Neue Pächter in Marbach Regionale Produkte und „keine Zaubermittel“: Preisgekrönter Koch expandiert

Alexander und Pia Neuberth freuen sich auf die neue Aufgabe in Marbach. Sie wollen dort im Frühherbst loslegen. Foto: Werner Kuhnle

Alexander Neuberth übernimmt das Stadthallen-Restaurant in Marbach (Kreis Ludwigsburg) als zweites Standbein – das Lokal soll jedoch eine ganze eigene DNA bekommen.

Im Pfingsturlaub in Griechenland haben sich Pia und Alexander Neuberth zuletzt den Kopf zermartert, wie das Stadthallen-Restaurant in Marbach unter ihrer Regie heißen soll. Der Begriff Schiller muss darin vorkommen. Das ist die Vorgabe der Kommune, weil die Wiege des Dichterfürsten in der Stadt stand. Doch etliche Namen seien schon vergeben oder urheberrechtlich geschützt, sagt Pia Neuberth. „Wir sind noch kräftig am Überlegen“, erklärt sie schmunzelnd. Aber sie und ihr Gatte haben ja auch noch etwas Zeit zum Grübeln.

 

Ende September oder Anfang Oktober wollen die beiden das neue Restaurant eröffnen. Und sicher ist, dass sie der guten Stube der Stadt von da an wieder zu frischem Glanz verhelfen wollen – nachdem die Gaststätte seit dem Jahreswechsel verwaist ist.

Die Kommune hatte den früheren Pächtern auf Ende Dezember gekündigt, von finanziellen Gründen war die Rede. Auf die Neuausschreibung hätten sich sogleich drei Interessenten gemeldet, berichtet Martina Klein, die auf dem Rathaus für das Gebäudemanagement zuständig ist. Mit einem Aspiranten habe man sich angenähert, dieser aber kurzfristig abgesagt. „Dann ging es wieder von vorne los“, sagt Klein.

Über Branchenkenner von dem Leerstand erfahren

Dabei hätte das gar nicht sein müssen – wenn die Neuberths früher Wind davon bekommen hätten, dass das Marbacher Stadthallen-Restaurant auf dem Markt ist. Schon seit Längerem streben die vierfachen Eltern an, sich breiter aufzustellen.

„Wir wollten erweitern, haben ein tolles Team, auf das wir uns verlassen können“, sagt Alexander Neuberth, der bereits die Schwabenstuben im benachbarten Freiberg führt. Als er und seine Frau über Branchenkenner erfuhren, dass in Marbach ein Türchen aufgeht, nahmen sie im März Kontakt mit der Stadtverwaltung auf. Am Ende erhielten die Neuberths vom Gemeinderat den Zuschlag.

Das Restaurant an der Stadthalle war seit dem Jahreswechsel verwaist. Foto: Werner Kuhnle

Martina Klein von der Stadtverwaltung hat unter anderem imponiert, wie gut die Familie durch die Corona-Krise gekommen ist. „Wir hatten nur kurzzeitig ganz am Anfang zu, dann haben wir Eingewecktes gemacht, Pakete und Essen zum Abholen angeboten und haben als eine der Ersten im Kreis Ludwigsburg auf Mehrweg umgestellt, weil sonst zu viel Müll produziert würde. Wir hatten auch so gut wie keine Kurzarbeit“, berichtet Pia Neuberth, die beim Kaufmännischen den Hut aufhat.

Eine ganz eigene Herausforderung wird es auch sein, das neue Restaurant in Marbach samt angegliederter Stadthalle bei Tagungen, Hochzeiten und anderen größeren Veranstaltungen zu bespielen. „Die Hallenbelegung war zuletzt etwas eingeschlafen“, konstatiert Martina Klein. Ein Zustand, den die Neuberths ändern möchten. „Wir haben die Erfahrung, solche Events abzuhalten, und wollen das sogar forcieren“, betont Alexander Neuberth.

