Die Deutsche Bahn strukturiert das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm um. Eine neue Projektfirma soll künftig direkt an den Vorstand berichten – und möglicherweise die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Selbst ein ausgewiesener S 21-Kritiker findet das gut.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Der Konzernvorstand der Deutschen Bahn hat nach vielen Fehlentwicklungen bei Stuttgart 21 und der ICE-Neubaustrecke (NBS) nach Ulm eine interne Umstrukturierung beschlossen. Wie bereits vor Wochen angekündigt, soll künftig eine neue Projektfirma für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zuständig sein und direkt an den Vorstand berichten. Das Tochterunternehmen soll für Bau und Technik, Risikoüberwachung sowie die Kostenkontrolle der beiden Projekte verantwortlich zeichnen, deren Kosten bereits auf zusammen rund neun Milliarden Euro explodiert sind. Besonders der Infrastrukturvorstand der Bahn, Volker Kefer, geriet dadurch stark unter Druck.Die Bahn will am Freitag in Stuttgart über die Details der Umstrukturierung berichten. Der S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich verwies auf Anfrage zudem auf eine Presseerklärung, die am Mittwoch die Beschlüsse des Vorstands erläutern soll. Mit Spannung wird vor allem die Klärung der Personalfragen sowie der Führungspositionen in der neuen GmbH erwartet.

Die Kostenexplosion bei S 21 sorgte für massive Verärgerung

Bisher ist hauptsächlich die DB Projektbau für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke wie für die zahlreichen weiteren Bauvorhaben der Bahn AG zentral zuständig. Bei beiden Projekten aber konnten Kosten- und Terminpläne bereits mehrfach nicht eingehalten werden. Erst nach monatelangen Prüfungen gab der Bahn-Aufsichtsrat Anfang März dennoch grünes Licht für den Weiterbau von Stuttgart 21.

Die Kontrolleure verlangten aber unter anderem eine bessere Organisation, welche die Abstimmungsprozesse verbessern soll. Neben der neuen Projektfirma soll der DB-Vorstand auch die Gründung eines Projektbeirats beschließen, der an den Aufsichtsrat berichten soll. Im DB-Aufsichtsrat hatte besonders die weitere Kostenexplosion bei S 21 seit Ende vorigen Jahres massive Verärgerung ausgelöst.

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