Neue Strecke in Murrhardt Der Weg zum nachhaltigen Wandern
Auf Initiative des Verkehrsministeriums und „bwegt“ haben die Naturparkführer Walter Hieber und Manfred Krautter eine neue Wanderstrecke konzipiert, die gut mit Bus und Bahn erreichbar ist.
Auf Initiative des Verkehrsministeriums und „bwegt“ haben die Naturparkführer Walter Hieber und Manfred Krautter eine neue Wanderstrecke konzipiert, die gut mit Bus und Bahn erreichbar ist.
Wandern per se ist nicht immer klimafreundlich: Oft geht’s zunächst mit dem Auto zum Wanderparkplatz in die Pampa. Dort angekommen, dreht der Wanderer zu Fuß seine Runde durch die Natur. Danach setzt er sich wieder ins Auto und fährt nach Hause. Das geht besser.
„Es wäre doch toll, wenn spezielle Wanderwege vorhanden wären, die man gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann“, sagt Walter Hieber. Er und Manfred Krautter, die „WaldMeister“, beides erfahrene Naturparkführer, haben einen neuen Wanderweg geschaffen, der nicht nur mit atemberaubenden Aussichten lockt, sondern auch ein besonderes Augenmerk auf nachhaltige Mobilität legt. Der Wanderweg ermöglicht eine Anreise mit öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), um das Naturerlebnis für alle zugänglich zu machen. „Die Anfrage, einen sogenannten ,bwegt‘-Wanderweg zu gestalten, bei dem die Nachhaltigkeit eine besondere Rolle spielt, ist an uns von einer Agentur herangetragen worden, die im Auftrag ‚bwegt’ (Mobilität für Baden-Württemberg) arbeitet“, erklärt Hieber. Diese Idee habe den beiden sofort gut gefallen.
Worauf es beim Wandern ankommt, wissen die zwei nur zu gut. Hieber und Krautter haben in den vergangenen Jahren sieben sogenannte Premiumwanderwege im Rems-Murr-Kreis konzipiert, quasi der Goldstandard unter den Wanderwegen. Jeder für sich erfüllt höchste Anforderungen. Angefangen von der abwechslungsreichen Streckenführung, der Wegbeschaffenheit und Beschilderung über die Naturerlebnisse und Attraktionen bis hin zu Rast- und Einkehrmöglichkeiten und einigem mehr. „Eine Anforderung ist beispielsweise, dass sich spätestens alle zwei Kilometer die Landschaftskulisse ändert“, erklärt Manfred Krautter. „Ein neuer Ausblick, eine Lichtung, Streuobstwiesen, eine Aue, ein Bachlauf, eine Gesteinsformation.“ Langweile soll nicht aufkommen. Ebenso wichtig sind eine lückenlose Beschilderung, möglichst viel Naturwegstrecke, allerlei Sehenswertes unterwegs und ausreichend Rastmöglichkeiten.
„Eigentlich wollten wir erreichen, dass auch der neue ,bwegt‘-Wanderweg alle diese Kriterien erfüllt, aber es gibt ein Kriterium, das wir nicht erfüllen“, sagt Krautter. Wer auf Premiumwanderwegen wandelt, tut das auf maximal 700 Metern Asphalt am Stück. „Und da die Bahnhöfe ein wichtiger Bestandteil unserer Konzeption sind, sie aber in Ortschaften liegen, können wir diese Vorgabe nicht einhalten.“
Zufrieden mit ihrer Auswahl sind sie dennoch. „Unser Vorschlag erfüllt größtenteils alle anderen Kriterien und bietet auch ohne Zertifizierung ein tolles Erlebnis“, betont Hieber. Drei verschiedene Strecken, eine bei Lorch, eine bei Schwaikheim und eine bei Murrhardt, hatten die beiden ausgetüftelt, in einer Machbarkeitsstudie zusammengefasst und der Agentur vorgelegt, erzählt er. Den Zuschlag habe schließlich die Strecke von Fichtenberg nach Murrhardt erhalten. Eine gute Wahl finden auch die beiden Herren.
