Stuttgart - Der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Danyal Bayaz (Grüne) ist als neuer baden-württembergischer Finanzminister im Gespräch. Der 37 -jährige Wirtschaftswissenschaftler mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit sei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann angefragt, habe sich aber noch nicht entschieden, heißt es aus Parteikreisen. Bayaz selbst, der eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater hat, lehnte auf Anfrage einen Kommentar zu seiner Zukunft ab und betonte, die Besetzung des Kabinetts laufe noch.
Bayaz gilt als einer der jungen, international orientierten Shootingstars der Grünen-Bundestagsfraktion. Er hat in Stuttgart-Hohenheim studiert und promoviert und arbeitete vor seinem Wechsel ins Parlament für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Zwar ist Bayaz erst seit 2017 Mitglied des Bundestags. Dort konnte er sich jedoch schnell einen Namen als Finanzexperte machen.
Bayaz gehört dem Finanzausschuss an und ist eine der treibenden Kräfte im Untersuchungsausschuss, der die Rolle der Politik im Skandal um den kollabierten Finanzdienstleister Wirecard beleuchtet. Im Falle seiner Nominierung würde der gebürtige Heidelberger Nachfolger von Finanzministerin Edith Sitzmann, die ihren Rückzug aus der Politik angekündigt hat.
Neues Digitalministerium?
Als neue Umweltministerin wird die Karlsruher Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach (Grüne) gehandelt. Die 56-jährige diplomierte Geoökologin stammt aus Karlsruhe und saß von 2016 bis 2019 im Landtag. Sie war als Landschaftsplanerin und Geoökologin in verschiedenen Planungsbüros und beim BUND tätig. Bei Siemens hat sie darüber hinaus eine Zusatzausbildung als Softwareentwicklerin gemacht. Lisbach könnte die Nachfolge des bisherigen Umweltministers Franz Untersteller antreten.
Neu besetzt werden muss auch die Spitze des Kultusministeriums, das künftig wohl von der Grünen geführt wird. Als Ministerin wird die bisherige Staatsministerin Theresa Schopper gehandelt. Die 60-jährige Soziologin wäre damit die erste Kultusministerin der Grünen im Land. Bisher ist sie im Staatsministerium für die politische Kommunikation zuständig.
Auf CDU-Seite soll die bisherige Vizechefin der CDU-Landtagsfraktion, Nicole Razavi, ein neues Digitalministerium aufbauen. Ob Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ihr Amt behält, ist noch unklar. Im Gespräch dafür ist auch die Sigmaringer Landrätin Stefanie Bürkle. Der bisherige CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart soll an die Spitze des Justizministeriums wechseln. Auf den übrigen Ministerposten gibt es dem Vernehmen nach keine Veränderungen.