Neue Kelter in Mettingen Zwischen Weinsicht und Weitsicht

Von Philipp Braitinger 

Nach 15 Monaten Bauzeit wurde die neue Kelter eröffnet. Rund drei Millionen Euro hat sie gekostet.

Auf der neuen Terrasse der umgebauten Kelter lässt sich der edle Rebensaft  am besten verkosten. Foto: Horst Rudel 5 Bilder
Auf der neuen Terrasse der umgebauten Kelter lässt sich der edle Rebensaft am besten verkosten. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Mit einem lauten „Plop“ knallte der Korken aus der Eseccoflasche. Vor rund 150 geladenen Gästen wurden am Freitagabend die für 3,16 Millionen Euro sanierten beziehungsweise neu angebauten Teile der Kelter der Esslinger Weingärtnergenossenschaft im Stadtteil Mettingen feierlich wiedereröffnet. Dazu gab es musikalische und literarische Begleitung. Am Sonntag war die Öffentlichkeit eingeladen, die neuen Räume zu erkunden.

„Weinsicht. Weitsicht. Aussicht. Das sind die Ziele des Umbaus gewesen“, erinnerte der zweite Vorsitzende der Weingärtnergenossenschaft Andreas Rapp, der den erkrankten Vorsitzenden Achim Jahn am Freitagabend vertrat. Der Verkaufsraum wurde seit April vergangenen Jahres ebenso wie das erste Obergeschoss erneuert und modernisiert. „Sie sind einfach in die Jahre gekommen. Sie waren nicht mehr zeitgemäß“, sagte Rapp über die Räume der 1970 gebauten, also beinahe 50 Jahre alten Kelter. Der Zugang vom Hof in die Verkaufsräume erfolgt nun ebenerdig. Früher mussten die Kunden ihre Einkäufe über eine Rampe zu den Parkplätzen bringen, weil der Hof abschüssig war.

Das dritte Obergeschoss ist das bauliche Highlight

Neu und das bauliche Highlight der neuen Kelter ist das dritte Obergeschoss geworden. Das Stockwerk ist Richtung Weinberge von einer großen Terrasse und Richtung Neckartal von einem Balkon umgeben. „Wir werden den Weinbau in Esslingen in die Zukunft führen“, war sich Rapp am Abend der offiziellen Eröffnung sicher. Einen ersten Vorgeschmack auf die zukünftigen Veranstaltungen, die im dritten Stockwerk der Kelter nun stattfinden könnten, bekamen die Besucher bereits am Eröffnungstag. Während die Sonne im Westen unterging, wurden die gepflasterten Terrassenflächen zum Gespräch bei einem Glas Esecco und Häppchen genutzt.

Die „tolle Aussicht in das Neckartal“, hat es auch der Weingärtner-Geschäftsführerin Ramona Fischer angetan. „Endlich ist es soweit, wir konnten es kaum noch erwarten“, freute sie sich während der Eröffnungsfeier. Für die Nutzung der neuen Räume habe sie bereits viele Ideen. „Wir werden das Ding mit Leben erfüllen“, versprach die Geschäftsführerin ihren Gästen.

Die Kelter lädt gerade zu ein, Veranstaltungen zu planen

Dass die neue Kelter zur Planung von Veranstaltungen geradezu einlade, erkannte auch Esslingens Finanzbürgermeister Ingo Rust (SPD). „Die Esslinger Weingärtner haben Weitsicht“, sagte er und bezog sich damit sowohl auf die Entscheidung, die Kelter zu erneuern, als auch auf den Ausblick ins Neckartal, der nun von der Terrasse aus möglich ist. Während seiner Ansprache spannte Rust den Bogen von der Geschichte des Weinbaus seit Noah bis zur aktuellen Diskussion in Esslingen, wer die Instandhaltung der Trockenmauern bezahlen soll. „Es ist eine ganz besondere Herausforderung“, gab Rust zu. Denn die Trockenmauern aus Sandstein trügen ganz wesentlich zum Stadtbild von Esslingen bei.

Wie es mit der Instandhaltung der Trockenmauern weitergeht, diese Frage treib auch Otto Rapp vom Verein Staffelsteiger um. Der Verein hat sich den Erhalt der Mauern auf die Fahnen geschrieben. Außerdem hat er einen Weinerlebnisweg geschaffen, der auf zwei Routen von der Frauenkirche in Esslingen durch die Weinberge nach Mettingen führt. „Wir machen weiter“, kündigte Rapp an. Rund 1000 Quadratmeter Sichtfläche seien in den vergangenen Jahren bereits wiederaufgebaut worden.

Die Steillage, in welcher in Esslingen Weinbau betrieben wird, erschwere die Arbeit. Das betonte der Weinbauverbandspräsident Baden-Württembergs, Hermann Hohl. „Es ist nicht einfach, in Esslingen Weinbau zu betreiben“, sagte er. Dass sich die Mühe lohnt, das lässt sich unter anderem an der Kundentreue erkennen. Rund 90 Prozent der Esslinger Weine würden an Kunden verkauft, die im Umkreis von 20 Kilometern lebten. In anderen Regionen betrage dieser Anteil vielleicht gerade einmal 30 Prozent. „Es war richtig, in diese Räume zu investieren“, meinte Herrmann Hohl deshalb. Denn viele der Kunden kaufen ihren Wein direkt bei der Kelter.

An die Geschichte des alten Gebäudes mit seinen An- und Umbauten erinnerte bei der Einweihung der Architekt Martin Gaysert. „Unser Statiker hatte gut zu tun“, sagte er vor allem mit Blick auf das neue dritte Stockwerk. Dass sich die Arbeit an dem Gebäude gelohnt hat, daran ließ auch der Architekt keinen Zweifel. „Es gibt die Aussicht ins Neckartal und in die Weinberge. Man hat einen Bezug zur Quelle und weiß, wo der Wein herkommt“, erklärte Martin Gaysert.