Neue Software sorgt für Ärger In den Finanzämtern knirscht es gewaltig

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Wegen einer neuen Software dauert die Bearbeitung der Fälle beim Finanzamt derzeit dreimal so lange wie sonst. Die Bürger ärgern sich.

 Foto: Stuttgarter Zeitung online
Foto: Stuttgarter Zeitung online

Stuttgart - Viele Menschen freuen sich auf den Frühling - nicht nur, weil dann alles wieder grünt und blüht, sondern auch, weil das Finanzamt ihnen dann den Steuerbescheid zuschickt und die zu viel bezahlten Steuern zurücküberweist. Doch in diesem Jahr bleibt der Regen für die Natur genauso aus wie der Geldregen für die Bürger: Alle 65 Finanzämter des Landes haben in den vergangenen Wochen ihre Software umgestellt - und seither benötigen die Bearbeiter deutlich länger für jeden Steuerfall. Martin Wendel (Name geändert) aus Filderstadt wartet beispielsweise schon mehr als zwei Monate auf die gute Nachricht vom Finanzamt: "Das ist die blanke Katastrophe", sagt er verärgert.

Die eigentliche Umstellung habe gut funktioniert, sagt dazu der Pressesprecher der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe. Immerhin handele es sich bei der Einführung von "Konsens" um die größte EDV-Erneuerung in der Geschichte der baden-württembergischen Steuerverwaltung: Rund 18 Millionen Steuerkonten mussten in das neue EDV-System übertragen werden, hinzu kamen 35 Millionen Einkommensteuer-Festsetzungen und 320 Millionen Archivelemente. Zwei Wochen lang, vom 20.April bis zum 2.Mai, konnten die Mitarbeiter der Finanzämter deshalb gar nicht an ihren Rechnern arbeiten. Dabei baute sich eine Bugwelle an Steuerfällen auf. Jetzt läuft das System zwar, aber die Mitarbeiter haben trotz Schulungen große Probleme, das Programm zu durchschauen, da es anders aufgebaut ist als das bisherige. Von der alten Geschwindigkeit bei der Bearbeitung sind sie noch weit entfernt - manche sprechen von der dreifachen Prüfzeit.

Es lohnt sich, den Steuerbescheid genau zu prüfen

Anscheinend können auch nicht alle Daten im neuen System eingelesen werden, der Bildschirm soll unübersichtlicher sein, und immer wieder fällt das Programm für kurze Zeit ganz aus. Was viele Bürger gar nicht verstehen, ist die Tatsache, dass die Umstellung gerade jetzt im Frühjahr gemacht werden musste, da in dieser Zeit doch die meisten Menschen ihre Steuererklärung abgeben und viele sich an die gesetzliche Abgabefrist vom 31.Mai halten müssen. Eine Antwort darauf ist weder in Karlsruhe noch in den einzelnen Finanzämtern zu bekommen. In Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg waren am Mittwoch angeblich alle Dienststellenleiter außer Haus; in Ludwigsburg hat der Stellvertreter eine Stellungnahme ganz abgelehnt.

Und manche Steuerzahler befürchten nicht nur eine längere Bearbeitungszeit, sondern auch Fehler in ihrem Steuerbescheid. Da die Mitarbeiter in den Finanzämtern mit dem neuen System zu kämpfen haben, könnte es durchaus passieren, dass ihnen das eine oder andere Detail entgeht. In diesem Jahr lohnt es sich deshalb ganz besonders, seinen Steuerbescheid gut zu prüfen.

"Konsens" steht für "Koordinierte neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung". Ziel ist, in allen Finanzämtern aller Bundesländer eine einheitliche EDV einzuführen. Baden-Württemberg hat das System jetzt als 13. Bundesland übernommen.

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