Neue Rennserie Das Comeback der Seifenkisten

Ein Quartett, das den Seifenkistenrennsport in Baden-Württemberg voranbringen will. Von links: Manager Axel Watter, Starfotograf René Staudt, Kistenfahrer Till-Janosch Sträb und Ex-DTM-Größe Prinz Leopold von Bayern. Foto: Frank Schwaibold

Prinz Leopold von Bayern und Mitstreiter fördern eine Rennserie, die auch in Leinfelden-Echterdingen Station machen wird. Einst kamen zu den Wettbewerben bis zu 100 000 Zuschauer.

Er ist noch ein Knirps, steht aber schon im Rampenlicht. Till-Janosch Sträb, zarte neun Jahre alt, sitzt auf der Stuttgarter Messe Retro Classics neben Prinz Leopold von Bayern und gibt Autogramme. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Der 82-jährige Wittelsbacher ist ein ehemaliger Rennfahrer und Markenrepräsentant für BMW. Mehr als 120 Siege erzielte Prinz Poldi in seiner Karriere. Berühmt wurde er auch als Mitglied des legendären „Trio Infernale“. Gemeinsam mit seinen Freunden Hans-Joachim Stuck und Dieter Quester fuhr er erfolgreich in der DTM. Nicht minder berüchtigt: Das Trio ließ auch keinen Streich im Fahrerlager aus.

 

Till-Janosch dagegen will erst noch ein Star werden. Aber der Junge aus Frickenhausen ist immerhin schon baden-württembergischer Meister in der Rookie-Klasse bei den Seifenkisten. Seine Mutter Elke, Regionalleiterin im Seifenkistenverband, saß nur ein einziges Mal selbst in einem der Gefährte. Mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern einen Hang hinabzurasen, ist ihre Sache nicht. Doch in ihren Sohn hat sie großes Vertrauen. „Wir haben ihn einmal in Frickenhausen einen Hang hinabfahren lassen, um zu sehen, ob er das kann“, berichtet sie. Till-Janosch hat seine Eltern sofort überzeugt, dass er ein guter Rennfahrer ist.

Einst kamen bis zu 100 000 Zuschauer

Allerdings, so berichtet Elke Sträb, „fahren immer weniger Kinder mit bei Seifenkistenrennen“. Das ist auch Axel Watter nicht verborgen geblieben. Gemeinsam mit Prinz Leopold steht der Manager aus Filderstadt dem Royal Bobsleigh Automobil Club (RBAC) vor und will nun den Rennsport mit den Seifenkisten wieder voranbringen. 1904 in Oberursel fand das erste Rennen statt. In den Hochzeiten, den 1930er Jahren, kamen bis zu 100 000 Zuschauer zu Seifenkistenrennen. „Wir wollen Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren wieder dazu bringen, lieber Fahrzeuge zu basteln als ihre Zeit mit Social Media zu verbringen“, sagt Watter. Nomen est omen: Als Partner und Sponsor hat der RBAC dafür die Firma Speick Seifen aus Leinfelden-Echterdingen gewonnen.

Drei neue Rennen soll es schon dieses Jahr geben: Eines beim „Brazzeltag“ im Technik-Museum in Speyer, eines beim Bergpreis in Neuffen und eines beim Krautfest in Leinfelden-Echterdingen. Sie werden den regulären Rennkalender in Baden-Württemberg, der bisher sechs Rennen pro Jahr vorsieht, ergänzen. Watter unterstreicht: „Wir müssen die Seifenkistenrennen aus dem Dornröschenschlaf erwecken.“ Sein Ziel ist, die Kinder „spielerisch an den Rennsport heranzuführen“.

Tobias Werner freut sich über die Unterstützung. Der Mann aus dem Raum Heilbronn ist kommissarischer Präsident des baden-württembergischen Seifenkistenverbands. Nicht ohne Grund steht „Rennfahrer gesucht“ auf dem Flyer seines Verbands. „Wir müssen unseren Sport wieder voranbringen“, weiß auch der Funktionär. Seifenkistenrennen sei ein Familiensport, betont Werner. „Die Mutter organisiert alles, der Papa schraubt als Mechaniker an der Kiste, und die Kinder fahren die Rennen“, sagt er und lacht.

Er spricht aus Erfahrung. Sein Sohn Marius (24) wurde 2024 auf dem Salzburgring Weltmeister. Auch seine Tochter Emilie (21) ist eine erfolgreiche Rennfahrerin. Bis zu 600 Stunden hat Tobias Werner an den Rennkisten für seine Kinder gearbeitet. Denn im Spitzensport kommt es auf jedes Detail an. Für Anfänger ist es ungleich einfacher. Die Seifenkisten in der Einsteigerklasse sind Bausätze. „Wer Ikea-Möbel zusammenbauen kann, kann auch Seifenkisten bauen“, sagt der Präsident. „In zwei Stunden ist alles fertig. Die Löcher sind sogar schon vorgebohrt“, erklärt er.

Kunst und klimaneutraler Rennsport

Auch der Starfotograf René Staudt (Leonberg) unterstützt die Seifenkisten. Motiv für das neueste Kunstwerk des Erfinders der modernen Autofotografie ist der legendäre BMW 3.0 CSL des Bayern-Prinzen. Von Walter Maurer hat der Sportwagen ein modernes ArtCar-Design bekommen, und Prinz Poldi fährt den Wagen seit Jahren bei zahlreichen Events mit klimaneutralem E-Fuel. Der Erlös des Bilderverkaufs von Staudt auf der Messe kommt nun dem Seifenkistenverband zugute. „Kunst und klimaneutraler Rennsport“ sind auch die Themen von Leopold Prinz von Bayern, und das soll schon den Kleinsten mit den Seifenkisten nahegebracht werden. „Klimaneutraler als bei Seifenkistenrennen geht es gar nicht“, hofft Axel Watter ebenfalls auf eine Renaissance dieser Sportart.

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