Los geht die 14,2 Kilometer lange Strecke am Bahnhof Fichtenberg und führt über den Bahnhof Fornsbach nach Murrhardt, wo sich gute Einkehrmöglichkeiten bieten. „Wem die 14 Kilometer zu lang sind, der kann sich nach etwa halber Strecke in Fornsbach in den Zug setzen“, sagt Krautter. Lohnenswert sei allerdings der gesamte Weg: Er führt von der Ortschaft über eine Talaue zur Fichtenberger Rot, dann hoch auf die Schanze, die einen „phänomenalen Ausblick“ bietet. Weiter geht’s über eine Waldpassage bis zum idyllisch gelegenen Waldsee, wo Einkehrmöglichkeiten bestehen, es Toiletten, Minigolf und einen Campingplatz gibt. Danach weiter durch Fornsbach, ein nettes Örtchen mit Bäcker, Metzger und dem Bahnhof (der sich für müde Wanderer zur Abkürzung anbietet). Wer weiter wandert, gelangt über offene Wiesenlandschaft oberhalb der Gleise „mit schönem Blick auf kleinere Ortschaften und die Bahnstrecke“ über Murrhardt Alm hoch zum Alleensee mit Freizeitanlagen und Spielplatz. „Die Quelle und der Weiher dort bieten Gelegenheit zur Rast“, sagt Walter Hieber. Danach führt die Strecke vorbei an der sagenumwobenen Teufelsmauer hoch auf die Linderstebene, wo Grillmöglichkeiten bestehen und Limesturmreste zu bestaunen sind, zum Maienplatz, einem „versteckten Kleinod“. Dann wieder runter und vorbei an der historischen Rümelinsmühle bis man nach wenigen Minuten Murrhardt erreicht. Hier kann man zum Bahnhof oder erst in die historische Altstadt, einen Café trinken, Kuchen und Eis essen oder anderen kulinarischen Genüssen frönen. Natürlich kann auch in entgegengesetzter Richtung gewandert werden – die Strecke ist in beide Richtungen ausgeschildert.
Offiziell eröffnet ist der Wanderweg noch nicht. „Wir bewegen uns dort zwar zumeist auf bestehenden Wanderwegen, müssen aber die Beschilderung noch vervollständigen“, erklärt Manfred Krautter. Auch die letzten kreisrunden Sticker mit dem „bwegt“-Logo, welche die Strecke kennzeichnen, sind noch nicht alle aufgeklebt. Zu guter Letzt müssen auch die drei großen Portaltafeln mit Karte und QR-Code der Wanderroute zum Abscannen an den Bahnhöfen aufgestellt werden. Ende August soll es dann so weit sein. Und ganz bewusst habe man keinen Rundkurs ausgewählt, sondern eine Strecke von A nach B – schließlich soll man den ÖPNV nutzen und nicht mit dem Auto anreisen. Fichtenberg liege gut erreichbar zwischen Stuttgart und Schwäbisch Hall, die Taktung der Züge sei gut.
Den Wanderweg stufen Walter Hieber und Manfred Krautter als „mittelschwere Strecke“ ein, die aber auch für wanderfreudige Familien geeignet sei. Die beiden Naturparkführer betonen die gute Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen und Kommunen, besonders auch die Unterstützung durch die Bürgermeister. „Der ‚bwegt’-Wanderweg zwischen Fichtenberg und Murrhardt soll kein Einzelprojekt bleiben, sondern ein Auftakt für weitere Wege sein“, erklärt Walter Hieber. „Es ist geplant, landesweit Kommunen einzuladen, die sich in einer Datenbank für weitere Wege bewerben können. Diese erhalten dann eine Grundausstattung mit Portaltafeln und Wegzeichen“, sagt Walter Hieber. „Wir WaldMeister sind jeweils für die Qualitätsprüfung vor Ort vorgesehen.“
Die Eröffnung des neuen Wanderwegs findet am Mittwoch, 23. August, statt. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet unter www.bwegt.de