Im Vaihinger Stadtteil Ensingen (Kreis Ludwigsburg) entsteht ein neuer Wohnhaustyp, der die Größe zwischen Einfamilienhaus und Tiny House abdeckt. Eindrücke von einem ersten Rundgang.
Ob das die Zukunft des Wohnens ist? Im Vaihinger Stadtteil Ensingen wird derzeit ein neuer Wohnhaustyp gebaut, der die Lücke zwischen Einfamilienhaus und Tiny House schließen soll. Die sogenannten Kompakthäuser der Wohnbau Oberriexingen könnten zu einem Erfolg werden, die Nachfrage ist groß – und das nicht nur innerhalb der eigentlich anvisierten Zielgruppe.
„Wir haben damit offensichtlich einen Nerv getroffen“, sagt Vertriebsleiter Volker Rommel, der regelmäßig Interessenten durch das erste Kompakthaus in Ensingen führt. Bislang steht nur der Holzmassivbau, der aber schon mal einen Eindruck vom Raumausmaß gibt. Insgesamt fünf Kompakthäuser sollen in der Keplerstraße hintereinander entstehen.
Kein Keller, aber Terrasse und Stellplatz
Es ist tatsächlich alles recht kompakt gehalten. Das zeigt sich schon daran, dass es nur zwei Stockwerke gibt. Einen Keller haben die Kompakthäuser nicht, das hätte den Preis unverhältnismäßig nach oben getrieben. Im Erdgeschoss sind Bad, Küche sowie Wohn- und Esszimmer untergebracht; angeschlossen an den Wohnbereich ist zudem eine Terrasse.
So könnten die Kompakthäuser aussehen, wenn sie fertiggestellt sind. Foto: Wohnbau Oberriexingen
Eine Treppe führt ins Dachgeschoss, in dem der Schlaf- und Arbeitsbereich und auf Wunsch auch eine Gäste-Toilette eingerichtet sind. Dort soll über Dachbalken auch Stauraum zur Verfügung stehen. Wie sich bei den Besichtigungen herausgestellt hat, würden viele Interessenten aber lieber den Stauraum unten und dafür das Bad oben haben. Es ist deswegen angedacht, die genaue Aufteilung individuell zu gestalten.
Die komplette Haustechnik versteckt sich in einem kleinen Raum unter der Treppe. Gerade wird noch geprüft, ob auch ein Treppenlift für das Wohnen im Alter möglich ist. Eine Garage gibt es nicht, es ist aber ein Stellplatz für ein Auto vorhanden sowie die Möglichkeit, eine Garage in der Nähe zu mieten. Insgesamt steht eine Grundstücksfläche von rund 150 Quadratmetern zur Verfügung, die Wohnfläche beträgt rund 68 Quadratmeter.
Der Begriff „Tiny House“ wurde bewusst vermieden
Als Zielgruppe kämen diejenigen in Frage, denen ihr Einfamilienhaus im Alter zu groß wird, die aber in keine Wohngemeinschaft einziehen möchten, erklärt Vertriebsleiter Rommel. Man habe dabei insbesondere Menschen „55 aufwärts“ im Sinn, die auch über die nötigen finanziellen Mittel verfügen.
Vertriebsleiter Volker Rommel führt Interessenten durch das erste Kompakthaus. Foto: Andreas Essig
Den Begriff „Tiny House“ haben sie bei der Wohnbau Oberriexingen bewusst vermieden. Denn die Kompakthäuser seien einfach etwas anderes: „Wir wollen die gleiche Qualität bieten wie bei gemauerten Häusern, damit man es später auch weiterverkaufen kann“, erklärt Rommel. Deswegen seien die Kompakthäuser auch deutlich teurer: Angeboten werden sie derzeit zu Preisen von weit jenseits der 400.000 Euro, während sich der Preis für ein Tiny House deutlich unterhalb von 200.000 Euro bewegt.
Ein Kompakthaus ist bereits verkauft
Eines der fünf Kompakthäuser, die derzeit im Entstehen sind, ist bereits verkauft – überraschenderweise an junge Leute und damit nicht an die angedachte Zielgruppe. Aber auch wenn die Kompakthäuser eigentlich für zwei Personen angedacht sind, lässt sich zusätzlich ein Kinderzimmer einbauen.
Man spüre insgesamt eine positive Resonanz, sagt Rommel. Den Menschen müsse aber klar sein: „Wenn ich so ein Haus kaufe, muss ich dieses Konzept leben können. Dann muss man sich reduzieren.“ Angesichts der wirtschaftlichen Lage könnte das aber zukünftig immer mehr zu einer Notwendigkeit werden. Nachdem die Nachfrage so groß ist, gibt es nun bereits Pläne, auch in anderen Orten im Landkreis solche Kompakthäuser zu errichten.