Neue Klinik in Böblingen Mehr und bessere Hilfe für seelisch Erkrankte

Zwischen Planaküchenland und Sensapolis entsteht das Zentrum für seelische Gesundheit. Foto: tefanie Schlecht

Zwischen Planaküchenland und Sensapolis wird eine psychiatrische Klinik gebaut. Sie bietet zum Beispiel einen Dachgarten, etwas, das es sonst nicht oft gibt.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Etwas versteckt hinter dem neuen, großen Flugfeldklinikum, entsteht ein Gebäude mit dem Bauherr und Architekten neue Standards bei der Betreuung psychisch erkrankter Menschen setzen wollen. Zwischen Planaküchenland, Flugfeldklinikum und Sensapolis wächst für rund 100 Millionen Euro das Zentrum für seelische Gesundheit (ZsG) in die Höhe. Es bietet einiges, das es sonst kaum gibt.

 

Künftig können dort rund 200 Patientinnen und Patienten über längere Zeit behandelt werden – angesichts der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen eine wichtige Entlastung für das Zentrum für Psychiatrie Calw-Klinikum Nordschwarzwald (ZfP), das die Einrichtung als Ableger im Kreis Böblingen baut und später betreiben wird.

2026 nimmt das Zentrum die Arbeit auf

Das ZsG auf dem Böblinger Teil des Flugfelds war am Mittwoch ein Stopp auf der traditionellen Baustellenrundfahrt des Böblinger Gemeinderats. „Das Zentrum gerät häufig in den Hintergrund, aber es hat hier einen festen Platz“, betonte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) die Wichtigkeit der psychiatrischen Klinik.

Till Fischer vom zuständigen Architekturbüro „a+r Architekten“ hatte gute Nachrichten dabei: „Wir sind im Zeitplan und Kostenrahmen“, sagte er. Fertig werden soll das Zentrum im Jahr 2026, die Inbetriebnahme ist für Februar 2027 geplant – also vor dem Flugfeldklinikum, dessen Eröffnungstermin inzwischen auf 2028 gerutscht ist.

Das ZsG agiert unabhängig vom Flugfeldklinikum. Die Verbindung ist trotzdem eng. Das beweist ganz praktisch ein unterirdischer Gang, der das neue Zentrum mit dem neuen Klinikum verbinden wird und einen schnellen Wechsel vom einen in das andere Gebäude möglich macht.

Eine besondere Dachterrasse

Spatenstich für das ZsG war im März 2024. Inzwischen sei der Rohbau zu 80 Prozent fertig, sagte Fischer. Höher werde der Gebäudekomplex im Gesamten nicht mehr. Was aber beispielsweise noch fehlt, ist eine Dachterrasse auf einem der Gebäudeflügel. Eine Dachterrasse wäre nichts Außergewöhnliches, würde dort oben nicht ein geschützter Garten für die Patientinnen und Patienten der geschlossenen Station entstehen. „Man kann schon sagen: Damit setzen wir einen neuen Standard“, sagte Guido Strangmann, Architekt vom ZfP.

Dass Patientinnen und Patienten der geschlossenen Station auf eigene Faust an die frische Luft können, sei eher unüblich. Damit das möglich ist, muss die Dachterrasse Voraussetzungen erfüllen. Zum Schutz der Patientinnen und Patienten wird sie geschosshoch von Wänden mit großen Fenstern umfasst, ist aber nach oben hin offen.

Die Stadträtinnen und Stadträte schauen sich das neue Gebäude an. Foto: Anke Kumbier

Überhaupt soll das Zentrum ein möglichst angenehmes Ambiente bieten. So sind laut Strangmann für die Zimmer beispielsweise Parkettböden vorgesehen und im Erdgeschoss sind zwei weitere Gärten geplant. Das alles sind nicht nur nette Schmankerl für die Patientinnen und Patienten, sondern Dinge, die die Genesung unterstützen sollen. „Die Gestaltung der Umgebung wirkt auf den Menschen“, betonte Strangmann.

Klinikschule zieht in ZsG ein

Das ZsG bietet Platz für 161 stationäre und 44 tagesklinische Pflegeplätze. Wenn es fertig ist, zieht dort unter anderem das psychiatrische Behandlungszentrum hin, das sich aktuell noch auf dem alten Böblinger Krankenhausareal in der Bunsenstraße befindet.

Ein besonderes Augenmerk will das ZsG auf die Altersgruppe der 15- bis 25 Jährigen legen. Psychiatrie-Chefarzt Gunther Essinger hatte beim Spatenstich im März 2024 eine Zunahme psychischer Erkrankungen konstatiert – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Sollten sie längere Zeit in stationärer Behandlung bleiben müssen, haben sie die Möglichkeit im gleichen Gebäude zur Schule zu gehen. Im Flügel des ZsG, in dem Verwaltung, Therapieräume und die Ambulanz untergebracht sein werden, findet nämlich auch die Klinikschule in Trägerschaft des Landkreises Platz. Derzeit noch in der Bunsenstraße wird sie, wie das psychiatrische Behandlungszentrum, aufs Flugfeld ziehen.

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