Neue Weinbar im Bohnenviertel Wein, Jazz und Streetfood-Kult

Schön geworden: In der neuen Weinbar High Fidelity im Bohnenviertel wird besonderer Wein auf peruanische Leckereien und Jazz treffen. Foto: Markus Milcke 3 Bilder
Schön geworden: In der neuen Weinbar High Fidelity im Bohnenviertel wird besonderer Wein auf peruanische Leckereien und Jazz treffen. Foto: Markus Milcke

Stuttgart ist um einen einmaligen Ort reicher: Das High Fidelity im Bohnenviertel bietet ab sofort besondere Weine, traditionelles peruanisches Streetfood und erlesenen Jazz-Sound.

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Stuttgart – Wo zuvor das österreichisch angehauchte Restaurant "Kaiserundschmarrn" kurzzeitig sein Glück versuchte, hält jetzt eine Stuttgarter Wein-Koryphäe Hof: Nach dem Corona-Aus seiner Weinbar am Schillerplatz hat sich Sommelier und Weinhändler Bernd Kreis im Bohnenviertel seinen großen Traum erfüllt. In den großzügigen Räumlichkeiten mit dem edlen Grün an den Wänden eröffnet er am Freitag, den 10. Juli 2021, seine neue Weinbar High Fidelity.

Einzigartig in Deutschland

Während es am Schillerplatz vorrangig um besondere Weine von besonderen Winzer:innen ging, ist der Rebensaft in der Brennerstraße 23 nur ein Drittel eines in dieser Form einzigartigen Gastro-Triptychons in Stuttgart, dem Ländle und wahrscheinlich sogar ganz Deutschland. Logo, ein mehrfach prämierter Sommelier wie Bernd Kreis, der auch schon mit Vincent Klink in der Wielandshöhe arbeitete, bietet natürlich immer noch eine reich mit Raritäten bestückte Weinkarte, die schon bei der Eröffnung zu den besten der Stadt zählen dürfte; im High Fidelity lebt er jetzt aber eben auch noch seine beiden anderen Passionen aus: Gutes Essen aus Peru und hochwertige Musikkultur nach japanischem Vorbild.

Kultur zwischen zwei Brötchenhälften

In Sachen Kulinarik kommt seine Frau Roxana Naranjo-Kreis ins Spiel. Die peruanische Künstlerin entstammt einer Familie aus Lima, die wie viele andere in Peru alte Rezepte hütet wie ihren Augapfel. In ihrem Fall sind es Zubereitungsmethoden für die beliebten Sánguches, traditionelle peruanische Sandwiches, die seit gefühlten Äonen fest zum Stadtbild von Lima gehören. „Die Streetfood-Kultur ist dort keine Mode, sondern seit Urzeiten fest in der Küche des Landes verankert“, wissen die beiden. Eine Sanguche ist dort eine ähnlich ernste Sache wie hier Spätzle oder Maultasche – mehr Weltkulturerbe als Mahlzeit, ein echtes Stück des Landes, eingeklemmt zwischen zwei knusprig gebackene Brötchenhälften.

Gemeinsam waren Bernd und Roxana Kreis unterwegs in Limas besten Sángucherías, um sich durchzuprobieren, zu testen, alles über Aromen, Texturen, Gewürze und Zutaten zu erfahren. Unter Zuhilfenahme einiger von Roxanas alter Familienrezepte entstanden nach und nach die verschiedenen Sánguches, die es ab sofort im High Fidelity zu verkosten gibt – und das mehr oder weniger einzigartig in Deutschland.

Viel mehr als nur ein Sandwich

Bei einem Vorabbesuch in dem schönen Laden durfte das Stadtkind schon mal vorkosten. Und war begeistert: Die Kombination aus Herzhaftigkeit, Süße, Schärfe und Säure, die Verbindung verschiedener Texturen und die spürbar erlesenen Produkte sorgen für ein Mundgefühl, von dem man nicht genug bekommen kann. Die Sánguche mit Chicharrón (Schweinebauch), schmelzender Süßkartoffel und hausgemachten Würzsoßen bombardiert die Geschmacksnerven, die Variante mit Truthahn überzeugt mit saftigem Fleisch, der spezielle Butifarra-Schinkenbraten bringt Aromen in den Kessel, die man so noch nicht kennt.

Komplett wird so eine Sánguche aber erst durch ein spezielles Zwiebel-Topping, das durch einen genialen Trick aber weder zu Bauchgrummeln noch zu einem allzu strengen Nachgeschmack führt. Nicht ganz unwichtig: Der hochwertige Weingenuss (aus natürlich ebenso hochwertigen Gläsern) soll durch nichts geschmälert werden. Natürlich haben die handverlesenen Zutaten ihren Preis, die Sánguches schlagen mit rund 12 Euro zu Buche.

Dafür bekommt man ein echtes, authentisches Stück peruanische Streetfood-Kultur auf den Teller, stets unter den wachsamen Augen von Roxana, die hier natürlich nichts dem Zufall überlässt. „Die Peruaner haben unglaublich hohe Ansprüche, was Essen angeht“, so Bernd Kreis. „Wenn etwas nicht von allerbester Qualität ist, läuft es nicht. Auch bei einem Sandwich.“

Jazz wie in Japan

Dritter Teil der Genuss-Trilogie ist die Rolle des High Fidelity als Jazz-Kissa. So werden in Japan hochwertige Listening-Rooms genannt, in denen man allerbeste Klangkultur serviert bekommt. Monatelang schraubte und lötete Bernd Kreis selbst an Verstärkern und Lautsprechern, bestellte Hi-Fi-Zubehör auf der ganzen Welt, ließ sich vieles maßanfertigen, bis es seinen Vorstellungen entsprach.

Die Musik kommt ausschließlich von Vinyl, ist in einem Bereich des Lokals lauter (der „Sweet-Spot für Musik-Aficionados“, so Kreis), im anderen etwas leiser – je nach Gusto der Gäste. Einfach mal schweigend eine gute Flasche Wein bei bester Musik genießen oder mit Freunden treffen, Sánguches genießen, Wein trinken und plaudern: Im High Fidelity ist beides möglich. Da schmerzt der Abschied von der legendären Wein-Enklave am Schillerplatz plötzlich gar nicht mehr so sehr.

Opening: 9. Juli

High Fidelity: Brennerstraße 23, Stuttgart Innenstadt (Bohnenviertel), Öffnungszeiten: Dienstag-Donnerstag 18-0 Uhr, Freitag & Samstag 18-1 Uhr, mehr Infos >>>




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