Neue Unterkunft in Zuffenhausen Flüchtlinge kommen oft als Großfamilie

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In Zuffenhausen steht eine neue Flüchtlingsunterkunft mit 156 Plätzen. In der kommenden Woche soll es schon voll belegt sein. Insgesamt wird die Stadt bis Mitte 2015 an 67 Standorten in Stuttgart Unterkünfte für Flüchtlinge einrichten.

Das Wohnheim in der Zazenhäuser Straße wird sich bald füllen. Foto: Martin Stollberg
Das Wohnheim in der Zazenhäuser Straße wird sich bald füllen. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - „Guten Morgen!“ rufen die Kinder einer georgischen Flüchtlingsfamilie jedem zu, der über den Flur geht. Sie sind stolz auf die ersten Sätze, die sie auf Deutsch sagen können. Sie können ihre neu gelernten Wörter am Dienstag oft ausprobieren. Denn kaum sind die ersten 54 Flüchtlinge in die Unterkunft eingezogen, schaut auch schon hoher Besuch vorbei. Die Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP), der Sozialamtsleiter Stefan Spatz, Vertreter des neu gegründeten Flüchtlingsfreundeskreises, des Bezirksbeirats, der Bezirksvorsteher Gerhard Hanus und weitere Besucher sind gekommen, um sich davon zu überzeugen, dass das Haus an der Zazenhäuser Straße bereit ist, bald 156 Flüchtlinge aufzunehmen.

Es wird nicht lange dauern, bis das Haus voll belegt sein wird. Am Mittwoch kommt schon die nächste Gruppe an. Davon gehören zwölf Personen einer Familie an. Darauf nimmt die Verwaltung bei der Planung und Unterbringung Rücksicht. Das neue Wohnheim in Systembauweise ist so gebaut, dass auf jedem Flur sogenannte Familienzimmer eingerichtet sind. Das sind jeweils zwei miteinander verbundene Räume, in denen je drei Betten, ein Kühlschrank, ein kleiner Esstisch mit Geschirr und ein großer Kleiderschrank stehen. Die Familie bekommt zwei dieser Zimmer im Erdgeschoss, damit sie zusammenleben kann. Ein Raum ist knapp 15 Quadratmeter groß.

63 Prozent der Menschen kommen im Familienverband

Für Sozialamtsleiter Spatz ist die Ankunft der großen Familie typisch für die aktuelle Flüchtlingswelle, die in Deutschland ankommt: 63 Prozent der Menschen, die aus Krisengebieten fliehen, kämen im Familienverbund, nur 37 Prozent seien allein unterwegs. Das sei bei den zurückliegenden Flüchtlingsströmen anders gewesen, vor 20 Jahren seien überwiegend Einzelpersonen in Deutschland angekommen.

Flüchtlingsheime mit mehr als 20 Plätzen im Raum Stuttgart:

Die Bürgermeisterin Isabel Fezer rief bei dem Rundgang den „Stuttgarter Weg“ bei der Ansiedlung von Flüchtlingsunterkünften in Erinnerung. Insgesamt werde es bis Mitte des kommenden Jahres 57 Standorte in der Landeshauptstadt geben. Die Verwaltung achte darauf, dass die Standorte gleichmäßig über die Stadt verteilt seien, erläuterte Fezer. Voll des Lobs war die Bürgermeisterin für das ehrenamtliche Engagement der Zuffenhäuser. Bezirksvorsteher Gerhard Hanus pflichtete ihr bei: Bei der Gründungsversammlung des Freundeskreis sei die Zehntscheuer „aus allen Nähten geplatzt“, weil viele helfen wollten.

Gegen Standort in Feuerbach läuft ein Petitionsverfahren

Nicht überall klappt es so gut wie in Zuffenhausen. So befasste sich der Bezirksbeirat in Feuerbach am Dienstag mit den Einwänden von Anwohnern, die gegen den Standort Schelmenäcker für eine neue Flüchtlingsunterkunft sind. Dort soll eines der nächsten Heime entstehen. Die Gegner haben sich mit einer Petition an den zuständigen Ausschuss des Landtags gewandt. Laut einem Sprecher des Regierungspräsidiums ist diese Petition aktuell die einzige gegen ein neues Flüchtlingswohnheim. Daneben laufen noch zwei Widerspruchsverfahren gegen Standorte in Weinsberg (Kreis Heilbronn) und Gärtringen (Kreis Böblingen). In einem Widerspruchsverfahren übernimmt das Regierungspräsidium die Rolle der Genehmigungsbehörde. Wird die Entscheidung danach nicht akzeptiert, bleibt nur noch der Gang vor das Verwaltungsgericht. So ist es im Fall eines Heimes, das in Fellbach eingerichtet werden sollte, geschehen. Anwohner hatten mit ihrer Klage gegen die Stadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis) im Juli Erfolg. Dort sollte ein ehemaliges Lehrlingsheim umgebaut werden. Die Stadt hat im August Berufung eingelegt und zieht nun in die nächste Instanz, vor den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim.

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