Neue Ladestationen in Stuttgart Die Parkgebühr treibt den Preis hoch

In Stuttgart fließt an den öffentlichen Ladesäulen Ökostrom. Zusätzlich zu den Stromkosten fallen beim Laden auch Standgebühren an. Foto: dpa/Lino Mirgeler

In Stuttgart wollen neue Anbieter die wachsende Zahl der E-Autos mit Strom versorgen. Der Stellplatz an der Ladesäule war bisher kostenfrei, doch nun werden Standgebühren erhoben.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt sind die Karten bei der Verteilung der öffentlichen Ladestationen für Elektroautos im vorigen Jahr neu gemischt worden. Der bisherige Platzhirsch EnBW (Energie Baden-Württemberg) erhält Konkurrenz. Auch die Tarife wandeln sich. Neben dem Strom muss an der Säule nun oft auch eine Standgebühr bezahlt werden. Das hat ganz erhebliche Auswirkungen auf den Preis einer Batteriefüllung.

 

Die Stadtwerke Stuttgart mit ihren rund 210 Standorten, die EZE Network GmbH (Landsberg, 170), die EnBW (60) und Allego (Arnheim/Niederlande, 30) sind in den nächsten Jahren die Hauptakteure in Sachen öffentlicher Ladeinfrastruktur in Stuttgart, nachdem die EnBW eine Pionierrolle eingenommen hatte. Bis Ende August wollen die Anbieter die Ladesäulen an den alten Standorten erneuert haben. Die Stadtwerke tauschen 62, die EZE 41 Säulen. Bis Jahresende wollen die Stadtwerke 140 neue Standorte am Netz haben. Der Ausbau werde sich wohl bis 2022 ziehen, sagt Manuel Hagel aus dem Referat Nachhaltige Mobilität im Rathaus.

Neue Vielfalt an Anbietern

Die neue Vielfalt beschert den Kunden bei den Strompreisen (Ökostrom ist vorgeschrieben) eine deutliche Spanne. Beim Ad-hoc-Laden (keine App oder Karte eines Anbieters nötig, keine Grundgebühr fällig) buchen die EnBW 46 Cent pro Kilowattstunde ab. Ihre besser gestellten Vertragskunden mussten im Juli im Vielfahrer-Tarif eine Preiserhöhung von 29 auf 36 Cent (24 Prozent) hinnehmen. Allego nimmt laut Berliner Büro 40 bis 43 Cent, die Stadtwerke verlangen 39 und EZE 30 Cent pro Kilowattstunde. Damit die Säule Strom liefert, muss ein QR-Code gescannt und müssen Daten per Handy übermittelt werden. Bei EZE genügt die EC-Karte.

Die Branche hat in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass Ladesäulenplätze vor allem bei hohen Parkgebühren gern als kostenlose Parkplätze genutzt werden. In Stuttgart sind E-Autos bis Ende 2022 von der Parkgebühr befreit, der Gemeinderat entscheidet über diese Regelung.

Umsatzverluste befürchtet

Die Ladesäulenbetreiber beklagen, dass ihre Anlagen schlicht zugeparkt werden. Es gebe Leute, die stellten ihr Auto mit nahezu voller Batterie an die Säule. „Aber nicht nur der Strom ist wertvoll, sondern auch die Zeit, in der andere nicht laden können, weil die Säule blockiert ist“, begründet Michael Valentine-Urbschat den zusätzlichen Obolus. Vor der Stromsäule nur zu parken sei „nicht Sinn und Zweck der Infrastruktur“. Ähnlich sehen es die Stadtwerke. Lange Standzeiten, vor allem von Plug-in-Hybriden, deren Minibatterie eigentlich schnell gefüllt sei, sehe man sehr kritisch. Die EnBW hat das Ärgernis im November 2020 bei ihrer Tarifanpassung in einem Begriff beschrieben: Sie erhebt seitdem eine „Blockiergebühr“. EZE sprechen von Nutzungs-, die Stadtwerke von Standzeitgebühren.

Beim Ad-hoc-Laden beträgt die Parkgebühr bei der EnBW 6 Cent pro Minute (ab der ersten Minute; 3,60 Euro pro Stunde), bei EZE für jede Stunde einen Euro (abgerechnet wird auf die Minute), bei den Stadtwerken nach der ersten kostenlosen Stunde 8 Cent pro Minute, also 4,80 pro Stunde. Das liegt 20 Cent über jener Parkgebühr, die die Stadt für eine Stunde in der teuersten Cityzone erhebt. Allego erhebt laut Auskunft „im Allgemeinen“ keine Parkgebühr.

Ladegebühr schlägt zu Buche

Die Ladesäulen haben in der Regel eine Leistung von 22 Kilowatt (kW). Viele Fahrzeuge können diese 22 kW pro Stunde aber nicht aufnehmen. Dazu ist oft aufpreispflichtige Ausrüstung im Wagen nötig. Nimmt man eine Ladeleistung von 11 kW an, dann liegen Park- und Ladegebühr bei der EnBW (3,60/5,06 Euro pro Stunde) nicht mehr weit auseinander, bei den Stadtwerken überflügelt die Parkgebühr von 4,80 Euro ab der zweiten Stunde den Strompreis von 4,29 Euro. Autohersteller werben damit, dass die Unterhalts- und Verbrauchskosten von E-Autos oft günstiger seien als die von Verbrennern. Parkgebühren kommen in den Prospekten aber nicht vor. 50 kW zu laden, womit man 250 bis 330 Kilometer weit kommt, kostet im Ad-hoc Tarif bei EZE insgesamt 19,55 Euro (Anteil Parken: 4,55 Euro), bei Allego 20,50 (0 Euro), bei den Stadtwerken 36,51 (17,01) und bei EnBW 39,36 (16,36) Euro.

Während die EnBW in weiteren, vertragsgebundenen Tarifen die Blockiergebühr erst ab der 241. Minute erhebt, auf 12 Euro begrenzt und die kW-Stunde günstiger anbietet, arbeiten die Stadtwerke an einer Differenzierung ihres Einheitstarifs. Mit einer neuen Ladekarte wolle man beim Strom zehn Prozent Rabatt geben. Die freie Standzeit soll sich mit Karte auf 90 Minuten verlängern. Der Ad-hoc Tarif sei ein „Notfalltarif“, so die EnBW, nur ein bis zwei Prozent aller Ladungen würden über ihn abgerechnet.

Stadt gibt Flächen kostenfrei

Die Stadt hat von den Parkgebühren übrigens nichts. Sie stellt die Flächen für acht Jahre kostenfrei zur Verfügung, sobald die Säule steht. In der Ladesäulenverordnung des Bundes sei festgelegt, dass die „Kilowattstundenkomponente“ die vorherrschende Komponente im jeweiligen Tarif sein müsse, sagt Manuel Hagel. Man beobachte die Tarife. Wichtig seien Gesetzgeber und Stadt, dass es wie an der Tankstelle Wettbewerb gebe. An den Zapfsäulen der Tankstellen sind die Konditionen für den Verbraucher allerdings deutlich einfacher nachvollziehbar.

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