Neue Streaming-Serien aus Deutschland „Der Beischläfer“ gegen „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“

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Komische Typen und ihre Autos: Die heimlichen Stars der neuen deutschen Streaming-Serien „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ (Joyn) und „Der Beischläfer“ (Amazon Prime) sind ein VW und ein Alfa Romeo.

Mehr Serien über Autos und komische Typen: „Der Beischläfer“ mit Markus Stoll und Lisa Bitter (links) bei Amazon Prime und „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ mit Kostja Ullmann bei Joyn. Foto: Amazon, Joyn 24 Bilder
Mehr Serien über Autos und komische Typen: „Der Beischläfer“ mit Markus Stoll und Lisa Bitter (links) bei Amazon Prime und „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ mit Kostja Ullmann bei Joyn. Foto: Amazon, Joyn

Stuttgart - Alfa Romeo oder Volkswagen? München oder Hamburg? Kfz-Mechaniker oder Uber-Fahrer? Die Streamingportale Joyn und Amazon Prime schicken fast zeitgleich zwei neue deutsche Comedyserien ins Rennen. Zunächst startet an diesem Donnerstag „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ bei Joyn, am Freitag folgt dann „Der Beischläfer“ bei Amazon Prime. Beide Serien bauen auf einer originellen Grundidee auf, stecken voller witziger Einfälle, geizen nicht mit eigenwilligen Charakteren und lohnen das Einschalten. Den Tagessieg holt trotzdem klar der Amazon-Autoschrauber – und das liegt nicht wirklich daran, dass er den cooleren Wagen fährt.

Tatsächlich erweist sich „Der Beischläfer“ als die Serienüberraschung des Monats. Zumindest für alle, die noch nie etwas von dem bayerischen Comedian Harry G gehört haben und die bei einer Serienkomödie dieses Titels nur schlüpfrigen Quatsch erwarten. Doch „Der Beischläfer“ ist in Wirklichkeit eine bittersüße Komödie um einen Mann, der versucht, zurück ins Leben zu finden.

Harry G als Automechaniker mit Herz

Markus Stoll – so der bürgerliche Name von Harry G – spielt Charlie Menzinger, einen Automechaniker, der vor einem Jahr einen Schicksalsschlag erlitten hat und überhaupt nicht davon begeistert ist, dass zwei Polizisten jetzt in seiner Werkstatt auftauchen, um ihn aufs Amtsgericht am Münchner Stachus mitzunehmen. Charlie wurde auf fünf Jahre zum Schöffen berufen – beziehungsweise zum „Beischläfer“ –, wie ihm die Richterin Julia Kellermann (Lisa Bitter) erklärt. Die strenge Juristin, die gerade von Berlin nach München versetzt wurde, wäre nämlich viel lieber Alleinrichterin, und Schöffen erträgt sie nur dann, wenn sie mucksmäuschenstill sind. Doch da ist sie bei Charlie, der nicht zwischen Recht und gerecht unterscheiden möchte, an den Falschen geraten.

Markus Stoll ist als gewitzter Automechaniker mit Herz eine Entdeckung. Und es knistert wunderbar zwischen ihm und Lisa Bitter, die zwischen 2009 und 2013 Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart war, in der SWR-Serie „Laible und Frisch“ die Ina Frisch darstellte, im „Tatort“ aus Ludwigshafen die Expertin für komplizierte Fälle ist und jetzt eine herrlich spröde Richterin mimt.

Vom „Tatort“ kommt auch Murmel Clausen, der mit Mike Viebrock die „Beischläfer“-Drehbücher geschrieben hat und der sonst für die kuriosen Dialoge im Weimarer „Tatort“ mitverantwortlich ist. Allerdings ist der Ton in der Amazon-Serie etwas stiller, schwarzhumoriger und von sanfter Melancholie durchdrungen. Die Serie ist aber auch deshalb ein Tipp, weil sie auf die skurrilen Moritaten der oberbayerischen Neofolk-Kapelle Dreiviertelblut setzt und weil es einige hübsche Gastauftritte gibt: Heino Ferch etwa mischt sich als sich selbst in den bayerischen Tequila-Brenner-Krieg ein.

Kostja Ullmann als Hassobjekt der Taxifahrer

Bei Joyns „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ geht es etwas nüchterner zu. Kostja Ullmann spielt Bernd, dem wir das erste Mal begegnen, als er nach einer Nacht im Auto von einer Marktfrau unfreundlich geweckt wird und gleich auch schon den ersten Fahrgast einsteigen lässt. Er fährt Menschen kreuz und quer durch Hamburg. Mal ignorieren sie ihn, mal schütten sie ihr Herz aus. Er wird Zeuge (und immer wieder auch Teil) von Dramen, Romanzen, Komödien, Sexabenteuern. Und man kann sich sicher sein, dass an der nächsten roten Ampel ein Taxifahrer wartet, um ihn zu beschimpfen oder Essensreste auf seinen VW zu schütten.

Zwar bemühen sich die Fahrgastgeschichten manchmal zu sehr um Originalität. Was aber „Aus dem Leben eines Uber-Fahrers“ und „Der Beischläfer“ verbindet, ist, dass die Figuren ganz langsam Kontur annehmen, dass beide Serien nicht der typisch deutschen Unsitte erliegen, alles gleich zu erklären und auszubuchstabieren: Was für Typen Bernd und Charlie sind, was das Geheimnis des roten Alfa Romeo und wie das mit der schwangeren Frau ist, darf der Zuschauer nach und nach selbst herausfinden.

Serienduell bei Amazon Prime und Joyn

Der Beischläfer In der Comedyserie wird der Münchner Autoschrauber Charlie Menzinger (Markus Scholl – besser bekannt als Harry G) zum Schöffen ernannt. Der hat darauf aber gar keine Lust und legt sich gleich mit der Richterin Julia Kellermann (Lisa Bitter) an. Alle sechs Episoden sind von Freitag, 29. Mai, an bei Amazon Prime verfügbar.

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers Ben (Kostja Ullmann) ist Mitte dreißig, irrt durch sein Leben, verbringt den ganzen Tag in seinem Auto, kutschiert als Uber-Fahrer Menschen durch Hamburg, erlebt mit ihnen mal skurrile, mal bewegende Geschichten. Die Comedyserie ist von diesem Donnerstag, 28. Mai, an bei Joyn verfügbar.




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