Neue Info-Tafel in Stuttgart-Zuffenhausen Jeder kann etwas für Bienen und Hummeln tun

Von Petra Mostbacher-Dix 

Am Bahnhofsvorplatz in Zuffenhausen ist eine Informationstafel über Wildbienen aufgestellt worden: Das Gartenamt hat dort für die Insekten eine Blühwiese angelegt.

Bernd Wudick, Volker Schirner, Ute Dümcke, Andreas Elsner und  Ingo Lau (v.l.) bei der Einweihung der neuen Tafel. Foto: Mostbacher-Dix
Bernd Wudick, Volker Schirner, Ute Dümcke, Andreas Elsner und Ingo Lau (v.l.) bei der Einweihung der neuen Tafel. Foto: Mostbacher-Dix

Zuffenhausen - Die Samen der Wildblumen sind seit Anfang April im Boden. Doch das Beet um den Blauglockenbaum sieht noch etwas mager aus. Aber das soll es auch. Musste doch auf der Fläche am Bahnhofsvorplatz Zuffenhausen zunächst die alte Grasnarbe und der alte Bewuchs entfernt, der fette Lehmboden mit durchschnittlich sechs Zentimeter Splitt und Sand abgemagert und eine dünne Schicht Humus aufgestreut werden. „Entmagern sorgt dafür, dass einkeimige Pflanzen wie Gräser nicht die zweikeimigen, also Wildblumen, verdrängen“, erläutert Volker Schirner, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Was hier wachse brauche eben seine natürliche Zeit, in diesem Fall eben zwei Jahre.

Schirners Amt hatte geladen, um beim Blauglockenbaum eine Informationstafel über Wildbienen aufzustellen – mit den Initiatoren Andreas Elsner und Ingo Lau vom Verein Bienenschutz Stuttgart sowie Ute Dümcke und Bernd Wudick vom Bürgerverein Zuffenhausen.

Wildbienen finden keine Nahrung mehr

Hintergrund ist das Sterben von Bienen, Hummeln und anderen Insekten: In ländlichen Gebieten finden die Wildbienen wegen der Monokulturen keine Nahrung mehr. Längst summen in Städten mehr Bienen. Und dennoch: In Stuttgart sind über die Hälfte der 270 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder ausgestorben. Weil die Blühflächen mit heimischen Wildblumen verschwunden seien, sagt Amtsleiter Volker Schirner.

Die Behörde habe daher vor vielen Jahren begonnen, in Stuttgart mehr Blühflächen mit heimischen Wildblumen anzulegen. Gerne habe man auch, so Schirner, die Initiative der Vereine Bienenschutz Stuttgart und Bürgerverein Zuffenhausen unterstützt. Auf letzteren waren Elsner und Lau mit ihrer Idee „BienenBlütenReich“ zugekommen. Das Projekt ist Teil des Netzwerks Blühende Landschaft, über das 2019 deutschlandweit über zwei Millionen Quadratmeter insektenfreundliche Blühflächen angelegt werden. Es berät auch in Sachen Saatgutauswahl, Beetanlage und Pflege, die Stuttgarter Bienenschützer gehören als Regionalgruppe dazu. „Auch ohne Imkern kann jeder etwas für Bienen und Hummeln tun“, betont Ingo Lau. „Auf dem eigenen Acker, seiner Wiese, im eigenen Garten oder auf dem Balkon!“

Aussaat von Wildblumen auf 700 Quadratmeter

Am Bahnhof Zuffenhausen hat das Gartenamt rund 700 Quadratmeter öffentliche Flächen zur Aussaat von Wildblumen bereitgestellt. Neben den 40 Quadratmetern auf dem Bahnhofsvorplatz, gehören dazu der Hang zur B10/B27 am Kulturzentrum mit 220 Quadratmetern, zudem die Wiese bei den Altglascontainern am Busbahnhof mit 420 Quadratmetern. Für die Flächen gebe es ein eigenes Pflegekonzept, so Schirner. Das heißt, höchstens zwei Mal im Jahr mähen und wie Heuwiesen lang schneiden, nicht mulchen. Der Bürgerverein und die Bienenschützer hätten ein Auge auf das blühende Bienenreich, arbeiteten eng mit dem Amt zusammen.

Insgesamt drei unterschiedliche Saatgutmischungen sind dort ausgebracht worden: „Feldblumenmischung“ aus 100 Prozent Blumen mit Klatschmohn und Kornblumen, „Blumenwiese“ aus 50 Prozent heimischen Wildblumen und 50 Prozent Gräsern sowie „Bunter Saum“ aus 100 Prozent Blumen mit höheren Stauden wie Großblütige Königskerze oder Färberwaid. Enthalten sind auch Samen von hier wachsenden Arten wie Rundblättrige Glockenblume, Acker-Witwenblume oder die Wilde Möhre: für Wildbienen eine wichtige, manchmal die einzige Nahrungsquelle. Als Nistmöglichkeiten wurden außerdem ein Wildbienenhotel mit Brutröhren für Mauer- und Maskenbienen in der Hangfläche zur B10/B27 installiert, für Sandbienen und andere Bodenbrüter eine kleine Trockenmauer am Hang mit Sand hinterfüllt. Kosten für Saatgut und Beschilderung werden durch Blühpatenschaften finanziert.

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