Neue Trickserie vom „Simpsons“-Erfinder Die Nächte von Prinzessin Bean

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Matt Groening knöpft sich in der Netflix-Animationsserie „Disenchantment“ Fantasy und Märchen vor. Fans von „Game of Thrones“ und von „Herr der Ringe“ müssen jetzt ganz tapfer sein. Der ätzende Witz der „Simpsons“ macht sich über die Welt der Schwerter und Zaubereien her.

Prinzessin Bean rebelliert mit dem Dämon Luci (li.) und dem elf Elfo (re.) gegen ihr Schicksal.Foto:Netflix Foto:   7 Bilder
Prinzessin Bean rebelliert mit dem Dämon Luci (li.) und dem elf Elfo (re.) gegen ihr Schicksal. Foto:Netflix

Stuttgart - Bei der Arbeit gut gelaunt Lieder zu singen? Pardon, meint der kleine Elf Elfo, das sei kein Zeichen von Glücklichsein, sondern der Hinweis auf eine Geisteskrankheit. Damit platzt er aus der munter trällernden und emsig schuftenden Gemeinschaft der grünen Wichte heraus. Aber er passt wunderbar hinein in die Anti-Märchenwelt, die der „Simpsons“-Erfinder Matt Groening in seiner neuen Animationsserie „Disenchantment“ entwirft.

Schlösser, Dörfer und Zauberwälder gibt es auch hier, und ein buntes Personal aus Prinzessinnen, Prinzen, Rittern, Ratgebern, Hofschranzen, Handwerkern, Bänkelsängern und Bettlern. Nur die reinen Herzen aus dem Märchenbuch sucht man vergeblich. Die netteren Figuren sind schattige Charaktere, die weniger netten eine fiese Bagage. Die Menschenwelt, die Elfos Verbannungsort wird, hat so viel mit der martialischen Fantasy-Welt aus „Game of Thrones“ wie mit dem Kindermärchenbuch zu tun. Und Mixturen hochfliegender Idealisierung und grausigen Existenzkampfs wie Tolkiens „Herr der Ringe“ werden ebenfalls mit dem ätzenden satirischen Tapetenlöser behandelt.

Entschieden nichts für Kinder

Was darunter zum Vorschein kommt, ist putzig anzuschauen und noch schöner designt als Groenings „Futurama“. Aber für Kinder ist diese Serie ganz und gar nicht geeignet, nicht einmal für Rangen, die den schwarzen Humor in den „Shrek“-Filmen schon ganz gut aushalten. Schon der Titel warnt: Disenchantment bedeutet Entzauberung und wird im Englischen auch im Sinn von „Enttäuschung“, oder „herbe Ernüchterung“ gebraucht. Enttäuscht wird man nun auch beim US-Sender Fox sein, einem Veteranen der alten TV-Welt, dem Matt Groening mit den „Simpsons“ und „Futurama“ popkulturelle Hipness verschafft hatte. „Disenchantment“ hat Groening für den Streamingdienst Netflix entwickelt.

Im Mittelpunkt der Serie steht Prinzessin Bean, die ihr so tumber wie aufbrausender Vater, der König, endlich verheiraten will. Bean fürchtet ewige Langeweile und eine Kette von Schwangerschaften und hätte vorher gerne noch Spaß: Sex, Alkohol und Abenteuer. Was sich als schwierig erweist in einem Königreich, in dem alle vor den Launen ihres Vaters zittern. So enden die Nächte Beans meist nur in Gesellschaft des lamentierenden Elfo und des sarkastischen kleinen Dämons Luci.

Ein erschütterter Elf

Der ist Bean eigentlich als Fluch ins Leben geschickt worden und müht sich, der Anstifter zu destruktivem Verhalten zu sein. Aber er rutscht in die Rolle des guten Kumpels wider Willen. Außer in den Augen des Königs. Der hält Luci für Beans Katze und traktiert ihn mit endspielreifen Elfmetertritten. Umgekehrt übernimmt Elfo zwar den Part des zurückhaltenden, zur Vorsicht mahnenden guten Gewissens. Aber eine Abfolge mieser Erlebnisse zerrüttet seine Lust am Freundlichsein und seinen Glauben an den Lohn der Guten.

Wenn hier eine Party in Abwesenheit der königlichen Eltern gefeiert wird, schauen garantiert die Wikinger vorbei. In Steigerung der Verwüstungen, die man aus Teenie-Komödien kennt, liegt am Ende der Fete ein Großteil des Hofstaats niedergemetzelt im Thronsaal. Die achselzuckende Resignation, mit der das Elitetöchterchen Bean zur Kenntnis nimmt, dass wieder mal was schiefgelaufen ist, darf man auch als sozialen Kommentar verstehen. Das war ja schon bei „Simpsons“ und „Futurama“ stets die scharfe Kante des Humors: Die Trickwelt erinnert ein wenig an den Normalbetrieb der Wirklichkeit.

Info: Alle Folgen von „Disenchantment“ sind von 17. August 2018 an bei Netflix abrufbar.