Sinja Schnell und Kristina Breining sind in letzter Zeit öfters mal sprachlos – beispielsweise dann, wenn sie sich wieder mal klarmachen, auf was für ein Riesenprojekt sie sich da eigentlich eingelassen haben. Die jungen Frauen, die auch befreundet sind, wollen Geschäftspartnerinnen werden. Im Februar kommenden Jahres eröffnen sie an ihrem Wohnort Schorndorf eine eigene Praxis für Physiotherapie. „An einem Tag sprühen wir vor Freude, weil wir so viele Ideen haben. Am nächsten haben wir eher Angst davor, was da noch alles auf uns zukommt, zu tun ist und was wir uns da eigentlich zutrauen“, sagt Kristina Breining.
Mit dem zweiten Platz beim Gründerpreis hätten sie nie gerechnet
Auch an dem Tag, als die Jungunternehmerinnen erfahren haben, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell „Comeback Physiotherapie & Medizinisches Training“ den zweiten Platz beim Gründerpreis der Kreissparkasse Waiblingen gemacht haben, der mit 7500 Euro dotiert ist, fehlten ihnen die Worte. „Wir hätten niemals damit gerechnet, da überhaupt nominiert zu werden. Und dann der zweite Platz, das ist unglaublich“, sagt Sinja Schnell. Die 28-Jährige und ihre 27-jährige Geschäftspartnerin haben angesichts ihres noch jungen Alters große Pläne für die Zukunft – und der Preis gibt ihnen recht, dass sie eine gute Idee angepackt haben. Bei ihrer Praxis – die soll keine Konkurrenz zu bestehenden, sondern ein weiteres Angebot für Patienten mit besonderen Schwerpunkten sein – ist der Name Programm: Die Gründerinnen haben es sich zum Ziel gesetzt, mit neuen Konzepten wie der Prähabilitation und ganzheitlicher Gesundheitsberatung Patienten ein Comeback in den Alltag und in den Beruf – also ins Leben – zu ermöglichen. Geplant sind Kooperationen mit lokalen Arztpraxen, Vereinen und Firmen. Zudem soll es Kurse im präventiven und rehabilitativen Bereich sowie medizinische Trainingstherapien geben.
Sinja Schnell und Kristina Breining liegen auf einer Wellenlänge
Bei so einem großen Schritt wie dem in ein eigenes Unternehmen mit so ambitionierten Zielen sei es wichtig, den Respekt vor der Sache nicht zu verlieren, ist sich Kristina Breining sicher. Ihre künftige Geschäftspartnerin und Kollegin Sinja Schnell gibt ihr Recht. Die Frauen liegen auf einer Wellenlänge. Aus diesem Grund konnten sie sich auch schon früh den gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit vorstellen. „Wir haben uns in der Ausbildung zur Physiotherapeutin kennengelernt und sofort gemerkt, dass wir gut zusammenpassen und ein ähnliches Wesen haben“, sagt Sinja Schnell. Bereits im dritten Ausbildungsjahr, als es aufs Examen zuging, sprachen sie zum ersten Mal darüber, gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit wagen zu wollen. Nun, einige Jahre später und mit wertvoller Berufserfahrung im Gepäck, sind Sinja Schnell und Kristina Breining kurz davor, dass ihr Traum wahr wird. Bereits 2018 wurden die Pläne konkreter: „Wir haben uns gesagt, wenn es klappen soll, dann wird es klappen. Parallel fingen wir an, uns zu informieren und erste Gespräche mit den zuständigen Instanzen zu führen“, sagt Sinja Schnell. Der erste Immobilientraum platzte, die zweite Immobilie war noch passender und alles klappte. In der Heinkelstraße, in einem Neubau in Schorndorf, werden sie auf 570 Quadratmetern moderne Räumlichkeiten mit Trainingsfläche, Behandlungsräumen und viel Glas und Licht beziehen. „Uns war klar, wenn wir das machen, dann mit einer großen Praxis und vielen Mitarbeitern, die wir aktuell suchen“, sagt Sinja Schnell, die wie Kristina Breining klare Ziele vor Augen hat und dafür viel Arbeit und Stress in Kauf nimmt.
Kein Wunder, beide arbeiten schon mehrere Jahre als Physiotherapeutinnen. Sie kennen den oft schwierigen Alltag im Gesundheitswesen und haben im täglichen Einsatz auch negatives erlebt. Beide sind überzeugt, dass es ihr Traumjob ist, mit den Händen und vollem Körpereinsatz Patienten zu helfen. Aber sie mussten unabhängig voneinander in verschiedenen Praxen auch feststellen, dass falsche Strukturen, ein schlechtes Team und unmotiviertes Rödeln im Hamsterrad nicht das sind, was sie sich vorstellen. „Das wollen wir bei uns anders angehen. Es soll vielfältig ablaufen, mit Zeit und Schwerpunkten“, erklärt Kristina Breining. Sie wird als Gesundheitsberaterin Bindeglied zwischen Patient, Arzt, Physio und Krankenkasse sein. „Viele wissen nicht, was ihnen verschrieben wurde, welche Ansprüche sie haben und was auf sie zukommt. Da wollen wir helfen“, sagt die 27-Jährige. Zudem komme der Prähabilitation, die in Deutschland noch selten sei, in ihrer Praxis eine große Rolle zu.
Die Prähabilitation – die Vorbereitung auf eine OP – spielt eine große Rolle
Gemeint ist dabei die therapeutische Vorbereitung auf eine Operation. „Wir üben gezielt und geben auch Verhaltens- und Ernährungstipps, sodass der Patient nach einer OP weniger lange benötigt, um wieder fit zu werden“, sagt Sinja Schnell. Unter Umständen funktioniere das auch mal so gut, dass gar keine OP mehr nötig sei, ergänzt Kristina Breining, die schon als Jugendliche wusste, dass sie mal Physiotherapeutin werden will. „Ich habe Handball gespielt. Da war ich dankbar über die helfenden Hände der Therapeuten.“ Dann sei ihre Mutter krank geworden und bekam Physiotherapie. Und sie habe nur hilflos daneben gestanden. „Da wusste ich, ich will mal selbst so helfen können und nicht nur daneben stehen.“ Auch da ticken beide Frauen ähnlich. Denn auch Sinja Schnell kannte ihr Berufsziel bereits früh. „Das lag vor allem an meinem Bruder. Er spielte Fußball und brauchte öfters Physiotherapie. Da wurde mir deutlich bewusst, wie viel die Therapeuten ausrichten können, wenn sie es gut machen. Und das ist auch unser großes Ziel in unserer eigenen Praxis.“
Comeback-Physio
Praxis
Im Februar 2024 werden Sinja Schnell und Kristina Breining Eröffnung in ihrer Physiotherapiepraxis in der Heinkelstraße 5/1 in Schorndorf feiern. Besonders soll dort die Gesundheitsberatung und die Prähabilitation – die therapeutische Vorbereitung auf eine OP – sein. Aktuell gibt es noch keine Homepage, aber die Gründerinnen sind auf Facebook und Instagram.