespräche habe es zwar gegeben. Gehört fühlen sich viele Menschen trotzdem nicht. Fernab jedweder Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Energiezentrale seien die gesellschaftlichen Folgekosten hoch, sagt die Anwohnerin.
Echterdinger Anwohner hat noch andere Sorgen
„Das bleibt“, sagt auch Bernd Schmittgall und unterstreicht damit das Gefühl, dass seine Vorrednerin beschrieb. Er wohnt auf einem direkten Nachbargrundstück. „Die Entscheidung für die Heizzentrale wurde ohne die Bürger getroffen“, meint auch er. Seine Sorge hängt aber nicht allein mit der Heizzentrale zusammen. Er befürchtet, dass der geplante Park zwischen seinem Haus und der Alten Schule vor allem nachts Kriminelle, etwa Drogenhändler, anlocken könnte. Ob der Park nachts abgeschlossen werde, was er sich wünschen würde, stehe aber noch nicht fest.
Wie geht es ihnen nun damit, dass der Protest wohl vergebens war? Es ist keine gute Gemütslage bei jenen Menschen, die an diesem Freitagnachmittag im Paulaner zusammengefunden haben. Wut, Enttäuschung, Resignation, Hilflosigkeit, sich nicht gehört fühlen, wird geäußert und erntet ernstes, langsames Kopfnicken. „Ich bin sauer“, sagt auch Beate Krämer. Sie hatte sich bereits in der Bürgerinitiative gegen die Pläne für die jetzige Energiezentrale engagiert. Inzwischen sei ein eingetragener Verein mit dem Namen „Historisches Erbe Echterdingen“ daraus geworden.
Neubau in Echterdingen: 7,5 Millionen Euro werden ausgegeben
Mit am Tisch sitzt auch Wolfgang Haug, FDP-Stadtrat, Leiter des Stadtmuseums und langjähriger Kritiker der Pläne. „Die Menschen lassen sich nicht mehr vorführen“, sagt er. Es brauche eine neue Form der Bürgerbeteiligung. An vielen Orten in der Stadt – in der Bunsenstraße, im Kaepsele, in den Bergäckern und eben in der Mitte Echterdingen – stemmten sich die Anwohner gegen die Pläne der Stadt und der Mehrheit des Gemeinderates.
7,5 Millionen Euro werden für das Gebäude der Energiezentrale ausgegeben. Dafür erhalten öffentliche Einrichtungen wie die Zeppelinschule eine regenerative Nahwärmeversorgung. Auch Privathaushalte sollen die Nahwärme nutzen können. Die Stadt möchte einmal insgesamt fünf städtische Gebäude und 50 Privathäuser anschließen. Doch das ist alles Zukunftsmusik. Architektonisch soll das Gebäude an eine Scheune erinnern. Allerdings eine Scheune mit einem kleinen Turm. Die Höhe wird ähnlich sein, wie beim benachbarten Alten Schulhaus, wobei der Turm wohl noch über den Gibel des Alten Schulhauses hinausragen wird. Der Versuch ist erkennbar, das Gebäude der Umgebung anzupassen. Nichtsdestotrotz bleibt die Energiescheuer ein industrielles Nutzgebäude, das bereits den Spitznamen „Krematorium“ bekommen hat. Die Stadtgesellschaft wird sich daran vermutlich noch einige Zeit reiben.
Die Stadt möchte auch 50 Privathäuser an die Nahwärme anschließen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Dem Bau werden die Nachbarn nun zähneknirschend zusehen müssen. „Es war ein demokratischer Prozess“, erklärt der Anwohner Eberhard Alber. Nichtsdestotrotz bedauert er, dass man nicht mit seinen Argumenten durchgedrungen sei. „Das Thema ist durch“, sagt auch Bernd Schmittgall. Doch für Menschen, die in Echterdingen aufgewachsen seien, komme die Veränderung im historischen Ortskern aber einer emotionalen Enteignung gleich.