Neue Pläne für Böblingen Stadt sucht Pächter für Kultdisco – „Es gab Anfragen für das Seestudio“

Seit mehr als zwei Jahren ist nichts mehr los in der zuletzt als Seaside Club bekannten Disco. Foto: Julia Theermann

Das frühere Seestudio am Böblinger Seeufer stand lange leer. Jetzt überrascht die Stadt: Sie ruft auf, die Kultstätte mit Konzepten neu zu beleben.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Der Dornröschenschlaf des ehemaligen Seestudios am Böblinger Seeufer könnte bald enden, jedenfalls wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Die hatte das leerstehende Gebäude, in dem jahrzehntelang immer wieder Discotheken ansässig waren, im vergangenen September gekauft. Jetzt ruft sie Interessenten dazu auf, sich mit Vorstellungen für die Nutzung des Gebäudes zu melden.

 

Rockerkneipe, alternativer Tummelplatz für Metal-Freunde, zuletzt auch Rap-Disco – das sind Labels, die die verschiedenen Discos an der Uferpromenade des Unteren Sees über die vergangenen gut 60 Jahre getragen hat. Meist unter dem Namen Seestudio, dann als Seaside Club. Der hatte von 2019 bis in die Corona-Zeit unter Pächterin Ivana Häcker versucht, das kultige Image zu bewahren und die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Im Februar 2023 hatte Häcker schließlich ihren Laden geschlossen.

Stadt kauft verlassene Kultdisco

Kurz darauf war bekannt geworden, die aus Böblingen fortgezogene, betagte Eigentümerin wolle den Gebäudekomplex, zu dem auch zwei Geschäftsräume an der Poststraße gehören, verkaufen. Mit Böblingen habe sie abgeschlossen. Im Gespräch mit der Zeitung hatte die Besitzerin dann jedoch den Wunsch geäußert, an die Stadt Böblingen zu verpachten.

Aktuell sehen die leerstehenden Geschäfte nicht nach viel aus. Die Stadt wünscht sich links einen Stützpunkt für Streetworker. Foto: Julia Theermann

Im September 2024 meldete sich die Stadtverwaltung dann mit einem Paukenschlag aus der Sommerpause zurück: Man habe das Seestudio und mehrere andere Gebäude in der Unteren Poststraße gekauft. Der Gemeinderat hatte das im Juni in nicht öffentlicher Sitzung genehmigt. Geplant war zunächst, dass der Straßenzug, der sich jetzt zu großen Teilen in städtischem Eigentum befindet, komplett neu bebaut wird.

Mit Konzepten melden

Umso überraschender kam nun die Nachricht, man wolle das ehemalige Seestudio neu vermieten. Das geht aus einer Anzeige im städtischen Mitteilungsblatt hervor. Die städtische Mietverwaltung ruft Unternehmer auf, sich auf die 550 Quadratmeter großen Räumlichkeiten zu bewerben. Bis Ende des Jahres können Interessenten ihren Hut in den Ring werfen. Konkret sollen in der Bewerbung ein Konzept zur künftigen Nutzung des ehemaligen Seestudios sowie ein Pachtpreis angegeben werden. Die Unterlagen können per E-Mail an mietverwaltung@boeblingen.de geschickt werden.

„Tatsächlich gab es in den letzten Monaten Anfragen für die Anmietung des Seestudios“, sagt Stadtsprecher Gianluca Biela auf Nachfrage. Aus Gründen von Wirtschaftlichkeit und Transparenz habe man sich darum entschieden, die Nutzung des ehemaligen Seestudios öffentlich auszuschreiben. Was genau sich die Stadt von einem neuen Betreiber wünscht, lässt sie offen. Man wolle erst einmal abfragen, wie groß das Interesse überhaupt sei. „Mögliche Konzepte können dann im weiteren Verlauf detailliert und ausgearbeitet werden“, so Biela.

Läden müssen saniert werden

Theoretisch sollen unabhängig vom ehemaligen Seestudio auch die beiden Ladengeschäfte auf der anderen Seite des Gebäudekomplexes wieder genutzt werden, sagt der Stadtsprecher. Die stehen ebenfalls seit geraumer Zeit leer und fungieren aktuell als Aushängefläche für diverse Werbeplakate. Die linke der beiden Ladenflächen in der Poststraße werde demnächst umgebaut und soll künftig als Stützpunkt für die Streetworker dienen.

Die Stadt will die beiden Ladengeschäfte auf der anderen Seite des ehemaligen Seestudios wieder vermieten. Vorher müssen sie umgebaut werden. Foto: Julia Theermann

Anders sieht es mit dem rechten Geschäft aus. Dort gibt es keine Toiletten oder ein Waschbecken. Ohne Sanitäranlagen kann die Stadt die Fläche nicht vermieten. „Der Stadt Böblingen liegt ein Angebot zur Ertüchtigung vor“, sagt Biela. „Aufgrund der angespannten Haushaltslage könnten wir aktuell noch kein Beauftragungsdatum mitteilen.“ In der Zwischenzeit nutze das Kulturamt die Räume.

Kultdisco Seestudio

Legendär
Das Seestudio in Böblingen war seit 1967 eine überregional bekannte Institution, zuerst Tanzkaffee, dann Rock-Disco. Nach einigen Betreiberwechseln war die Geschichte des Seestudios 2013 aber zu Ende. Von 2019 bis 2023 hieß die Disco dann Seaside Club mit Schwerpunkt auf Hip-Hop.

Disco-Sterben
Als mindestens ebenso legendär galt die Filmklause in Schönaich, Sie wurde 1962 eröffnet und war damals die einzige Disko weit und breit. Selbst vom Bodensee kamen Gäste. 2012 schloss „die Klause“ wegen Brandschutzauflagen, deren Erfüllung zu teuer gewesen wäre.

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