Neues Schulzentrum in Böblingen Chic und mit modernster Technik

Blick auf die beiden Eingänge zum Schulzentrum Stockbrünnele Foto: Stefanie Schlecht

Die Friedrich-Schiller-Realschule und die Theodor-Heuss-Werkrealschule in Böblingen ziehen um. Am Montag ist der erste Unterrichtstag im Schulzentrum Stockbrünnele.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Die Gerüste rund um den Schulneubau am Stockbrünnele in Böblingen werden gerade noch abgebaut, aber durch die neue Mensa zieht schon der Duft von Pommes und Schnitzeln. „Wir haben in dieser Woche den Testlauf für den Mensabetrieb gestartet“, erklärt Jonathan Kuppinger, der das Programm Schulhaussanierung leitet. So werden einerseits die Abläufe getestet. Andererseits haben auch ein paar Menschen schon was davon´gehabt: Die vielen Arbeiter und auch die Lehrer wurden verköstigt, die in dieser Woche schon ihre Klassenräume für den Unterricht vorbereitet und Lehrpläne gebaut haben. Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit wird das neue Zentrum mit seinen beiden Schulen am Montag, 15. September, mit Leben gefüllt.

 

Die rund 750 Schülerinnen und Schüler haben das neue Gebäude in den allermeisten Fällen noch nie von innen gesehen. Sie wurden bisher im benachbarten Altbau unterrichtet. Auch dort, erklärt Timo Nußbaum, der Leiter des Amts für Gebäudemanagement bei der Stadt Böblingen, seien bislang die zwei Schulen untergebracht gewesen: Die Theodor-Heuss-Realschule und die Friedrich-Schiller-Realschule. Das ändert sich auch im neuen Gebäude nicht. „Die Schulen ordnen sich um den gemeinsamen Hof an und verschmelzen in der Mensa“, sagt Architekt Adnan Delić von BFK Architekten aus Stuttgart.

Alte Schule muss weichen

Damit die Schülerinnen und Schüler sich dennoch mit ihrer jeweiligen Schule identifizieren können, gibt es für die beiden Gebäudeteile verschiedene Farben und separate Eingänge. Über einem steht FSR, über dem anderen Theo. „Die Farben sind an das jeweilige Logo der Schule angelehnt“, sagt Nussbaum. Die Farben – Grün und Türkis – finden sich zum Beispiel in den Wegweisern und in den Sitzgruppen (Lerninseln genannt) auf den Fluren wieder.

Die Mensa im neuen Schulzentrum wird von beiden Schulen genutzt. Foto: Stefanie Schlecht

Der Neubau war nötig geworden, weil Zustand und vor allem Größe des alten Schulhauses nicht mehr tragbar waren. Der Bau aus den 1970er Jahren habe schlichtweg nicht genug Platz für all das geboten, was nach heutigen Standards in eine Schule gehört – geschweige denn in zwei. Das alte Schulgebäude soll über kurz oder lang abgerissen werden. Wann genau, das steht noch nicht fest. Nur die alte Mensa von Anfang der 2000er Jahre bleibt bestehen. Sie soll umgenutzt werden. Wenn das Schulgebäude verschwunden ist, sagt Nussbaum, werde sich eine Frischluftschneise Richtung Innenstadt ergeben. Der entstehende Park soll dann noch aufgewertet werden.

Dass wirklich alles bis Schulbeginn am Montag fertig ist, daran will hier jeder glauben. Auf der Dachterrasse mit Blick über die Felder Richtung Ehningen wird noch fleißig gearbeitet. Und nicht nur da. Draußen werden die Fahrradständer montiert, und die beiden Aufzüge warten auf ihre Endreinigung. Und überall wuseln schon Lehrkräfte herum, die sich mit dem Gebäude vertraut machen und sich häuslich einrichten. Auch das ein oder andere Technikproblem muss dabei schon beseitigt werden. Als zwei Werklehrer im sogenannten Maschinenraum keinen Strom haben, muss sich Markus Voigt von der Unternehmensgruppe Geiger kurz von der Führung für die Pressevertreterinnen ausklinken.

Einige Aspekte des Neubaus seien ursprünglich gar nicht vorgesehen gewesen, seien den Lehrerinnen und Lehrern und Schulgemeinschaften aber wichtig gewesen, erklärt Kuppinger. Dazu gehört neben der gemeinsamen Mensa – deren Glaswand zum Innenhof sich übrigens komplett öffnen lässt – auch das Schüler-Café mit eigener kleiner Küche. So eines habe es in der alten Schule auch gegeben. Dort sollen unter anderem in den Pausen Kleinigkeiten zu essen und zu trinken verkauft werden. Es ist bei Veranstaltungen darüber hinaus von Externen nutzbar. Wie übrigens ein Teil der Fachräume.

