Cupcakes, hier mit Himbeerherz und Vanilletopping – sind Selin Ipeks persönliche Favoriten. In ihrer kleinen Konditorei in Waiblingen zaubert sie auch Torten, Törtchen und Frucht-Desserts. Foto: Gottfried Stoppel
Bei Selin Ipek wurde aus Backleidenschaft eine Berufung: In ihrer Konditorei in Waiblingen kreiert die 27-jährige Ingenieurin süße Kunstwerke aus frischen, hochwertigen Zutaten.
Annette Clauß
19.03.2026 - 17:00 Uhr
Als Selin Ipek zum ersten Mal die angesagten Frucht-Desserts ihres großen Vorbilds, des Pariser Starkonditors Cédric Grolet, sah, war der Ehrgeiz der jungen Frau aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) geweckt: Kriege ich das auch hin? Schließlich ist die Herstellung der derzeit insbesondere auf Social-Media-Plattformen gehypten, fruchtigen Kunstwerke ein aufwändiger, mehrtägiger Prozess. Der habe seinen Preis, sagt Selin Ipek, die je nach Sorte knapp zehn beziehungsweise elf Euro verlangt.
Von außen sieht das Naschwerk frischen Früchten wie Mangos, Himbeeren oder Zitronen sehr ähnlich. Innen verstecken sich verschiedene Cremes und Mousses und ein Kern aus Fruchtpüree. Die Zutaten werden dazu in spezielle Formen gegossen, schockgefrostet, wieder ausgeformt und Stück für Stück mit einer dünnen Schicht aus weißer Schokolade und Kakaobutter überzogen. Etwas Lebensmittelfarbe verleiht den Früchtchen die passende Farbe. Nichts für Anfänger und Ungeduldige.
Selin Ipek ist weder das eine noch das andere. Sie bezeichnet sich als Perfektionistin und hat mit ihren 27 Jahren gut 20 Jahre Erfahrung im Backen gesammelt. „Ich habe früher nie mit Puppen gespielt, sondern mit Töpfen und Kochlöffeln, denn ich war immer bei meiner Mama in der Küche.“ Die ersten Kekse backte sie mit sechs Jahren, mit der Zeit versorgte Selin Ipek ihre Familie und Freunde auch mit Cake-Pops, Cupcakes, Tartelettes und Torten zu besonderen Anlässen. Fertigmischungen kommen dabei nie in die Rührschüssel, versichert Selin Ipek.
Zitronen und Mangos aus Selin Ipeks Konditorei – nach dem Vorbild von Cédric Grolet Foto: Gottfried Stoppel
„Ich habe viele Komplimente dafür bekommen“, erzählt die 27-Jährige, die auch Fotos ihrer essbaren Kunstwerke auf Social Media veröffentlichte. Im Lauf der Zeit sammelte sie nicht nur ganz viel praktisches Wissen, sondern schaute sich in der Freizeit unzählige Koch- und Backvideos an. Das ging auch nach dem Abitur und während ihrer Zeit an der Hochschule Heilbronn so weiter. Dort studierte sie Produktion und Prozessmanagement.
„Backen war mein Ausgleich zum Studium, es beruhigt mich“
„Backen war mein Ausgleich zum Studium, es beruhigt mich und ist wie Meditation“, sagt Selin Ipek. Ihr Studium hat sie als Ingenieurin abgeschlossen: „Aber ich hab’ mich nie im Büro gesehen.“ Und weil die Nachfrage nach ihren Leckereien ständig stieg, wurde ihr irgendwann klar: „Das ist meine Berufung und mein Weg.“ Nach dem Studium absolvierte sie mit einer Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer eine verkürzte Ausbildung zur Konditorin. Das praktische und theoretische Wissen für die Prüfungen musste sie sich selbst aneignen.
Fast zu schön, um reinzubeißen: ein Pistazientörtchen Foto: Gottfried Stoppel
Inzwischen ist sie als selbständige Konditorin in die Handwerksrolle der Handwerkskammer eingetragen und hat Anfang des Monats in Waiblingen ihr Geschäft in einem denkmalgeschützten Fachwerkhäuschen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts eröffnet. Zu Selin Ipeks Auftragskonditorei „toertchen.“, in der sie Torten und mehr auf Bestellung kreiert, gehört ein kleines Café, in dem neben Törtchen, Cupcakes und Frucht-Desserts nach Art von Cédric Grolet auch Matcha Latte – heiß oder mit Eis – serviert wird. „Wir machen einen der besten Matcha-Tees hier in der Gegend“, sagt Selin Ipek, die viel Wert auf Frische und Qualität legt.
„Mein Herz schlägt für den Rems-Murr-Kreis“, so begründet die 27-Jährige ihre Entscheidung für den Standort Waiblingen. „Ich wollte ein hippes Café hier herbringen, sodass man nicht immer nach Stuttgart fahren muss.“ Dass es bis zur Eröffnung fast ein Jahr gedauert hat, hat mehrere Gründe. Zum einen hat sie den Laden selbst renoviert – viel Arbeit, wie Selin Ipek sagt. Außerdem war sie drei Monate in der Türkei, als Teilnehmerin der TV-Kochshow „Masterchef“, in der sie sich mit ungewöhnlichen Rezeptideen einen zweiten Platz sicherte – beispielsweise mit einem Dessert aus gelber Paprika.
Und dann erregten ihre Frucht-Desserts nach Art von Cédric Grolet, die sie auf Social Media gepostet hatte, großes Interesse. „Breuninger Sindelfingen hat gefragt, ob ich die bei ihnen verkaufen möchte“, erzählt Selin Ipek: „Die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.“ Dazu musste sie noch schnell mehr Equipment beschaffen, Freunde halfen am Verkaufsstand aus, der nach zwei Stunden abgegrast war.
Eigentlich liege ihr Fokus ja mehr auf Torten und Cupcakes, sagt Selin Ipek: „Die Früchte wollte ich deshalb schon wieder aus dem Sortiment nehmen. Aber die Nachfrage ist gerade so hoch, dass ich sie nun doch noch etwas länger mache.“
Matcha-Bar und mehr
Ostermarkt Beim Ostermarkt am Sonntag, 22. März, hat die Konditorei „toertchen.“ von 12.30 bis 17.30 Uhr offen, es gibt Schokoerdbeeren und eine Matcha-Bar im Freien.
Öffnungszeiten Die Konditorei in der Langen Straße 21 in Waiblingen ist mittwochs bis freitags von 10 bis 17.30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.