Neue Planeten entdeckt Weltrekord des Planetenspähers

Das Bild der NASA vom 10. Mai 2016 zeigt eine Darstellung der Planeten, die das Weltraum-Observatorium Kepler gemacht hat. 1284 neue Planeten hat das Kepler-Teleskop entdeckt. Foto: NASA 12 Bilder
Das Bild der NASA vom 10. Mai 2016 zeigt eine Darstellung der Planeten, die das Weltraum-Observatorium Kepler gemacht hat. 1284 neue Planeten hat das Kepler-Teleskop entdeckt. Foto: NASA

Sind wir allein im Universum? Auf der Suche nach der Antwort auf diese Frage melden Astronomen den bislang umfangreichsten Planetenfund in unserer Galaxie: Eine statistische Analyse bestätigt die Entdeckung von fast 1300 neuen Planeten.

Leben: Markus Brauer (mb)

Washington/Stuttgart - Die amerikanische Weltrambehörde Nasa hat die Entdeckung von 1284 neuen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekanntgegeben. Dies nährt Hoffnungen, eines Tages eine „zweite Erde“ zu entdecken – einen Planeten, auf dem Leben möglich ist. Die Analysen hätten ergeben, dass es sich bei den 1284 vom Weltraumteleskop Kepler entdeckten Himmelskörpern tatsächlich um Planeten handle, hat die Nasa mitgeteilt. Damit erhöht sich die Zahl der von dem Teleskop aufgespürten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – der sogenannten Exoplaneten – um mehr als das Doppelte.

Exoplaneten in der Galaxis

„Das ist die größte Zahl von Exoplaneten, die je auf einmal bekannt gegeben worden sind“, sagte der Hauptautor der Analyse, Timothy Morton von der Princeton University (US-Staat New Jersey) auf einer Pressekonferenz in Washington. Das unbemannte Weltraumobservatorium war 2009 von der Nasa ins All befördert worden. Es lieferte seither Daten über Tausende von möglichen Exoplaneten.

Mit den 1284 neu bestätigten Planeten sei bei nun insgesamt 2325 der von Kepler entdeckten Himmelskörper gesichert, dass es sich tatsächlich um Planeten handle. Bei den nun bestätigten Planeten bedienten sich die Forscher einer neuen statistischen Methode, die im „Astrophysical Journal“ beschrieben wurde, um zu 99 Prozent Sicherheit zu erlangen.

Mehr Planeten als Sterne

Vor der Kepler-Mission sei unbekannt gewesen, ob (erdähnliche) Exoplaneten in der Galaxie selten oder häufig vorkämen, erläutert der Astrophysik-Chef der Nasa, Paul Hertz. „Jetzt wissen wir, dass es mehr Planeten als Sterne geben könnte.“ Die nun gewonnenen Erkenntnisse würden die nötigen Missionen leiten, „um zu ergründen, ob wir im Universum alleine sind oder nicht“. Planeten sind Himmelskörper, die eine Sonne umkreisen. Im Gegensatz zu den Sternen produzieren sie kein eigenes Licht, sondern reflektieren das Licht ihrer Sonne.

Bewohnbare Felsinseln im Universum?

Von den neu bestätigten 1284 Exoplaneten könnten knapp 550 felsige Planeten wie die Erde sein, heißt es seitens der Nasa. Neun von diesen Planeten kreisen den Angaben zufolge in der sogenannten habitablen (potenziell Leben ermöglichenden) Zone. So nennen die Wissenschaftler den Entfernungsbereich zur Sonne des Planeten, in dem Wasser dauerhaft flüssig bleiben kann – die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben. Damit sind nach Angaben der US-Weltraumbehörde nun insgesamt 21 Exoplaneten bekannt, die in der habitablen Zone kreisen.

Die Kepler-Mission könne nun ihr „volles Potenzial“ entfalten, indem sie ein „tieferes Verständnis“ einer großen Zahl von Sternen liefere, in deren Orbit sich Planeten von der Größe der Erde befänden, die theoretisch bewohnbar seien, erläutert Natalie Batalha vom Ames-Forschungszentrum der Nasa. „Diese Informationen sind notwendig, um künftige Missionen bei der Suche nach bewohnbaren Welten zu planen.“

Allerdings ist Kepler den Wissenschaftlern zufolge nicht in der Lage, näher zu ergründen, inwieweit auf diesen Planeten die Bedingungen für Leben existieren oder ob es dort gar Leben gibt. Mit der neuen Untersuchung habe sich die Zahl bestätigter Kepler-Exoplaneten mehr als verdoppelt, betont Nasa-Chefwissenschaftlerin Ellen Stofan. „Das macht uns Hoffnung, dass wir irgendwann da draußen bei einem Stern ähnlich unserem eigenen eine weitere Erde entdecken.“

Planetenjäger Kepler späht weiter

Der 2009 gestartete Planetenjäger Kepler späht nach winzigen regelmäßigen Helligkeitsschwankungen von Sternen, die entstehen, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen genau vor seinem Stern vorbeizieht – eine Art Mini-Sternfinsternis. Allerdings können auch andere Phänomene derartige Helligkeitsschwankungen erzeugen, etwa zwei sich umkreisende Sterne.

Die Forscher um Morton hatten mit statistischen Methoden alle 4302 Planeten-Kandidaten analysiert, die Kepler bis zum Juli 2015 entdeckt hatte. 984 davon waren bereits mit anderen Techniken als tatsächliche Exoplaneten bestätigt worden. 1284 weitere identifizierte das Forscherteam nun als echte Planeten. Bei 707 anderen handelt es sich dagegen wahrscheinlich um einen Fehlalarm. Die verbleibenden 1327 Kandidaten haben zwar eine größere Wahrscheinlichkeit, echte Planeten zu sein als ein Fehlalarm, ihr Status lässt sich aber noch nicht klären.




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