Die Stadt Fellbach erlässt eine Parkscheibenregelung für das Areal nördlich der Bahnlinie und südlich der Siemensstraße – damit sollen Dauerparker vertrieben werden.
Das neue, riesige Gewerbegebiet Siemensstraße in Fellbach – das aktuell größte im Rems-Murr-Kreis – nimmt so allmählich Fahrt auf. Beim ersten Projekt, dem neuen Domizil der Fellbacher Firma Svendsen Antriebstechnik, ragt das Gerüst des Gebäudes mittlerweile weithin sichtbar in die Höhe.
Die nächste Firma ist ebenfalls im Entstehen, wenngleich mit deutlich kleineren Ausmaßen. Es handelt sich um einen Neubau der Firma Mühleisen Rohrreinigung, derzeitiger Firmensitz in der Haubentaucherstraße in Stuttgart-Neugereut, Büro und Lager in der Blumenstraße in Fellbach-Schmiden.
Das Gewerbegebiet ist so groß wie 17 Fußballfelder
Die Infrastruktur auf dem zwölf Hektar großen Gewerbepark, das entspricht etwa 17 Fußballfeldern, ist schon länger fertig – mit endlos wirkenden Straßen, zahllosen Straßenlaternen, zwei per Ampel geregelten Ausfahrten zur Siemensstraße und auch vielen Parkplätzen. Die werden derzeit gerne auch von Beschäftigten von Unternehmen im bereits bestehenden Gewerbegebiet genutzt. Vor allem jedoch gibt es dort viele Dauerparker – oft sind dies Wohnmobile, die wochenlang ununterbrochen auf den neuen Parkplätzen stehen.
Das bereitet so manchem Verdruss. Bereits vor einigen Jahren diagnostizierte unsere Zeitung für den seinerzeit noch kleineren Bereich des Gewerbegebiets: Dieser gleiche „quasi einem Aufmarschgebiet für rollende Urlaubsdomizile“. Im März dieses Jahres wurde dieses Thema dann auch im Gemeinderat diskutiert – nachdem unsere Zeitung über eine neue Strategie der Stadtverwaltung in dem Gewerbegebiet berichtet hatte.So erläuterte Christiane Gegenfurtner, Leiterin des Fellbacher Tiefbauamts, seinerzeit auf Nachfrage unserer Redaktion: „Grundsätzlich soll das allgemeine Lkw-/Wohnmobil-Parken im Gewerbegebiet etwas erschwert werden. Der derzeitige Zustand auf den Parkstreifen macht unseres Erachtens deutlich, dass dies auch notwendig ist.“ Das Gebiet solle deshalb „nicht als längerfristig allgemeine Abstellfläche für Lastkraftwagen, Wohnmobile et cetera zweckentfremdet werden“. Gegenfurtners Ankündigung: „Daher werden die Parkstreifen später auch reglementiert werden.“
Im Lokalparlament beteiligten sich daraufhin manche Räte mit verwunderten Wortbeiträgen an der Debatte. Es sei zu befürchten, dass der ruhende Verkehr sich dann eben in andere Gebiete verlagere, was zu ähnlichen Schwierigkeiten etwa auf der anderen Seite des Bahnhofs führe, lautete eine kritische Anmerkung. Zudem sei es „gar nicht so einfach“, Wohnmobile oder Wohnwagen beim Parken auszugrenzen.
Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull zeigte sich im Übrigen ein wenig verwundert über die Besitzer solcher großer Fahrzeuge. „Wenn man sich ein Wohnmobil anschafft, muss man sich doch vorher überlegen, wo man es unterbringt – und dass man es nicht einfach irgendwo in den öffentlichen Raum stellt.“
Mittlerweile hat die Stadt die von der Tiefbauamtsleiterin im März für „später“ angekündigte Reglementierung in einen konkreten Zeitplan gegossen. So hat der Erste Bürgermeister Johannes Berner in einem Schreiben an „alle Anlieger/Unternehmen/Einrichtungen im Gewerbegebiet zwischen Siemensstraße (nördlich) und Schaflandstraße (südlich)“ über die künftige dortige Parkscheibenregelung informiert.
Aktuell sei eine Vielzahl der dortigen öffentlichen Stellplätze und Parkbuchten „fehlbelegt“ durch Wohnmobile, Anhänger, kleinere Lastwagen oder dauerhaft abgestellte Fahrzeuge von außerhalb. Für Besucher und für Mitarbeitende der ansässigen Unternehmen und Einrichtungen würden dadurch die Erreichbarkeit und auch der Zu- und Anlieferverkehr erschwert. „Diese langfristig blockierten Parkbuchten sind ein Ärgernis“ heißt es auch in einer mittlerweile verschickten Mitteilung des städtischen Pressereferats.
Um diesem Manko entgegenzuwirken, werden die Parkzeiten in diesem Bereich durch eine Parkscheibenregelung beschränkt. Berner: „Die Ausschilderung erfolgt über eine sogenannte Zonenbeschilderung und betrifft nahezu den gesamten Bereich zwischen Siemensstraße und Schaflandstraße.“ Bis Mitte September sollen die Schilder stehen.
Die Stadt stellt überdies klar: „Die Mitarbeitenden in den Unternehmen können auch künftig unbesorgt ihre Fahrzeuge auf den Parkflächen abstellen. Von montags bis freitags gilt zwischen 8 und 19 Uhr die Parkhöchstdauer von zehn Stunden. Ziel der neuen Parkordnung ist, eine Zweckentfremdung der Parkflächen als Abstellraum beispielsweise für Wohnmobile zu verhindern.
Das Gewerbegebiet gilt alsPark-Pilotprojekt
Die Stadtverwaltung kündigt an, die Einhaltung der Parkzeiten gerade in der Anfangszeit streng zu kontrollieren. Die Einrichtung weiterer Parkzonen im Stadtgebiet werde geprüft und hänge entscheidend von den Ergebnissen im Gewerbegebiet Schaflandstraße/Siemensstraße ab. Das dort jetzt kommende Prozedere gilt bei der Stadt als „Pilotprojekt“.
Einzige Ausnahme der neuen Regelung sind die 25 Parkplätze in der unteren Philipp-Reis-Straße – zwischen Lise-Meitner- und Schaflandstraße, also ziemlich in Bahnhofsnähe. Dort gilt eine Sechs-Stunden-Regelung. Die dort noch bestehenden Park&Ride-Parkplätze werden aufgelöst. Pendlern stehen ansonsten weiterhin die Park&Ride-Parkplätze im Parkhaus unterhalb des Statistischen Landesamts sowie die 42 Parkplätze entlang der Schaflandstraße zur Verfügung.