Neue Wohnungen Fellbach bringt Wohngebiet Bruckäcker auf den Weg

Auf dieser Brachfläche mit Blickrichtung Schwabenlandtower entstehen 115 neue Wohnungen. Foto: Dirk Herrmann

Eine klare Mehrheit im Gemeinderat stellt sich hinter den Kurs der Stadtverwaltung. Der jahrelange Disput mit der Firma Wohnbau Layher ist damit wohl endgültig beigelegt.

Eitel Sonnenschein im Fellbacher Winter: Das über Jahre hin auf Eis liegende neue Wohngebiet Bruckäcker ist jetzt definitiv auf den Weg gebracht. Der Gemeinderat hat sich mit klarer Mehrheit hinter den Entwurf der Stadtverwaltung gestellt. Baubürgermeisterin Beatrice Soltys durfte dabei etliche Lobesworte für ihre Moderation zur Lösung der scheinbar verfahrenen Situation einfahren.

 

Noch vor knapp zwei Jahren hatte der CDU-Fraktionschef Franz Plappert im Gemeinderat die Ballade „Die Königskinder“ zitiert: „Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief.“ Allmählich, so diagnostizierte Plappert im März 2024, komme es ihm auch bei diesem Thema so vor, dass sich zwei Parteien, nämlich Bauverwaltung und Bauinteressenten (also die Firma Wohnbau Layher) wie Königskinder verhalten „und nicht zueinander finden können oder wollen“.

Alles ausloten, um eine Bebauung zu ermöglichen

Ein bedauerlicher Zustand, so der Christdemokrat seinerzeit, denn „die Nachfrage nach Wohnraum ist unvermindert groß, das Grundstück liegt schon lange brach – und trotzdem geht nichts vorwärts“. Die Fraktion fordere die Verwaltung deshalb „eindringlich“ auf, „alle Möglichkeiten auszuloten, um eine Bebauung zu ermöglichen“. Denn: „Wir wünschen uns eine Realisierung und keine weiteren Verzögerungen.“

Tatsächlich haben Stadt und Layher ihre Differenzen über Bauhöhen, Abstände, Verdichtungen, architektonische Gestaltung in den vergangenen Monaten offenkundig beigelegt. Entsprechend dem vom Stuttgarter Architektenbüro ARP entworfenen Konzept sollen auf der Brachfläche zwischen Stuttgarter Straße und Bruckstraße, auf der einst die Gewächshäuser der Gärtnerei Langjahr standen, 115 Wohneinheiten entstehen, mit einem Schwerpunkt auf Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien. Eine „Grüne Mitte“ bildet das zentrale Freiraumelement des Quartiers. In der Tiefgarage finden 183 Autos Platz.

Ein Punkt, der nicht allen im Gremium schmeckt: Die bisher angestrebte 30-prozentige Flächenzielvorgabe für kostengünstigen Wohnraum „wird temporär – bezogen auf das Einzelprojekt – flexibel gehandhabt“, so die Verwaltung. Zum Ausgleich hat die Firma Layher sich verpflichtet, in den Bruckäckern zehn Wohnungen für ältere Menschen zu bauen.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan „ermöglicht, zackig zum Bauen zu kommen“, erklärte Baubürgermeisterin Soltys und dankte der Firma Layher „für intensive, gute, zielgerichtete Gespräche“.

CDU-Mann Plappert erklärte: „Wir haben uns sehr gefreut, dass die Firma Layher zugesagt hat, einen Schwerpunkt auf bezahlbaren Wohnraum zu legen.“ Und: „Für Wohnungssuchende ist das ein guter Tag.“

Auch Jörg Schiller (Die Stadtmacher) lobte Soltys für die „Durchtrennung des gordischen Knotens“: Es war „höchste Zeit, dass der dringend benötigte Wohnraum nahe der Ortsmitte realisiert wird“.

OB Zull: „Ich bin froh, dass dort jetzt Wohnraum entsteht“

Ein neues Wohngebiet nicht auf dem freien Feld, sondern in Stadtnähe „wird Fellbach guttun“, erklärte Ruth Lemaire (SPD). Dass die Sozialquote für dieses Projekt aufgehoben werde, ist für die Grünen-Fraktion ein Grund, weshalb die Fraktion mit Nein stimmen werde.

Zum Schluss der Debatte erinnerte die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull an ihre erste Fahrt nach Fellbach im Jahr 2016, kurz vor Bekanntgabe ihrer OB-Kandidatur. „Hier entstehen Wohnungen“, stand damals bereits auf einem Schild an der Brachfläche. „Beide Seiten haben sich aufeinander zubewegt“, diagnostiziert die OB, „es ist nicht alles möglich, aber vieles möglich, und ich bin froh, dass dort jetzt Wohnraum entsteht.“

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