Die Durchfallquote bei Schwimmmeistern ist hoch
Einer, der weiß, wo die Probleme in der Branche liegen, ist Edgar Koslowski. 40 Jahre lang war der 65-Jährige Schwimmmeister und mehr als zehn Jahre Badebetriebsleiter im badischen Ettenheim. Zudem ist er der Vorsitzende der baden-württembergischen Sparte des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister. Für ihn sind es gleich mehrere Punkte, die Freibäder in ihrer Existenz bedrohen.
Mit der Ausbildung fange es an. „Die Babyboomer werden nicht adäquat ersetzt“, sagt er. Bei den rund 80 Schülern, die im Jahr in Mannheim ausgebildet würden, gebe es eine Durchfallquote von 30 Prozent. „Dann ist der Knaller, dass nach fünf Jahren von denen nur zehn bis 20 Prozent im Beruf bleiben“, sagt er. Viele würden in die Industrie oder den Einzelhandel wechseln.
Rettungsschwimmer können nicht alles leisten
„Die Ausbildung funktioniert so nicht mehr. Das ist eine Negativspirale, die wir nicht auffangen können.“ Man könne zwar die Beckenaufsicht mit Rettungsschwimmern aufstocken, aber ein Bad leiten könne nur eine Fachkraft, beispielsweise ein Fachangestellter für Bäderbetriebe.
Dazu komme, dass sich das Arbeitszeitgesetz negativ auswirke. „Man würde längere Öffnungszeiten sicher gerne leisten, die nimmt man ja nicht aus Bosheit weg“, sagt Koslowski. „Wir müssen den Fachkräften aber elf Stunden Ruhezeit und mindestens einen freien Tag die Woche geben.“ Mit nur einem Schwimmmeister sei das nicht leistbar.
Wer im Schwimmbad arbeitet, muss extrem aufpassen
Was den Fachkräftemangel noch verstärke, sei, dass der Beruf als unattraktiv gesehen werde. Arbeiten an Wochenenden und in den Ferien würde kaum jemand gerne. „Die jungen Leute wollen zwar arbeiten, aber sie brauchen viel mehr Freizeit als wir damals. Das ist zwar nachvollziehbar, aber da beißt sich Katze in den Schwanz“, so Koslowski.
Durch schwindende Wasserflächen und fehlenden Schwimmunterricht seien immer mehr Menschen Nichtschwimmer, auch Erwachsene. „Da musst du die Sensorik als Schwimmmeister ordentlich hochfahren“, sagt er. Diese Verantwortung für Menschenleben laste oft schwer auf den Schultern.
Ein geschlossenes Schwimmbad macht noch mehr Probleme
„Rund fünf Prozent der Bäder schließen jedes Jahr“, sagt er. Der Investitionsstau in vielen Bädern aus den 1960er und 1970er Jahren mache es häufig schwierig, Kommunen zu motivieren, Geld für Sanierungen auszugeben. „Aber wer die Baustelle Schwimmbad schließt, macht drei neue Baustellen auf: Fremdenverkehr, Volksgesundheit und soziale Treffpunkte.“
Koslowski plädiert für eine Neuausrichtung der Ausbildung, für mehr Wertschätzung der Arbeit in Bädern, und für den Mut zur Investition. „Wenn 30 Menschen mit Herzkreislauferkrankung sich nicht im Wasser bewegen können, was therapeutisch wirkt, können sie schwer krank und zu Sozialfällen werden. „Das kostet oft mehr, als wenn man das Schwimmbad offen lässt“, meint er.