Neue Kletterhalle „Grip“ in Göppingen Wo bunte Griffe in luftige Höhe locken

Eine junge Kletterbegeisterte an der Trainingswand des „Grip“. Foto: Peter Buyer

In der neuen Kletterhalle „Grip“ der Göppinger Alpenvereinssektion gewinnen kleine und große Kletterer schnell an Höhe. Doch wie fühlt sich das an? Ein Selbstversuch.

Es sind 250 Kilometer bis zum Hochtannbergpass. Oder nur 190 bis Baad am Ende des Kleinwalsertals. Dann ist der Fußmarsch aber deutlich länger bis dahin, wo es auf der Strecke gen Widdersteingipfel spannend wird. Hoch hinaus kommt man jetzt in Göppingen auch schneller. Wer nach oben klettern will, braucht vom Reusch statt der 250 Kilometer mit dem Auto nur noch drei mit dem Rad bis zum Grip-Zentrum, der neuen Kletterhalle der Göppinger Sektion Hohenstaufen des Deutschen Alpenvereins (DAV) zwischen Hohenstaufen- und John-F.-Kennedy-Straße.

 

Los geht es, ab nach oben. Und das ganz ohne eintöniges Wandern auf dem Kiesweg. Von der kurzen Radtour sind meine jüngste Tochter, sieben Jahre alt, und ich noch warm. Es kann also sofort losgehen. Der Hallenleiter Steffen Schill hat für uns die Halle extra früh aufgesperrt, damit wir ausprobieren können, wie das so geht mit dem schnellen Weg nach oben unter die Hallendecke. Erfahrung hat die Kleine keine, und bei mir ist die letzte nennenswerte Besteigung auch schon ein paar Jahre her. Eine Kletterei in der Kletterhalle irgendwo in Ulm liegt noch länger zurück. Na und?

Wenn Knoten und Sicherungsgerät mitmachen, kann nichts passieren

Steffen Schill zeigt uns die Sicherungen, denn wer zehn Meter weiter oben in den Seilen hängt, soll sicher sein, dass er heile wieder runterkommt. Wenn Knoten und Sicherungsgerät mitmachen, kann nichts passieren. „Da kannst du auch einen Elefanten dranhängen“, sagt er zur Kleinen, die als erste dran ist. Der Klettergurt sitzt, die Kletterschuhe auch. Steffen Schill hat die Ausrüstung in jeder Größe da. Und Elefanten klettern hier nicht. Wie auch immer, die Tochter will nach oben. Es geht los: Füße, Hände, hochziehen, hochdrücken, das geht doch gut. Auf halber Höhe zögert die Kleine. „Zu“, ruft sie. Schill, der persönlich sichert, zieht das Sicherungsseil stramm. „Nimm immer die roten Griffe“, sagt Schill. Die Kleine klettert weiter und ist im Nu unter der Decke.

„Zu“, ruft sie. „Willst du runter?“, fragt Schill. „Ja, äh, ach so.“ Wie hieß das noch mal? „Ach ja, ab“, erinnert sie sich an die Einführungsrunde. Schill lässt sie nach unten gleiten. Mit den Füßen stößt sie sich immer wieder leicht von der Wand ab. Unten angekommen, geht ihr Blick sofort nach oben. Ihre Augen leuchten, da oben war sie, jawohl. Und das war „nur“ die Schulungshalle mit ihren zehn Meter hohen Wänden. Die in der Haupthalle sind noch mal fünf Meter höher, Für die Kleine ist das kein Problem.

52 Routen hat Hallenleiter Schill mit seinem Team an die Wände der Kletterhalle geschraubt. Jede Woche schraubt er zwei oder drei neu, „damit es nicht langweilig wird“. Langeweile, die sich auf dem Kiesweg hinter Baad Richtung Bärgunt schnell mal einstellt, die gibt es in der Kletterhalle nicht. Hier geht es immer nach oben, sofort und senkrecht – oder mit Überhang.

Dem Vater reicht es schon nach zehn Metern

Die Kleine grinst aus 15 Metern nach unten. „Zu“ und „ab“, ruft sie routiniert runter. Jetzt ist der Vater dran. Die Zehn-Meter-Wand war kein Problem, die 15-Meter-Version ist da schon etwas heftiger. Bei gut Zehn Metern rufe ich „zu“ und „ab“, mir reicht das fürs Erste.

Der Kleinen nicht. Sie will unbedingt wiederkommen. Die Warteliste für Kinder ist aber ganz schön lang, sagt Schill. Der DAV Göppingen hat mit der Halle einen Nerv getroffen. Hoch hinaus vor der Haustür wollen viele. Auch wenn es am Ende der Route unterm Hallendach nur rund 400 Meter über Normalnull sind, statt der 2533 Meter auf dem Widdersteingipfel.

Alpenverein arbeitet ohne Bargeld

Öffnungszeiten
Die Halle ist geöffnet immer am Montag, Mittwoch und Freitag von 13 Uhr bis 22.30 Uhr, am Dienstag und Donnerstag ist sie von 9 bis 22.30 Uhr geöffnet. An Samstagen, Sonntagen und Feiertage kann von 10 bis 20 Uhr geklettert werden – so kann man am 6. Januar von 10 bis 20 Uhr klettern und bouldern. Veranstaltungen für Schulen, Vereine oder Firmen können auch an Vormittagen angefragt werden, an denen das Grip nicht geöffnet ist. Der Alpenverein akzeptiert ausschließlich Kartenzahlung.

Neubau
Die Sektion Hohenstaufen des DAV eröffnete Ende November die vier Millionen Euro teure Kletter- und Boulderhalle in Göppingen und schloss dafür die „Kletterstube“. Die Kletterfläche beträgt insgesamt 1000 Quadratmeter, die Kletterfläche innen 750 und außen 250 Quadratmeter. Die Kletterwandhöhe beträgt bis zu 15 Meter. Die Boulderfläche misst 500 Quadratmeter. Es gibt zudem einen Trainingsbereich sowie ein Kilterboard und einen abgetrennten Schulungsbereich. Ebenso im Grip finden sich ein Bistro, ein Konferenzraum und eine Außenterrasse.

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