Neue Überlandleitung im Kreis Göppingen Kommunen: Dem Braten trauen wir nicht

Von Klaus Nonnenmacher 

Die Transnet BW hat einen neuen Zeitplan für die geplante 380-KV-Leitung zwischen Rems- und Filstal vorgestellt und den Suchkorridor nach Westen erweitert. Das ärgert die Schorndorfer.

Der Poker um den Verlauf der geplanten Höchstspannungsleitung geht weiter. Foto: dpa
Der Poker um den Verlauf der geplanten Höchstspannungsleitung geht weiter. Foto: dpa

Schwäbisch Gmünd - Die Transnet BW hat jetzt bei einer Informationsveranstaltung vor 200 Zuhörern in Schwäbisch Gmünd nicht nur einen neuen Zeitplan für die Bürgerbeteiligung an der Planung der neuen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Aalen im Ostalbkreis und Ebersbach-Bünzwangen im Kreis Göppingen vorgestellt, wonach es im September und Oktober weitergehen soll. Sie hat auch eine von Bürgerinitiativen geforderte Westerweiterung jenes Grobkorridors vorgestellt, in dem die neue Überlandleitung verlaufen soll.

„Die können sich dabei nichts gedacht haben“

Matthias Klopfer, der Oberbürgermeister von Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) ist darob einigermaßen erbost. „Die können sich dabei nichts gedacht haben“, konstatiert er. Zwei neue Trassenvorschläge nordwestlich von Urbach im Remstal Richtung Oberberken im Schurwald wurden aufgezeigt, durch die Kommunen wie Wäschenbeuren, Börtlingen oder Adelberg im kreis Göppingen fein raus wären. Doch die Leitung würde dann entweder nördlich der Schorndorfer Teilorte Haubersbronn und Schornbach durch diverse Schutzgebiete oder mitten durch ein von Schorndorf geplantes Neubaugebiet verlaufen. „In den Naturschutzgebieten dürfen wir nicht einmal einen Radweg bauen. Überdies ist durch die Westerweiterung die maximale Anzahl von Anwohnern betroffen. Wie soll das gehen?“, fragt OB Klopfer und fügt hinzu, dass er nun im Gegenzug eine Erweiterung des Grobkorridors Richtung Südosten ins Filstal beantragen werde. Dies sei nur recht und billig, meint er.

Betroffene wollen zusammenhalten

Das klingt gar nicht dem, was Franz Wenka, der Bürgermeister von Börtlingen propagiert. „Diese Westerweiterung wird die Raumschaft noch mehr zusammenschweißen“, sagt er nämlich. Einzigartig sei das, was zurzeit passiere. Landkreise, Städte, Gemeinden und Bürgerinitiativen würden den Schulterschluss üben. Die Reaktion aus Schorndorf kommentiert wie folgt: „Das Regierungspräsidium hat Transnet darauf hingewiesen, dass sie die Westerweiterung prüfen sollten, sonst wäre es ein Abwägungsfehler. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass diese Trassen nicht realistisch sind, dann ist das halt so.“

Auch die Landkreise machen mit

Viel wichtiger ist Wenka aber die Tatsache, dass alle Kommunen gemeinsam ein Gutachten in Auftrag geben, das nachweisen soll, dass die geplante Leitung nicht notwendig ist. Alle Kommunen, auch Schorndorf, wie Matthias Klopfer bestätigt, wollen sich an den Kosten dieses Gutachtens beteiligen und nicht nur die Kommunen. Eine Zusage gibt es Wenka zufolge auch von den Landräten des Ostalbkreises und des Rems-Murr-Kreises. „An den Göppinger Landrat werden wir nun mit derselben Bitte herantreten“, so Wenka.

Transnet gewährt nur wenige Monate Aufschub

Mit dem Zeitplan der Transnet BW für die Beteiligung sind die Kommunen nicht einverstanden. „Wir fordern eine Aussetzung des Verfahrens bis Mai, Juni kommenden Jahres, bis unser Gutachten fertig ist“, sagt Wenka. Der Netzbetreiber sieht das anders. In Schwäbisch Gmünd hatten die Transnet-Fachleute ausführlich dargestellt, auf welchen Grundlagen sie die Notwendigkeit der Leitung errechnet hat, und, dass man ins Raumordnungsverfahren einsteigen könne, ohne dass die Trassierung bis dahin endgültig geklärt sei. „Diesem Braten trauen wir nicht“, kommentiert dies Franz Wenka. Juristen hätten ihn darauf hingewiesen, dass man bestimmte Argumente rechtzeitig ins Verfahren einspeisen müsse.




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