Neue Süßstoff-Pflanze Geht gar nicht bis recht lecker

Stevia rebaudiana Foto: dpa 3 Bilder
Stevia rebaudiana Foto: dpa

Seit Anfang Dezember dürfen in Deutschland Produkte der Süßpflanze Stevia verkauft werden. Doch wie schmeckt der neue Zuckerersatz?

Wissenschaft: Tanja Volz (vz)
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Stuttgart - Geht gar nicht, sagt die Kollegin. Zumindest im Kaffee scheußlich, den Tee kann man gerade noch so trinken. Die Rede ist von Stevia, dem neuen Zuckerersatzstoff. Stevia, die neue Süße aus der tropischen Pflanze Stevia rebaudiana, ist seit Kurzem auch hier zugelassen. Offiziell gibt es in Deutschland aber noch keine verzehrbaren Produkte, daher haben wir uns für ein puderzuckerartiges Pulver aus Frankreich entschieden (wobei schon seit Jahren auch hier der Handel blüht und zwar mit Produkten, die als Badezusatz oder Kosmetika deklariert sind. Wer also keine Skrupel hatte, seinen Kaffee mit Badesalz zu süßen, konnte Stevia bereits ausprobieren).

Da sich über Geschmack bekanntermaßen streiten lässt, gibt es auch zu dieser Zuckeraustausch-Variante verschiedene Meinungen. Von "scheußlich bis superlecker" ist alles dabei. Dabei muss man in diesem zugegebenermaßen nach wissenschaftlichen Kriterien nicht haltbaren Geschmackstests (weder doppelblind noch statistisch erfasst) vor allem eines festhalten: Menschen, die ihren Tee oder Kaffee mit echtem Zucker trinken, mögen Stevia nicht so gerne.

Diejenigen, die ihre Geschmacksknospen schon seit Jahren mit chemischen Süßstoffen malträtieren, sind begeistert - "weil es mehr nach Zucker schmeckt". Allerdings variiert der Geschmack je nach Herstellung. Im benachbarten Ausland, etwa in der Schweiz und Frankreich oder den USA gibt es viele Produkte, die mit Stevia gesüßt sind. Und alle schmecken unterschiedlich süß.

Coca-Cola könnte der Stevia zur Popularität verhelfen

Im vergangenen November hat die EU-Kommission die neuen Süßstoffe zugelassen. Nach der offiziellen Mitteilung mussten die Hersteller zwanzig Tage mit der Produktion warten, so schreiben es die Richtlinien vor. Daher kann es jetzt erst losgehen: Coca-Cola etwa wittert einen Markt und begrüßt die Zulassung. "Das könnte der Durchbruch für Stevia sein. Lange Zeit hat ein großes Unternehmen gefehlt, das derartige Produkte auf den Markt bringt", meint der Hohenheimer Agrarwissenschaftler Udo Kienle, der die Pflanze seit fast 30 Jahren wissenschaftlich untersucht - und den Geschmack liebt.

Doch die 100-Prozent-Stevia-Limonade wird es nicht geben. "Mit den Vorgaben der EU können nur maximal 30 Prozent des Zuckers ersetzt werden", erklärt Kienle. Die jetzt verabschiedete europäische Verordnung erlaubt nur die Verwendung von sogenannten Steviolglykosiden. Steviolglykoside werden von der Pflanze produziert. Sie bewirken, dass die Blätter süß schmecken. Weil diese pflanzlichen Stoffe aber chemisch gewonnen werden, darf man den Süßstoff nicht als natürlich bezeichnen. Nicht zugelassen sind weiterhin Teile der Pflanze, etwa die Blätter. Die Pflanze gilt nach wie vor als neuartiges Lebensmittel und darf nur nach einer gesundheitlichen Bewertung in den Handel kommen.

Immer wieder gab es Debatten über die gesundheitlichen Auswirkungen von Stevia: In den achtziger und neunziger Jahren haben Tierversuche ergeben, dass ein Stoffwechselprodukt von Stevia Krebs auslösen und unter bestimmten Voraussetzungen unfruchtbar machen könnte. Allerdings, so wissen Experten, wurden die Studien in Japan mit einem Rattenstamm durchgeführt, der zu spontanen Krebsbildungen neigt. Daher sind diese Daten nicht haltbar.

Versuchsergebnisse konnten von der Efsa widerlegt werden

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat den pflanzlichen Süßstoff nun positiv bewertet und schreibt, dass Steviolglycoside in toxikologischen Tests keine Krebs erregenden, toxischen oder negativen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane oder das ungeborene Leben haben. Damit stand einer EU-weiten Zulassung nichts mehr im Wege, die jetzt erfolgt ist.

Allerdings müssen die Langzeitwirkungen von Stevia auf die Gesundheit weiterhin untersucht werden. Daher dürfen Steviolglykoside nicht in beliebiger Menge in die Schokolade oder Limonade gemischt werden. Von der EU wurde eine maximal zulässige Tagesdosis von vier Milligramm Steviolglykosid pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Das reicht nicht, um etwa eine ganze Flasche Eistee mit Stevia zu süßen. Daher werden die neuen Lebensmittel dann beispielsweise mit "30 Prozent weniger Zucker" angepriesen.

Das Urteil: H H H (Zweckmäßig)

H= Pleite

HH = Netter Versuch

HHH = Zweckmäßig

HHHH = Überzeugend

HHHHH = Klasse!

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