Neue Schulform Gemeinschaftsschule bleibt strittig

Die Gesamtschule Mannheim ist eine von drei im Südwesten. Auf neuer Basis erweitern  im Herbst 40 Gemeinschaftsschulen das Schulsystem. Foto: dpa
Die Gesamtschule Mannheim ist eine von drei im Südwesten. Auf neuer Basis erweitern im Herbst 40 Gemeinschaftsschulen das Schulsystem. Foto: dpa

Die Anmeldefrist für die Eltern läuft schon, die Regierung drängt beim Gesetz zur neuen Schulform. So eilig wäre es nicht, finden Kritiker.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Selten war ein Gesetzentwurf so umstritten, selten sollte ein Gesetzentwurf so schnell durch das Parlament gehen. Gestern hat die Landesregierung ihre Novelle zur Einführung der Gemeinschaftsschule im Landtag eingebracht, am 18. April ist die Verabschiedung vorgesehen. Eile tut not. Die ersten 40 Gemeinschaftsschulen im Land werden schon im Herbst ihre Arbeit aufnehmen. In diesen Tagen können die Eltern ihre Viertklässler bereits für die neue Schulform anmelden. Der gesetzliche Rahmen wird quasi so schnell wie möglich nachgeliefert.

Gemeinsames Lernen für alle

In der Gemeinschaftsschule werden Schüler aller Leistungsniveaus gemeinsam unterrichtet. Im Mittelpunkt stehen die individuelle Förderung und selbstständige Lernformen. Gegen den Gesetzentwurf haben der Städtetag und der Gemeindetag so schwere Bedenken vorgebracht, dass der Bildungsausschuss des Landtags morgen voraussichtlich öffentlich tagen wird. Üblicherweise beraten die Ausschüsse die Gesetzentwürfe nicht öffentlich. Der Städtetag hatte die mündliche Anhörung beantragt. Beide Landesverbände, die immerhin die Schulträger vertreten, hatten angeregt, das Gesetz wegen gravierender Mängel zu verschieben und die Gemeinschaftsschulen zunächst als Schulversuch zu starten.

Die Schulträger vermissen genaue Angaben über die Kosten und über die notwendige Ausstattung der neuen Schulform. Sogar die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die die pädagogische Konzeption der Gemeinschaftsschulen begrüßt, mahnt zur besonnenen Umsetzung und warnt vor überhasteter Einführung.

CDU gegen „Hauruckstil“

Die Bedenken sind Wasser auf die Mühlen der Opposition. „Sie sitzen zwischen allen Stühlen“, frohlockte Georg Wacker (CDU) in der Plenardebatte gegenüber der Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD). So viel Kritik habe es noch nie gegeben. Es gebe keinen Grund für den „im Hauruckstil vollzogenen radikalen Systemwechsel“. Das bekräftigte die CDU noch in ihrer am Nachmittag eigens einberufenen öffentlichen Diskussion in der Liederhalle. Wacker hob die Erfolge des bisherigen Schulsystems hervor und kritisierte, dass viele der 40 Starterschulen relativ klein seien. Mit der Gemeinschaftsschule spanne die Ministerin einen Rettungsschirm über bedrohte Standorte.

Unsere Empfehlung für Sie