Neue Modedesigner aus Stuttgart Von Fischleder bis Eltern-Kind-Mode

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Pal Offner, Ayasse, Si Phan Don, 116 Centseize – so heißen neue Labels aus Stuttgart, die teilweise weit über den Kesselrand hinaus die Modewelt aufwirbeln. Wir stellen die Designer vor und zeigen, was hinter ihrer Mode steckt.

Von Stuttgart in die weite Welt: Das Label Pal Offner setzt auf Unisexmode und ist  international auf Erfolgskurs. Foto:   18 Bilder
Von Stuttgart in die weite Welt: Das Label Pal Offner setzt auf Unisexmode und ist international auf Erfolgskurs. Foto:  

Stuttgart - Pal Offner, Ayasse, Si Phan Don, 116 Centseize – das klingt zunächst nach irgendwelchen ausländischen Adressen. Tatsächlich sind es erfolgreiche Stuttgarter Modelabel. Stuttgarter Modelabel? Ja, Stuttgart ist nicht Berlin, Paris oder Mailand. Was neue Labels angeht, müssen sich die Schwaben in letzter Zeit aber nicht mehr verstecken.

Von Zürich über Brisbane bis nach Osaka ist das junge Label Pal Offner in Boutiquen vertreten. Der Hauptsitz der Namensgeberinnen Sabina Pal und Nele Offner ist aber in einer Villa oberhalb der Weinsteige. Von ihrem Atelier aus, haben die beiden einen beneidenswerten Ausblick über den Kessel – nur in der Heimatstadt von Pal Offner ist das Modelabel bislang kaum bekannt. Warum? „Ich glaube wir treffen mit unserer Mode eher einen großstädtischen, avantgardistischen Nerv. Stuttgart ist vielleicht noch nicht so weit“, so Offner. Die 31-jährige Modedesignerin aus Stuttgart ist der kreative Kopf des Labels und für Form, Farben, Schnitte und Stoffe verantwortlich. Das besondere an Pal Offner: Die Mode ist für Männer und Frauen zugleich. „Das ist ein Nischenprodukt“, sagt Pal.

Die 32-jährige Frankfurterin hat für die neue Modemarke ihren Job in der Werbebranche gekündigt und verantwortet bei Pal Offner Finanzen, Marketing und Vertrieb. „Mit unserer Mode sind Mann und Frau gut, bequem, elegant und lässig gekleidet“, so Pal. Tatsächlich ist die Mode von Pal Offner auf ihre eigene Art und Weise auffällig. Der Stil ist rau, schlicht und extravagant, dazu kommt der Fokus auf beide Geschlechter. Das kommt laut den Gründerinnen vor allem in Asien sehr gut an.

Neuanfang mit hochpreisiger Mode

Den internationalen Erfolg erklären sie sich mit ihrer Teilnahme an der Design-Messe TRANOÏ in Paris 2015, ihrer ersten an einer Messe überhaupt. Preislich muss man für die Mode allerdings etwas tiefer ins Portemonnaie greifen: Kleider und Hosen gibt es für um die 400 Euro, ein Schal kostet etwa 150, Winterstiefel gibt’s ab 700. Produziert werden die Kleidungsstücke in Nähereien in Bulgarien und Rumänien. „Wir sind die Schwäbische Alb abgefahren auf der Suche nach Produktionsstätten“, erzählt Offner. „Aber aufwendige Sachen werden nur noch im Ausland gefertigt.“

Ayasse: Mit Fischleder im Modegewässer

Eine ähnliche Geschichte erzählt die Stuttgarter Modedesigner Tina Fricke. Auch sie gab eine feste Anstellung für ihr eigenes Label auf, war auf der angesagten Modemesse TRANOÏ erfolgreich und ist kürzlich mit ihrem Label Ayasse gestartet. Ihre erste Kollektion ist klein: drei Jacken, ein Cape, zwei Mäntel, zwei Taschen und eine Geldbörse. Alles aus Leder – die Jacken sind aus Rinds- oder Kalbsleder, die Mäntel aus Lammfell. Die Taschen werden allerdings aus Lachs- und Rochenleder gefertigt. „Die Fischreste samt Leder wurden früher weggeschmissen. Heute machen wir hochwertige Handtaschen daraus, die durch die Schuppenmaserung speziell aussehen und den Vorteil haben, dass sie viel leichter sind, als andere Lederhandtaschen“, sagt Fricke, die in der Weiterverarbeitung eine Form von Nachhaltigkeit sieht. Auch sie lässt im Ausland fertigen – in der Türkei – und bewegt sich im gehobenen Preissegment: 799 Euro kostet eine Jacke von Ayasse, die Taschen gibt es ab 279 Euro.

Anna Veit ist etwas billiger und umfangreicher unterwegs. Geschätzt mehr als 300 Taschen habe sie schon genäht. Einen eigenen Shop hat die Designerin auch. Seit September teilt sie sich einen Laden in Stuttgart-Mitte mit den Schmuckdesigerinnen Christiane Köhne und Caro Weiß. Unter ihrem Label 116 Centseize designt und fertigt Veit Ledertaschen, vereinzelt auch Kleidungsstücke wie Oberteile und Hosen.

Anfang des Jahres hatte sie einen temporären Store in der alternativen Einkaufsmall Fluxus, seitdem ist ihr Label in der Heimat angekommen. „Eine eigene Marke war nie geplant“, sagt die 32-jährige Designerin, die weder bei dem Modelabel Armedangels, der Taschenmanufaktur haeute, noch in der Fernsehbranche beruflich das fand, wonach sie suchte.

Bislang geht jedes Stück von Anfang bis Ende durch ihre Hände – Veit macht von der Planung, dem Entwurf, dem Einkauf, der Fertigung und der Präsentation auf Messen bis hin zum Vertrieb und Marketing alles selbst. Aber natürlich gibt es Pläne für die Zukunft: Derzeit ist sie auf der Suche nach einer Produktionsfirma in Deutschland. „Ich würde gern nur noch die Prototypen und Maßanfertigungen selbst machen,“ sagt Veit. Und: „Ich will komplett auf natürlich gegerbte Leder umstellen.“

Si Phan Don: Ein bisschen Laos im Stuttgarter Westen

Der Name klingt zwar nicht danach, aber aus Stuttgart ist auch das neue Modelabel Si Phan Don. Designerin Christin Schucker hat es nach einem Inselgebiet in Laos benannt. Das Besondere: Sie fertigt Kleidungsstücke für Kinder und Eltern. „Die ersten Teile habe ich noch aus Stoffen gefertigt, die ich von meiner Reise aus Laos mitgebracht habe“, so Schucker.

Seit diesem Sommer kann man die Eltern-Kind-Mode im Vogelsangatelier und in Annas Kaufladencafé im Stuttgarter Westen kaufen. Mütter können sich im Partnerlook mit ihren Kleinen einkleiden – teilweise nutzt Schucker für Oberteile, Blusen, Röcke und Hosen für Groß und Klein die gleichen Stoffen. Und auf die legt die Designerin besonderen Wert. „Ich wähle meine Stoffe sorgfältig aus“, sagt sie. Viele beziehe sie vom Stoffladen ihrer Mutter in Villingen-Schwenningen. Die 31-Jährige achtet darauf, dass sie nach GOTS zertifiziert sind. „Ich will, dass sie ökologisch und sozial verantwortlich produziert wurden.“




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