Neue VHS-Chefin in Korntal-Münchingen Weltoffen mit theologischem Hintergrund

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Die Volkshochschule hat eine neue Leiterin. Cornelie Class-Hähnel will Bewährtes beibehalten, aber dennoch „schräg denken und Sachen ausprobieren“.

Cornelie Class-Hähnel leitet seit Monatsbeginn die Volkshochschule in der Alten Lateinschule in Korntal. Foto: factum/Granville
Cornelie Class-Hähnel leitet seit Monatsbeginn die Volkshochschule in der Alten Lateinschule in Korntal. Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen - Sie trifft eine stabile Einrichtung an, zu der sich Stadtverwaltung und Gemeinderat bekennen. Sie hat eine bewährte Mannschaft inklusive neuer Verwaltungschefin, und sie übernimmt ein Konzept, auf dem sie behutsam aufbauen will. Cornelie Class-Hähnel leitet seit dem 1. August die Volkshochschule Korntal-Münchingen (VHS), und sie möchte „verschiedene Menschen zusammenbringen“. Die VHS müsse für alle Interessen da und neutral sein, nicht nur politisch.

Damit spielt die 52-Jährige auf ihre beruflichen Stationen an: Die Diplom-Theologin war zuletzt Redakteurin beim Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg und davor einige Jahre bei der evangelischen Kirchengemeinde in Korntal, zuständig für Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Sie habe mit ihrer Familie, erzählt die gebürtige Berlinerin („Ich bin ein Mauerkind und zur Klavierstunde nach Kreuzberg mit seinen vielen türkischen Läden gefahren“), schon einige Stationen hinter sich. Eine davon war in Ulm, eine andere in Ludwigsburg. Dort arbeitete sie im katholischen Bildungswerk, was die evangelische Theologin als ihre „praktische Ökumene“ bezeichnet. Seit mehr als 20 Jahren sei sie „in Korntal reingewachsen“. Aus ihrer religiösen Verwurzelung macht sie keinen Hehl, betont aber energisch: „Ich kann trennen. Die VHS ist für mich der weltliche Bereich. Wenn ich privat jemanden anstecke, freut es mich. Das ist aber nicht vordergründig im Beruf. Sonst wäre ich hier fehl am Platz.“

Neugierig auf andere Menschen

Sie sei neugierig auf die Verwurzelung anderer Menschen, komme gerne ins Gespräch und könne andere Meinungen stehen lassen. Bewährtes, meint Cornelie Class-Hähnel, werde im Programm bleiben. Nicht zuletzt, weil die VHS aus wirtschaftlichen Gründen ausgebuchte Kurse brauche. Dazu gehörten Sportangebote, Aquajogging, Bewegung und Entspannung. Sie wolle noch Themen finden, die ankommen. Neue Arbeitsfelder könnten mehr Angebote in Kooperation mit Schulen sein. Was die VHS für Schüler tun könne, wolle sie mit der Rektorin der Realschule besprechen. Sie freue sich auf Exkursionen und wolle in der Stadt den Aufbau eines Repaircafés anstoßen und begleiten – wegen der praktischen Arbeit vieler Menschen, die dort geschehe – und auch wegen der Kontakte, die dabei entstehen. Das könne gerne in Kooperation geschehen, beispielsweise mit dem Bürgertreff. Auch Auszeitwochenenden seien ein Thema.

Ein Faible für Kooperationen

„Durchs zusammen Tun kann man viel erreichen“, sagt Cornelie Class-Hähnel, und sie ergänzt: „Ich spinne gerne Visionen ohne Schranken im Kopf.“ Eine ihrer „schrägen Ideen“ ist ein Sprach- und Kulturkurs vor Ort; Kontakte nach Italien gebe es schon. Intern mit externer Wirkung möchte die neue Chefin die Aufmachung des Programmhefts erneuern – wobei ihr die Erfahrung als Redakteurin sicher hilft. Die Angebote zur beruflichen Bildung auszuweiten sei ein „relativ schwieriger Weg“. Ihr schwebe vor, dazu Firmen direkt anzusprechen und nach Bedürfnissen zu fragen, ihre Erfahrungen als Betriebsrätin seien da sicher nicht schlecht.

Und sie möchte die Tatsache nutzen, dass sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat klar zur VHS bekennen – ein Termin im Rathaus sei vereinbart. Themen dafür gibt es schon: Ein Aufzug im Alten Schulhaus sei wünschenswert, ebenso wie zusätzliche Räume für Kurse. „Auszeit. Neustart. Umstieg“ lautet das Motto für das erste Semester unter ihrer Leitung. Eine Idee für einen Slogan der VHS insgesamt hat Cornelie Class-Hähnel auch schon: „Marktplatz für Bildung und Begegnung“. Das ist eher weniger schräg.

Volkshochschulen im Strohgäu

Korntal-Münchingen
Pro Jahr besuchen rund 4500 Teilnehmer die VHS Korntal-Münchingen. Das Motto für das kommende Semester lautet „Auszeit-Neustart-Umstieg“.

Gerlingen
Die VHS in Gerlingen startet in das Wintersemester unter dem Motto „Weltanschauung“. Ziel dieses Schwerpunktes ist es, Wertevorstellungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Gerlinger VHS hat rund 7500 Teilnehmer pro Jahr.

Ditzingen
Die Schiller-Volkshochschule des Kreises Ludwigsburg ist auch für Ditzingen zuständig. Dort gibt es im anstehenden Herbstsemester 111 Kurse. Eine eigene VHS war im Rathaus in den vergangenen Jahren nie ein Thema.

Hemmingen
Die Schiller-VHS ist auch für Angebote der Erwachsenenbildung in Hemmingen zuständig. In der Gemeinde werden im kommenden Semester 18 Veranstaltungen angeboten.




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