Die Gäste können im neuen Restaurant auf der Schillerhöhe aus Gerichten wählen, wie man sie ähnlich in den Schwabenstuben auf der Speisekarte findet. „Wir fahren ein schwäbisches Konzept mit einem internationalen Einschlag“, erklärt Alexander Neuberth. Man habe zum Beispiel einen Zwiebelrostbraten im Portfolio, serviere aber auch asiatisches wie Butterchicken mit Jasmin-Reis und Gemüse.

Für Anhänger der veganen Küche könne man ein Kichererbsen-Curry in die Waagschale werfen. „Ich gehe aber auch gerne ins Mediterrane rein. Das hängt von der Jahreszeit ab“, betont der 35-Jährige. Darüber hinaus habe man saisonale Zusatzangebote in petto und richte dann den Fokus zum Beispiel auf Spargel oder Kürbis. Wild- oder Schnitzelwochen seien ebenfalls denkbar.

Pia Neuberth betont, dass in den Restaurants der Familie keine Zusatzstoffe beim Kochen verwendet würden. Foto: Werner Kuhnle

Die kulinarische Grundklaviatur wird zwar in beiden Restaurants gleich sein. Punktuell wird es aber Unterschiede zwischen Freiberg und Marbach geben. „Jedes Lokal hat am Ende seine eigene DNA. Das Konzept aus Freiberg wird nicht eins zu eins auf Marbach übertragen“, erklärt Neuberth.

„Aber ganz wichtig ist bei uns, dass wir keine Zusatzstoffe und keine Fertigprodukte verwenden. Bei uns kann man jederzeit durch die Küche laufen und findet keine Zaubermittel“, ergänzt seine Frau. Außerdem setze man auf Nahrungsmittel aus der Region.

In einer Gastronomiefamilie aufgewachsen

Die Leidenschaft fürs Kochen wurde Alexander Neuberth in die Wiege gelegt. „Ich bin in einer Gastronomiefamilie groß geworden“, sagt der gebürtige Stuttgarter. Nach dem Wirtschaftsgymnasium lernte er das Einmaleins am Herd auf Burg Staufeneck, war danach unter anderem Sous-Chef in der Krone Waldenbuch und Küchenchef im VfB Club Restaurant, wurde Deutscher Meister bei den Jungköchen und übernahm vor rund zehn Jahren die Schwabenstuben.

Obwohl Neuberth in so renommierten Häusern gewirkt hat, strebt er selbst keinen Stern an. Das sei absolut zu honorieren, wenn jemand auf diesem Niveau abliefere – dazu sei das Restaurant in Marbach aber zu groß. Ein Stern könne zudem eine Hemmschwelle für Gäste sein. „Diese Schwelle wollen wir gar nicht aufbauen. Wir möchten ein schönes, ordentliches Lokal haben, aber trotzdem wie ein Wirtshaus für jedermann sein“, erklärt Neuberth.

Ein Ruhetag geplant

Resonanz
Wenn das Stadthallen-Restaurant auf der Schillerhöhe in Marbach von Oktober an wieder Besuch empfängt, wird es voraussichtlich von Donnerstag bis Dienstagmittag und abends geöffnet sein. Das wollen die neuen Pächter aber auch von der Resonanz abhängig machen.

Reservierungen
Buchungen für Veranstaltungen werden jetzt schon entgegengenommen, die ersten Anfragen sind bereits eingegangen. Die neuen Pächter Pia und Alexander Neuberth sind über die Schwabenstuben in Freiberg am Neckar zu erreichen, die sie parallel weiterführen werden – und zwar definitiv so lange, bis das Gebäude im Zuge der Neugestaltung der Stadtmitte abgerissen wird, wie Pia Neuberth beteuert. Das werde aber wohl erst in zehn Jahren der Fall sein. Und dann werde man Stand jetzt an anderer Stelle in Freiberg ein neues Restaurant bauen.

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