So könnte die Seeländer-Unterführung bald aussehen. Foto: Stadt Herrenberg
Die Gäubahntrasse zerschneidet Herrenberg, nur an wenigen Stellen gibt es Unterführungen. Fußgänger und Radfahrer dürfen jetzt aber auf ein Licht am Ende des Tunnels hoffen.
Käthe Ruess
15.05.2026 - 15:02 Uhr
Gute Nachrichten für Herrenbergs Fußgänger und Radfahrer: In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses hat die Stadtverwaltung die Pläne zum Bau und zur Finanzierung der sogenannten Seeländer-Unterführung, fachlich korrekt als „Eisenbahnüberführung“ (EÜ) bezeichnet, vorgestellt. Diese soll den Weg für den Fuß- und Radverkehr verkürzen und eine Wegführung abseits der Hauptverkehrsachsen ermöglichen.
Die trennende Wirkung der Gäubahntrasse für die Herrenberger Kernstadt nämlich war immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Vor ein paar Jahren wurden deshalb in Machbarkeitsstudien verschiedene Optimierungen bestehender Bauwerke sowie neue Unterquerungen untersucht. Angesichts der Haushaltssituation der Gäustadt wurde dann lediglich die Planung der Seeländer-Unterführung weiterverfolgt, die den Namen des 2020 im Altstadtnähe eröffneten Einkaufszentrums als Arbeitstitel führt.
Priorisiert worden war dieses Vorhaben insbesondere aufgrund der zahlreichen Wohnbauvorhaben westlich der Bahntrasse: Neben dem bereits realisierten Projekt auf dem ehemaligen Leibfried-Areal entsteht nördlich davon das „Gefylde“, zukünftig soll auch noch das Aischbach-Areal sowie jenes an der Schäferlinde dazukommen. Unter dem Strich sollen dort Wohnungen für über 1000 Menschen gebaut werden.
Für die EÜ, die auf 40 Metern Länge überdeckelt und sechs Meter breit sowie drei Meter hoch sein soll, rechnet die Stadt Herrenberg mit Planungs- und Baukosten von 9,5 Millionen Euro. Darin ist bereits eine Baukostensteigerung von 1,7 Millionen Euro, kalkuliert mit 7,2 Prozent pro Jahr, bis zum voraussichtlichen Baubeginn im Jahr 2029 enthalten. Dazu kommen noch 1,6 Millionen Euro als Ablösesumme an die Deutsche Bahn. Diese wird fällig, weil Bauwerke, die Bahnstrecken queren, nach deren Fertigstellung normalerweise in das Eigentum der Bahn übergehen. Diese ist dann zukünftig für Betrieb und Wartung zuständig.
Förderungen senken Herrenbergs Kosten auf 2,2 Millionen Euro
Die Stadt muss jedoch nicht die Gesamtkosten in Höhe von 11,1 Millionen Euro tragen, sondern kann mit umfangreichen Förderungen rechnen. Die Aufnahme in das Programm nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, das einen Großteil der Bau- und Planungsleistungen übernimmt, ist bereits geschehen. Auch für den Löwenanteil der Ablösezahlung steht eine Förderung in Aussicht. Unterm Strich würde der Eigenanteil der Stadt dann bei rund 2,2 Millionen Euro liegen.
Die neue Unterführung soll eine Unterquerung der Bahngleise am Seeländer ermöglichen. Foto: Archiv/Eibner-Pressefoto
In der Vorberatung zeichneten sich keine größeren Schwierigkeiten dafür ab, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag, 19. Mai, den Baubeschluss fassen wird. Zumindest kamen aus keiner der Ratsfraktionen Bedenken. Pauline Rist-Nowak (Frauenliste) sprach sogar von einem „bahnbrechenden Durchbruch“.