Neue Makler-Portale Der Algorithmus als Wohnungsvermittler

Kann ein Online-Portal Mieter und Vermieter genauso zusammenbringen wie der Makler? Der Berufsstand bezweifelt das. Foto: Fotex
Kann ein Online-Portal Mieter und Vermieter genauso zusammenbringen wie der Makler? Der Berufsstand bezweifelt das. Foto: Fotex

Online-Portale machen Maklern Konkurrenz. Diese klagen über Umsatzeinbrüche, manche sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Die digitalen Start-ups kümmert das nicht. Sie wollen den Immobilienmarkt revolutionieren.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Das Internet verändert den Markt vieler Branchen: die Hoteliers beklagen sich über Airbnb, Taxifahrer verwünschen Uber, und auch Makler bekommen Konkurrenz durch Online-Portale. Sie heißen Domiando, Vendomo oder McMakler und bringen Mieter und Vermieter zusammen, manchmal mit Algorithmen wie bei einer Partnerbörse, manchmal mit dem Vor-Ort-Service eines Maklers. Eine vom Mietpreis abhängige Makler-Provision wird jedoch in beiden Fällen nicht bezahlt, diese Start-ups verlangen Pauschalen für eine erfolgreiche Vermittlung, die zum Teil weit unter dem Betrag von den üblichen zwei Monatsmieten liegen. Während viele Makler sich durch die digitale Konkurrenz in ihrer Existenz bedroht sehen und sich mehr auf den Verkauf von Immobilien konzentrieren, expandieren die jungen Portale in immer mehr Großstädte.

Die Online-Portale sprießen auch wegen der gesetzlichen Einführung des Bestellerprinzips im Sommer: Seitdem muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt, und das ist in aller Regel der Vermieter. Der ist aber selten bereit, die Maklerprovision zu zahlen. Nach einer Umfrage des Immobilienportals Immobilienscout 24 hat knapp die Hälfte der Vermieter die Zusammenarbeit mit Maklern beendet und versucht jetzt auf eigene Faust, die Objekte an den Mann zu bringen. Knapp 84 Prozent der befragten Makler mussten durch die Einführung des Bestellerprinzips Umsatzeinbußen hinnehmen, etwa 47 Prozent der Makler sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Viele Makler (41 Prozent) stellen deswegen um auf den Verkauf von Wohnungen. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes IVD ist das Makler-Portfolio von Mietvermittlungen seit dem Sommer von 46 Prozent auf 30 Prozent gefallen. Umsatzzahlen hat der Verband jedoch noch keine.

Makler befürchten Entprofessionalisierung

Jörg Kinkel musste nicht umstellen. Sein Stuttgarter Maklerunternehmen sei seit jeher auf den Verkauf spezialisiert. Wie viele andere Makler hat Kinkel sein Vergütungsmodell umgestellt: Gebühren je nach Leistung statt einer festen Provision. Kinkel sieht die Gefahr, dass eine unprofessionelle Vermittlung auch für Mieter und Vermieter unangenehm werden kann. Außerdem findet er, dass das Bestellerprinzip das Gegenteil von dem bewirkt habe, weswegen es eingeführt wurde: Statt es für Mieter einfacher und günstiger zu machen, eine Wohnung zu finden, sei es jetzt schwerer, weil es weniger Angebote gebe.

Diese Beobachtung bestätigt auch ein Sprecher von Immobilienscout 24: „Unmittelbar nach Inkrafttreten des Bestellerprinzips sind sämtliche für den Mieter provisionspflichtigen Mietobjekte von unserem Portal verschwunden.“ Die Kontaktanfragen für Mietobjekte seien auf der Seite bundesweit um 15 Prozent gestiegen. Die Mietpreise seien in diesem Zusammenhang allerdings nicht nach oben gegangen.

Bestellerprinzip war der Auslöser

Wie für die meisten neuen Online-Makler-Portale war das Bestellerprinzip auch der Auslöser für die Gründung von McMakler. Das Berliner Start-up wurde im Juni gegründet und verfügt jetzt über 80 Mitarbeiter und Zweigstellen in München, Köln, Hamburg und Leipzig. Die beiden 27-jährigen Gründer, Lukas Pieczonka und Hanno Heintzenberg, sind keine Immobilienexperten, sondern Wirtschaftswissenschaftler mit Erfahrung in Unternehmensberatung und Suchmaschinenoptimierung.

Ihre Idee: Konzentration auf die wertschaffenden Prozesse des Maklers, sprich Vermittlung und Kundenbetreuung, während zeitaufwendige Koordination und Administration zentralisiert und an die Technik übertragen wird. „Wir haben uns schnell freigemacht von der Utopie, dass man den ganzen Prozess einem Algorithmus anvertrauen kann“, sagt Heintzenberg. Vielen Vermietern sei der persönliche Kontakt wichtig. Deswegen habe McMakler auch traditionelle Makler eingestellt. Die Akquise sei nicht einfach gewesen: „Wir wurden nicht überall mit offenen Armen empfangen“, erzählt Heintzenberg. Für Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg, befindet sich die Immobilienbranche in einem revolutionären Umbruch: „Wir werden eine Marktbereinigung erfahren“, sagt er. Kleinere Maklerbüros könnten die Organisationskosten nicht so stark drücken, weswegen Zusammenschlüsse notwendig würden. „Je größer, desto besser.“

Unsere Empfehlung für Sie