Neue Serie: Schwaben in Berlin Wie aus Bärbel Stolz die Prenzlschwäbin wurde

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Wie ergeht es Schwaben in der Bundeshauptstadt? In einer Porträtserie sucht unsere Berlin-Korrespondentin Katja Bauer nach Antworten. Zum Auftakt: die Schauspielerin und Prenzlschwäbin Bärbel Stolz.

Wo sich erlebnisorientierte Hauptstadttouristen zum Karaoke treffen: Bärbel Stolz im Mauerpark in Prenzlauer Berg Foto: Maurizio Gambarini
Wo sich erlebnisorientierte Hauptstadttouristen zum Karaoke treffen: Bärbel Stolz im Mauerpark in Prenzlauer Berg Foto: Maurizio Gambarini

Stuttgart/Berlin - Wenn Bärbel Stolz anfängt zu lächeln, dann ist das nicht so ein Stückchen zögerlicher Mimik, das sich langsam seinen Weg bahnt. Es geht: zack. Augenblitzen, weiße Zähne, Herzformlippen, kaum merkliche Rückwärtsbewegung des Kopfs – eine Einladung zum Mitlächeln.

An diesem Morgen sitzt die Schauspielerin in einem Café am Helmholtzplatz, dem Helmi, bester Prenzlauer Berg. Es gibt Kinderspielplatz, Mandelmilch und veganes Schuhwerk in Sichtweite. Sie bestellt ihren stinknormalen Cappuccino mit Kuhmilch in einwandfreiem Hochdeutsch. Vielleicht hört man eine ganz kleine Berliner Färbung. Kein Schwäbisch? Das überrascht manchen, der ihr auf der Straße begegnet und sie als ihre Kunstfigur erkennt: die Prenzlschwäbin. Was inzwischen immer öfter passiert.

Die Frage, die sie zum Lächeln gebracht hat, hört sie häufig: Wie kam sie bloß auf die Idee für die Prenzlschwäbin? Selbsterfahrung? „Das war gar keine Absicht“, sagt die Schauspielerin. Dafür, dass ihr die Figur aus Versehen passiert ist, läuft es zurzeit ziemlich gigantisch: Seit sich vor gut einem Jahr der Clip „Shit Prenzlschwaben say“ wie verrückt im Netz verbreitete, ist Bärbel Stolz dauerpräsent. Im Sommer ist ihr Erzählband „Isch des Bio?“ erschienen, seitdem steht er auf den Bestsellerlisten. Ein Filmvertrag ist unterzeichnet. Und im Oktober hat das Live-Programm von Bärbel Stolz im Stuttgarter Theaterhaus Premiere. Ausverkauft, natürlich.

Der Dialekt als Zusatzqualifikation

Als die Prenzlschwäbin geboren wurde, war Bärbel Stolz eigentlich gerade dabei, ihre Selbstdarstellung für ihre Schauspielagentur aufzuhübschen. Es war Ende 2013, und die Schauspielerei zeigte sich gerade von ihrer eher mühseligen, unerfreulichen Seite. „Sprich doch eine Szene auf Schwäbisch“, sagte die Agentin, Dialekte sind schließlich eine Qualifikation – und wie jeder Schwabe weiß, gibt es in Deutschland kaum Schauspieler, die ordentlich Schwäbisch sprechen. „Ich wollte nicht einfach irgendetwas reden“, sagt Bärbel Stolz.

Der heimische Küchentisch war dann der Ort, an dem die Prenzlschwäbin geboren wurde. Zusammen mit ihrem Mann, einem Dokumentarfilmer, heckte Stolz den Charakter jener Frau aus, die irgendwann aus der Provinz ins wilde Berlin geflüchtet ist – und es jetzt daheim bei sich im Prenzlauer Berg mal so richtig schön haben will: mit Soja-Latte, Lavendel-Hibiskus-Eis für den Nachwuchs, Nachtruhe ab zehn mitten in der Innenstadt und einem elterngefütterten Sparkonto, das für die kernsanierte Eigentumswohnung reicht.