Wertheim - Dieter Bohlen geht ins Kloster. Das wäre mal eine gute Schlagzeile gewesen für den Main-Tauber-Kreis, der sein Dasein sonst weitab des Scheinwerferlichts fristet. Klar, allzu gerne hätte der Landrat Reinhart Frank (CDU) frühzeitig publik gemacht, dass die neueste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) im ehrwürdigen Kloster Bronnbach bei Wertheim abgedreht wird. Doch das war nicht zu machen. Als Vertragspartner der Produktionsfirma Ufa Show und Factual GmbH hatten er und der Hotel- und Restaurant-Pächter Andreas Gravius absolute Geheimhaltung zugesichert.
Inzwischen künden aber große weiße Buchstaben, die auf der Wiese vor dem Kloster platziert wurden, vom Gastspiel der beliebten Castingshow. „Von da an war die Nachricht natürlich kaum noch geheim zu halten“, sagte Gravius, der mit seiner Mannschaft für die Verpflegung des 150-köpfigen Aufnahmeteams sorg.
Dieter Bohlen und der Pharao
Der Jury, zu der auch Teenie-Schwarm Mike Singer und Maite Kelly – zweitjüngstes Mitglied der Kelly-Family – gehören, scheint es in dem fast tausend Jahre alten Kloster zu gefallen. Maite Kelly postete bereits ein Bild vom Josephsaal, in dem einige der Recalls aufgenommen werden. Seinen Namen verdankt der barocke Raum einem Deckenfresko, auf dem Joseph mit seinen Brüdern und seinem Vater Jakob vor dem Pharao steht wie die DSDS-Teilnehmer vor der Jury.
Die Aufnahmen, die gegenwärtig noch andauern, unterlägen den höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Es gebe ein umfassendes Hygienekonzept. Jeder Teilnehmer werde täglich auf Corona getestet. „Das hier ist bestimmt die sicherste TV-Produktion Deutschlands“, erklärte Andreas Gravius. Ob all dies dazu beigetragen hat, dass Schlagerstar Michael Wendler kurz vor Beginn der Produktion geräuschvoll seinen Rücktritt erklärte, ist unklar. Zumindest hatte er pauschal die aktuellen Corona-Maßnahmen kritisiert und auch mit Verschwörungstheorien nicht hinter dem Berg gehalten. Dem Sender RTL warf er vor, politisch gesteuert zu sein.
Was Wendler alles verpasst
Doch so viel ist klar: Der Wendler hat etwas verpasst. „Mit dem Kloster ist uns ein echter Volltreffer gelungen. Das Team, die Kandidaten und die Promis sind allesamt restlos begeistert“ sagte der Produktionsleiter Christian Ziervogel bei einer Drehpause im Bernhardsaal. Auch in einem Stall des Klosters wurde gedreht. Die Kühe ließen sich durch die Vorträge der Kandidaten nicht stören. 16 Kameras, eine Drohne, ein Kran und 30 Mikrofone hat das Team im Einsatz. Damit alle Monitore zwischen dem Drehort und dem Regieraum verbunden sind, mussten rund vier Kilometer Kabel verlegt werden. Für eine ausreichende Stromversorgung hatten die Stadtwerke Wertheim zuvor eine extra Starkstromleitung verlegt.
Selbst der sonst so gnadenlos kritische Dieter Bohlen gab sich begeistert. „Das war bisher die coolste Location, bei der wir in den letzten 18 Jahren zu Gast sein durften, und die Verpflegung war einfach traumhaft“, sagte das einstige Modern-Talking-Mitglied laut einer Presseerklärung des Landratsamtes. Dass ihm kurz vor dem Recall das vierte Jurymitglied abhanden gekommen war, schien er da schon verschmerzt zu haben.
Hilde frisst Dieter aus der Hand
In Drehpausen besuchte Bohlen immer wieder die Schafe, dies seit diesem Jahr auf der Klosterwiese grasen. Vor allem mit Schaf Hilde habe er sich angefreundet, berichtete Gravius. Von Anfang an fraß es ihm aus der Hand. Manche mutmaßen sogar, Hilde könnte den Wendler ersetzen. Ob es soweit kommt, werden die Fernsehzuschauer mit Sicherheit im neuen Jahr erfahren, wenn die neue DSDS-Staffel gesendet wird.