Neue Regeln nach Chaos-Duell zwischen Biden und Trump Moderator soll bei TV-Debatten Mikros stumm stellen können

Von red/AP 

Nach der wüsten Auseinandersetzung von Trump und Biden sind sich viele Einig: Eine TV-Debatte dieser Art darf sich nicht wiederholen. Die Kommission für Präsidentschaftsdebatten kündigt deshalb für die nächsten zwei Termine neue Regeln an.

Nach einem völlig aus dem Ruder gelaufenen TV-Duell zwischen Trump und Biden sollen die Regeln geändert werden. Foto: AP/Patrick Semansky 8 Bilder
Nach einem völlig aus dem Ruder gelaufenen TV-Duell zwischen Trump und Biden sollen die Regeln geändert werden. Foto: AP/Patrick Semansky

Washington - Nach einer chaotischen ersten Fernsehdebatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden sollen die nächsten beiden Rededuelle unter anderen Regeln stattfinden. Es werde neue Mittel geben, um für Ordnung zu sorgen, teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten am Mittwoch mit. Das parteiunabhängige Gremium organisiert seit 1988 die Fernsehduelle vor Präsidentschaftswahlen.

In einer Stellungnahme hieß es, das erste Duell habe verdeutlicht, dass es zusätzliche Strukturen brauche, um eine geordnetere Diskussion zu ermöglichen. Welche dies sein sollen, werde man in Kürze verkünden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP ist unter anderem im Gespräch, dass der Moderator die Möglichkeit bekommen soll, die Mikrofone abzuschalten.

Moderator Wallace übt Selbstkritik

Trump war Biden bei der Debatte am Dienstagabend immer wieder lautstark ins Wort gefallen. Dieser ging daraufhin zu Konterangriffen über. Beide überzogen sich zudem mit Beleidigungen. Moderator Chris Wallace von Fox News gelang es nicht, für Ordnung zu sorgen. Laut einer Analyse der Zeitung „The Washington Post“ unterbrachen die Kandidaten sich oder den Moderator 90 Mal innerhalb der anderthalbstündigen Debatte. Für 71 Unterbrechungen war demnach Trump verantwortlich.

Der „New York Times“ sagte Wallace am Mittwoch, er habe nicht schnell genug erfasst, dass Trump weiterhin unterbrechen werde. „Ich schätze, ich habe nicht erkannt, (...) dass das die Strategie des Präsidenten sein würde, nicht nur für den Beginn der Debatte, sondern für die gesamte Debatte.“

Die ABC-Journalistin Martha Raddatz, die eine der drei TV-Debatten zwischen Trump und Hillary Clinton im Jahr 2016 moderiert hatte, sagte, es sei für Wallace nahezu unmöglich gewesen, anders zu reagieren. Sie hätte die Debatte in der Situation möglicherweise unterbrochen.

Nächstes Duell am 15. Oktober

MSNBC-Journalist Joe Scarborough hatte sich am Abend der Debatte auf Twitter zunächst erbost darüber gezeigt, dass Wallace die Kontrolle verloren hatte. Am Donnerstagmorgen sagte er in der Sendung „Morning Joe“: „Obwohl es außerordentlich frustrierend war, denke ich, dass wir alle einmal in seiner Haut stecken müssen, bevor wir am Morgen danach sagen: „Er hätte dies tun können, er hätte das tun können“.“

Biden nannte das Duell am Mittwoch eine „nationale Schande“. Die Teams beider Kandidaten sagten jedoch zu, auch an den kommenden beiden Debatten teilnehmen zu wollen. Trumps Wahlkampfsprecher Tim Murtaugh sagte, die Kommission wolle nur Änderungen, weil ihr Wunschkandidat von Trump vorgeführt worden sei. „Präsident Trump war die dominierende Kraft und jetzt versucht Joe Biden, die Schiedsrichter zu bearbeiten.“

Die nächsten beiden TV-Duelle finden am 15. und 22. Oktober statt. Die Debatte am 15. Oktober in Miami wird von Steve Scully vom Sender C-SPAN moderiert - sie soll im Townhall-Format ablaufen, in dem das Publikum Fragen stellen kann. Das würde es ohnehin erschweren, dass sich die Politiker gegenseitig ins Wort fallen. Die dritte und letzte Debatte leitet Kristen Welker von NBC News.




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