Neue Regeln für Heizungen Heizungsgesetz: Wo soll all das Biogas herkommen?
In Baden-Württemberg speisen bisher gerade 20 von 1000 Anlagen ihr Biogas direkt ins Erdgasnetz ein – es gibt also viel zu wenig davon. Denn die Hürden sind hoch.
In Baden-Württemberg speisen bisher gerade 20 von 1000 Anlagen ihr Biogas direkt ins Erdgasnetz ein – es gibt also viel zu wenig davon. Denn die Hürden sind hoch.
Nein, Nawaro ist nicht der Name eines indianischen Volkes in Nordamerika, sondern steht in der Energiebranche als Abkürzung für „Nachwachsende Rohstoffe“. Neben Holz aus dem Wald sind damit vor allem Energiepflanzen wie Mais oder die Durchwachsene Silphie gemeint, die vergärt werden, um Biogas zu gewinnen. Und von diesem Biogas wird man künftig sehr viel mehr benötigen, wenn das neue Heizungsgesetz in Kraft tritt: Danach sollen Gasheizungen weiter möglich sein, aber es müssen ab 2029 zunächst zehn Prozent und dann ein immer größerer Anteil an Biogas zugemischt werden.
Doch Biogas ist zumindest derzeit nur sehr eingeschränkt als Ersatz für Erdgas verfügbar. Zwar gibt es in Baden-Württemberg rund 1000 Biogasanlagen, die vor allem von Landwirten betrieben und nicht nur mit Energiepflanzen, sondern auch mit Gülle oder Bioabfällen gefüttert werden. Allerdings: die allermeisten Anlagen wandeln das Biogas in einem Blockheizkraftwerk direkt in Strom und Wärme um – der Strom wird ins Netz eingespeist, die Wärme wird im besten Fall zum Heizen naheliegender Gebäude genutzt.
Laut Steffen Becker, dem Sprecher des Umweltministeriums, speisen nur 20 Anlagen im Land direkt ins Erdgasnetz ein; bundesweit sind es etwa 250. Es sind deshalb so wenige, weil das Biogas zunächst zu Biomethan veredelt werden muss, und das ist aufwendig und teuer. Dafür muss eine Gasaufbereitungsanlage installiert werden. Die Kosten für eine solche Einrichtung können im Millionenbereich liegen: „Das kommt aufgrund der hohen Kosten nur für sehr große Biogasanlagen in Frage“, so Steffen Becker.
So kommt es, dass laut Nicole Paul von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNA) derzeit nur 1,2 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus Biomethan stammt. Was ließe sich also tun, um diesen Anteil signifikant zu erhöhen?
Dominik Modrzejewski vom Landesbauernverband spricht sich vor allem dafür aus, die „überbordende Regulierung“ zurückzufahren: „Denn unsere Landwirte stehen eigentlich mit ihren Biogasanlagen bereit.“ So gebe es aber eine Begrenzung bei den Betriebsstunden, und es dürften maximal 25 Prozent Mais verwendet werden. Letzteres dient dazu, dass nicht noch mehr Ackerfläche statt für Lebensmittel für „Nawaros“ verwendet wird. Der jüngst geleakte EEG-Entwurf sei jedenfalls für die Bioenergie „sehr enttäuschend“, so Modrzejewski.
Andere Akteure sehen dies ähnlich. Auch Nicole Paul fordert bessere Rahmenbedingungen und weitere Anreize. Denn grundsätzlich könnte man die Biomethan-Quote durchaus erhöhen, indem sich etwa kleinere Biogasanlagen zusammenschließen, um die Kosten für die Aufbereitungsanlage auf viele Schultern zu verteilen. Die FNA ist in einer Studie zu diesem Ergebnis gekommen: „Das realistisch nutzbare Potenzial könnte immerhin für bis zu 13 Prozent unsere Gasbedarfs reichen.
Auch die EnBW sieht noch viele Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktion von Biomethan, allerdings sei dies nicht kurzfristig umsetzbar, so EnBW-Sprecherin Anja Leipold. Bei einer „moderaten Quote“ an notwendiger Biogas-Beimischung könne der Bedarf aber durchaus durch heimische Produktion gedeckt werden.
Niemand weiß derzeit aber, wie hoch die Quoten sein werden. Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg warnt jedenfalls davor, große Mengen an Biomethan zu importieren – das schaffe neue Abhängigkeiten, sagte er vor kurzem in einem Interview. Er hofft vielmehr, dass der Markt schon weiter sei als die Politik – sprich, dass sich viele Bürger letztlich doch für eine Wärmepumpe entscheiden. Langfristig sind Wärmepumpen oft günstiger als Gasheizungen.
Eine Erhöhung des Anbaus von Mais, Kleegras, Getreide oder Silphie dürfte dagegen problematisch sein, um auf diesem Weg mehr Biogas zu produzieren. Schon jetzt werden 2,3 Millionen Hektar Ackerfläche für Energiepflanzen (also auch für Biosprit) verwendet, das entspricht 14 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Die EU hat aber wie gesagt strenge Vorgaben. Nicole Paul betont deshalb: „Eine deutliche Ausweitung des heimischen Anbaus sehen wir mittelfristig nicht.“
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert jetzt eine schnelle und verlässliche Biomassestrategie: Mit ihr sei zu beantworten, aus welchen Quellen und in welchen Mengen Biogas und Biomethan nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können, heißt es in einem Papier. Grundsätzlich sieht der BDEW das neue Heizungsgesetz kritisch – wegen womöglich verfehlter Klimaziele drohten Deutschland hohe Strafzahlungen der EU, und die Grüngasquote sorge nicht nur für erheblichen bürokratischen Aufwand, sondern deren Kosten könnten auch zu „sozialen Verwerfungen“ führen.
Falls nicht genügend Biomethan vorhanden wäre, bliebe theoretisch als Alternative, die Gasheizung mit Wasserstoff zu betreiben. Doch abgesehen von einem gewissen technischen Aufwand wäre das vermutlich auch sehr teuer: Zwei Fraunhofer-Institute, darunter das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe, kamen in einer Studie vom Herbst 2025 zu der Erkenntnis, dass das Heizen dann 74 bis 172 Prozent teurer wäre als heute mit Erdgas.