Neue Offenheit in Spaniens Königshaus Darum sagt König Felipe VI. wie viel Geld er hat

Der ehemalige spanische König Juan Carlos I. (zweiter von links) und seine Ehefrau Königin Sofia (links) sowie der spanische König Felipe VI. (rechts) und seine Ehefrau Königin Letizia erwarten 2018 im Königlichen Palast in Madrid. Foto: dpa/Gabriel Bouys

Felipe VI. legt seine Vermögensverhältnisse offen, um das Vertrauen des Volkes zu gewinnen. Für einen König verdient er vergleichsweise wenig. Das Misstrauen, das ihn begleitet, hat er seinem Vater zu verdanken.

„Wir befinden uns sicherlich vor dem Monarchen mit dem geringsten Vermögen in ganz Europa“, schreibt die königstreue Tageszeitung „El Mundo“. Gut zweieinhalb Millionen Euro nennt König Felipe VI. von Spanien sein Eigen, was wir seit dem Montagabend wissen, als das Königshaus die Zahl im Internet veröffentlichte. Für königliche Verhältnisse ist Felipe eher arm, wenn die Zahl stimmt.

 

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Juan Carlos zahlt Millionen Steuern nach“

Pablo Echenique, Fraktionssprecher der in Spanien mitregierenden Linkspartei Unidas Podemos, twitterte: „Solange der König strafrechtliche Immunität genießt, ist es unmöglich zu wissen, ob das Vermögen, das er angibt, echt ist.“ Die neue königliche Transparenz soll Vertrauen schaffen. Aber es gibt viele Spanier, denen genau dieses Vertrauen in die Monarchie fehlt.

Immobilien besitzt der König nicht

Noch nie war es einem spanischen König eingefallen, seine Vermögensverhältnisse offenzulegen, aber Felipe will sein Amt, das er seit 2014 bekleidet, von allem Ruch des Heimlichen befreien. Gleich im ersten Satz der Mitteilung, die das Königshaus am Montag um 19 Uhr auf seiner Website veröffentlichte, lobt sich der Monarch: Er habe vom ersten Tag an „mit der Modernisierung der Krone begonnen, um sie des Respekts und Vertrauens der Bürger würdig zu machen“.

Und nun also: Sein Vermögen belaufe sich auf 2 573 392,80 Euro, davon sei der allergrößte Teil, nämlich 2 267 942,80 Euro, in Fonds oder auf Sparkonten angelegt, der Rest, 305 450 Euro, sei der Wert von Antiquitäten, Kunstgegenständen und Schmuck in seinem Privatbesitz. Immobilien besitze er keine, und er habe auch kein Vermögen im Ausland.

Felipe hat fast keine Ausgaben

Die Zahlen sind glaubwürdig. Felipe erhält seit 25 Jahren ein staatliches Gehalt, erst als Prinz von Asturien – das ist der Titel des Kronprinzen – und seit acht Jahren als König. Sein diesjähriges Jahresgehalt beläuft sich auf 258 927 Euro, von denen knapp 39 Prozent an Einkommensteuer abgehen. Was den König von anderen Arbeitern unterscheidet: Er hat fast keine Ausgaben.

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Señor und Señora Smith“

Er lebt mietfrei in einer Dienstwohnung (nämlich in seinem Palast in der Nähe von Madrid), hat Dienstwagen und wird zu vielen Arbeitsessen eingeladen. Er kann also sparen. Das hat er offenbar getan.

Das Erbe des Vaters ausgeschlagen

Das Misstrauen, das ihn dennoch begleitet, hat er seinem Vater zu verdanken. Juan Carlos hatte heimliche Konten, auf denen die Gelder heimlicher Stiftungen lagen, die die heimlichen Geschenke wohlhabender Mäzene verwalteten. Das berühmteste dieser Geschenke, das dann eines Tages doch ans Licht kam, stammte vom einstigen saudischen König: 100 Millionen Dollar, die Juan Carlos an seine damalige deutsche Freundin Corinna zu Sayn-Wittgenstein weiterverschenkte. Weil Felipe mit Geschäften dieser Art nichts zu tun haben will, hat er vorsichtshalber schon im Voraus das Erbe seines Vaters ausgeschlagen.

Der Rechnungshof soll künftig prüfen

Aber auch Felipes Transparenz kennt Grenzen: Das Vermögen seiner Frau, der Königin Letizia, verrät er nicht, denn die habe keine „verfassungsmäßige Verantwortung“. Das ist eine merkwürdige Erklärung. Auch Letizia wird vom Staat bezahlt (dieses Jahr mit 142 402 Euro brutto) und tritt regelmäßig als offizielle Vertreterin des Königshauses auf. Was Felipe dazu bewogen hat, ihre Ersparnisse, im Gegensatz zu den seinen, als Privatsache zu behandeln, weiß man nicht.

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Die Abrechnung für Juan Carlos“

Dass aber in den königlichen Finanzen alles mit rechten Dingen zugeht, das soll künftig der spanische Rechnungshof überprüfen, der dafür bisher nicht zuständig war. Diesen Beschluss hat nun die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez getroffen. Damit sollen die „Effizienz und Vorbildfunktion im Königshaus“ gestärkt werden.

Es gibt viele nicht zu überprüfenden Rankings

Ist Felipe einer der Monarchen mit dem geringsten Vermögen in Europa? Im Netz gibt es Dutzende Listen, deren Quellen nicht zu überprüfen sind (siehe Info). Yahoo Finance (über-)schätzte das Vermögen des Spaniers vor einem Jahr auf zehn Millionen Dollar. Der nächstarme König war Harald von Norwegen mit 30 Millionen, einer der reichsten unter den Europäern Prinz Albert von Monaco mit knapp einer Milliarde Dollar. Davon ist Felipe VI. sehr weit entfernt.

Die reichsten Royals in Europa – ein Ranking

Reich
 Die britische Königin Elizabeth II. steht auf dem vierten Platz einer Liste der reichsten Monarchen Europas. Forbes schätzt ihr Vermögen auf rund 410 Millionen Euro. Auf dem privaten Bankkonto von König Willem-Alexander der Niederlande liegen, so das Portal „Royal Central“, zwischen 128 und 190 Millionen Euro. König Carl XVI. Gustaf von Schweden (75) landet auf Platz sechs und besitzt laut „Business Insider“ 58 Millionen Euro.

Steinreich
Der reichste Royal Europas ist angeblich Großherzog Henri von Luxemburg (65). Sein Privatvermögen beläuft sich Berichten zufolge auf rund 3,3 Milliarden Euro. Auf Platz zwei landet Liechtensteins Oberhaupt Fürst Hans-Adam II. (76) mit geschätzten 2,89 Milliarden Euro. Das Privatvermögen von Fürst Albert II. von Monaco (63) beläuft sich nach Informationen von „Business Insider“ auf rund 830 Millionen Euro.  

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Finanzen Vertrauen