In den USA breitet sich „Kraken“ rasch aus, auch in Deutschland ist sie schon angekommen. Was bedeutet das für 2023?

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Die Omikronvariante hat alle drei Corona-Infektionswellen 2022 dominiert. Es war im Wesentlichen nicht das Virus, das sich verändert hat, sondern das Verhalten der Menschen. Die vielen Millionen Infektionen hatten allerdings auch ihr Gutes: zusätzlich zum Impfschutz haben sie die Immunität in der Bevölkerung deutlich erhöht. Das wird gemeinhin als ein Grund angesehen, warum die vielfach prognostizierte Winterwelle bislang doch ausgeblieben ist: Omikron trifft einfach nicht mehr auf so viele empfängliche Wirte.

Das Coronavirus verändert sich ständig weiter. In den vergangenen Monaten konnte sich keine neue Variante dominant durchsetzen, das gilt auch für die im Herbst beobachteten BA.2.75 und BQ.1, die laut Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt etwa ein Drittel aller Coronainfektionen in Deutschland ausmachten. Anders als in den ersten beiden Pandemiejahren, als weniger Varianten unterwegs waren, sprechen Forscher nun von einem „Variantenzoo“. Hunderte Mutationen sind bekannt, 17 davon haben in Deutschland aktuell einen Anteil von mehr als einem Prozent. Die Lage ist also recht unübersichtlich, dank aktuell überschaubarer Infektionszahlen aber unter Kontrolle.

Ansteckender als bisherige Varianten

Meldungen aus den USA deuten nun an, dass eine neue Variante wieder einen klaren Vorteil haben könnte. Sie heißt XBB.1.5 beziehungsweise „Kraken“ und entstammt der BA.2-Linie. Sie zeichnet sich durch eine Mutation im Spikeprotein aus, mit dem sich das Coronavirus an menschliche Zellen bindet.

Kraken ist dadurch ansteckender als bisherige Varianten. In den USA wird die Variante laut der Gesundheitsbehörde CDC bei etwa 40 Prozent aller Infektionen nachgewiesen. Ob das in diesem Fall auch zu mehr Infizierten führt, ist nicht sicher. In den USA hat sich die Zahl der bestätigten Coronainfektionen zwischen Ende November und Weihnachten in etwa verdoppelt. Allerdings werden dort wie hierzulande nur noch wenige Tests durchgeführt, zudem breiten sich Coronaviren im Winter leichter aus.

Das RKI weist für Deutschland noch keine Daten zu XBB.1.5 und aus, sehr wohl aber zu ihrer „Mutter“ XBB.1 – deren Anteil habe Mitte Dezember bei etwa einem Prozent gelegen. Der Bioinformatiker Moritz Gerstung von der Uni Heidelberg schätzt den Anteil der beiden Mutationen aufgrund aktueller Forschungsdaten hierzulande auf aktuell drei Prozent, in Österreich bei acht Prozent. Laut RKI werde „mit der zunehmenden Verbreitung der Sublinien keine Erhöhung der Krankheitsschwere beobachtet“.