Viel Holz verbaut

Ein Wunsch des Lehrkörpers – rund 75 Lehrerinnen und Lehrer – sei darüber hinaus ein von den Kollegien beider Schulen genutzter Aufenthaltsraum mit Küche gewesen. „Früher musste das Lehrerzimmer immer als Arbeits- und Konzentrationsbereich sowie als Pausenraum herhalten“, sagt Kuppinger. Jeder, der in einem Büro arbeite, könne nachvollziehen, dass das nicht zusammenpasse.

Das Schulgebäude ist in Holz-Hybridbauweise erbaut worden. Dabei sind ab dem ersten Obergeschoss alle tragenden Elemente bis auf die Treppenhäuser aus Holz. Insgesamt sind laut der Stadt Böblingen rund 1,47 Millionen Kilogramm Holz verbaut worden – das entspreche dem durchschnittlichen Gewicht von 4900 Ahornbäumen.

Im Herbst kommt ein Baum geflogen

Außen sieht das Gebäude noch etwas kahl aus. Begrünt sind bisher nur die „Living Walls“ (also die lebenden Wände) neben den Eingängen und im Innenhof. „Die Bepflanzung kommt erst im Herbst“, erklärt Heinz Rößler vom Böblinger Amt für Gebäudemanagement. Es sollen noch Bäume gesetzt und die Fassaden großflächig mit Rankpflanzen begrünt werden. Und in den Herbstferien wird mit einem riesigen Kran und gut vier Meter hoher Baum in den Innenhof gehoben.

Von der Dachterrasse können Schülerinnen und Schüler über die Felder blicken. Foto: Stefanie Schlecht

Im Erdgeschoss gibt es für jede Schule eine Lehrküche mit angeschlossenem Schulgarten. Dazu gibt es noch Werk- und Nähräume. Im ersten Stock finden sich Lehrerzimmer und Schulleitung sowie einige Fachräume (beispielsweise der Computerraum). Im zweiten bis vierten Obergeschoss sind vor allem Klassenzimmer. Die Klassenräume sind dabei alle entlang den Außenwänden angeordnet, Funktionsräume wie Besprechungs- oder Stillarbeitsräume sind auf den Innenhof ausgerichtet. Eine Besonderheit sind die sogenannten Klassenräume Plus, bei denen immer zwei Klassenzimmer durch einen Zwischenraum verbunden sind, in dem beispielsweise Vorbereitungen stattfinden können. Fenster zu beiden Klassenräumen erlauben den Lehrkräften einen Blick auf zwei Klassen.

Mit heißer Nadel gestrickt

„Das ist die erste Schule, die in Böblingen seit langer Zeit gebaut wird“, sagt Nußbaum. Das neueste Schulgebäude sei die Erich-Kästner-Schule auf der Diezenhalde. „Wir haben versucht, auf alle Probleme und Herausforderungen des Schulalltags Antworten zu finden.“ Darüber hinaus habe man versucht, einige Themen der Zukunft vorauszusehen. Das sei ein Grund, warum die Schulen begrünte Fassaden bekommen und sämtliches Nutzwasser – auch für die Klospülungen – aus einer Regenwasserzisterne unter dem Schulhof kommt.

Ob wirklich alle Arbeiten rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres abgeschlossen werden, das werden die Schülerinnen und Schüler am Montagmorgen zu sehen bekommen. Tania Santos, ebenfalls vom Amt für Gebäudemanagement, zeigt sich aber zuversichtlich: „Ein paar Tage und Nächte haben wir ja noch“, sagt sie.

Zahlen zum Schulzentrum

Grundstück
Auf dem Gelände des Schulzentrums Stockbrünnele sind die Theodor-Heuss-Werkrealschule und die Friedrich-Schiller-Realschule untergebracht. Auch eine gemeinsame Mensa gibt es.

Neubau
Nach dem Baubeschluss für zwei weitere Schulgebäude Ende 2021 wurde 2023 mit dem Bau begonnen. Im Juni 2023 war Spatenstich, im Oktober 2024 Richtfest. Mehrfach wurden drastische Kostensteigerungen bekannt. Aktuell hat das Projekt ein Budget von 75 Millionen Euro.

Sperrung
Die Sperrung der Kremser Straße direkt vor der Schule soll ab nächster Woche aufgehoben sein, sagt Böblingens Pressesprecher Gianluca Biela.

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