Neue Pläne vom Theaterhaus und von Gauthier Dance Lauter junge und alte Hüpfer auf dem Pragsattel

Eric Gauthier in der Videobox „Dance for Good“ Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Eric Gauthier in der Videobox „Dance for Good“ Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Tanzfestival „Colours“ mit Folgen: das Stuttgarter Theaterhaus und Gauthier Dance stellen ihre Pläne für die nächste Saison vor.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Stuttgart - Erfolg verleiht Flügel: über 18 000 Zuschauer in 42 vielfach ausverkauften Vorstellungen, Auslastungsquote 93 Prozent, weitere 7000 Zuschauer bei den Aktionen in der Stadt, weitere 6000 aktive Social-Sponsoring-Aktivisten in der Videobox „Dance for Good“ am Rotebühlplatz, so dass die Mercedes-Benz-Bank nun 50 000 Euro für ein Tanzprojekt im Theaterhaus mit jungen Flüchtlingen zahlen „muss“ – das jüngst beendete erste Tanzfestival „Colours“ hat dem Theaterhaus und Gauthier Dance einen derart großen Erfolg beschert, dass die Sache mit einer zweiten Runde 2017 nun endgültig geklärt ist. Land, Stadt und Sponsoren haben dem Veranstalter grünes Licht gegeben. Meinrad Huber, der Kurator, darf von sofort an mit dem Sichten und Sondieren beginnen, um auch in zwei Jahren illustre Gäste auf den Pragsattel zu holen und vor allem wieder mit koproduzierten Uraufführungen glänzen zu können.

All dies gaben Werner Schretzmeier als Theaterhaus-Intendant und sein Tanzchef Eric Gauthier nun auf einer Pressekonferenz bekannt – und zwar derart beflügelt, dass sie gleich auch Gauthiers Vertragsverlängerung bis 2022 und das Projekt eines Tanzhaus-Neubaus auf dem Pragsattel bekannt machten (die StZ berichtete). Und bereits in der kommenden Saison wollen Gauthier Dance und das Theaterhaus beim laufenden Tanzprogramm noch eine Schippe drauflegen.

Was weiß Goecke von Nijinsky zu erzählen?

Marco Goeckes neues Handlungsballett wird keineswegs im Staatstheater uraufgeführt werden, wo er ja eigentlich als Hauschoreograf firmiert. Vielmehr feiert „Nijinsky“ im Sommer 2016 Weltpremiere bei Gauthier Dance – zweifellos ein Coup, denn natürlich will man am liebsten sofort wissen, was der Ultramodernist Goecke von Vaslav Nijinsky, dem vor lauter Genie irgendwann leider wahnsinnigen Begründer der Tanzmoderne, zu erzählen weiß. Bereits am 16. Januar geht dieser Großproduktion die fünfte Runde der Ballettabend-Novitäten-Reihe „Out of the Box“ voraus.

Gauthiers Kompanie wird von 14 auf 16 Tänzerstellen ausgebaut. Von einigen Tänzern muss sich das Stuttgarter Publikum zwar trennen. Miriam Gronwald, Florian Lochner und Juliano Nunes zieht es weiter. Wie etabliert Gauthier Dance als Tanzkompanie inzwischen ist, erkennt man aber daran, dass ihr Chef hoffnungsvollen Ersatz von den etablierten Tanzsparten in Leipzig, Halle und bei Bridget Breiner beim Ballett im Revier anwerben konnte.

Zusätzlich zum Gauthier-Programm präsentiert das Theaterhaus am 1. November als Eigenproduktion „Greyhounds“. Der Altmeister Egon Madsen belebt dafür die legendäre Idee des „NDT 3“ neu – in Form eines Abends für Tänzer, die ihre Tänzerlaufbahn eigentlich beendet haben. Neben Madsen werden Julia Krämer und Thomas Lempertz zu sehen sein, Ex-Stars vom Stuttgarter Ballett, dazu Maranne Kruuse, Tanzliebling bei John Neumeier. Zweifellos noch ein Coup, mit dem Schretzmeier sein Haus als Adresse der internationalen Tanzwelt weiter profiliert.




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