ExklusivNeue ZDF-Miniserie Schuld ist Teil unseres Lernprozesses

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Wie definieren Sie den Begriff Schuld? Denn das ist ja das Thema der Serie.
Schuld ist Teil unseres Lernprozesses, die Essenz dessen, was wir für gut oder falsch halten. Dieses Etwas ist extrem individuell. Ich mache jeden Tag zehn Dinge, von denen ich am nächsten Tag sage, das hättest du dir auch schenken können. Und ich mache mindestens einmal die Woche etwas, was mir echt leidtut. Du kannst viel Scheiße bauen, solange du anderen damit nicht schadest. Aber in dem Moment, in dem du einem anderen Menschen schadest, ist eine Grenze überschritten, die niemals überschritten werden darf. Das ist meine Definition von Schuld.
Apropos Mist bauen – mit 13 sollen Sie in einem Obstladen Bier geklaut haben.
Ja. Und ich habe mich dabei erwischen lassen. Natürlich hat meine Mutter davon erfahren. Das Erste, was sie gesagt hat: „Du, pass mal auf: Klauen ist sowieso schon mal scheiße. Aber das war ein Familienladen, die haben wahrscheinlich drei Kinder, verkaufen da ihr Obst, und du klaust denen Bier. Hättest du das bei Penny gemacht, nicht so schlimm, die können sich das leisten. Das ist auch scheiße, aber nicht so schlimm wie das, was du getan hast.“ Das ist jetzt natürlich keine Einladung, bei Penny klauen zu gehen. Dort ist es genauso falsch wie überall.
War diese Erfahrung für Sie ein Schlüsselerlebnis?
Ich habe das zum Glück in einem Alter gemacht, wo es keine wirklichen Konsequenzen für mich gab. Ich bin aber auch nie jemand gewesen mit krimineller Energie. Ich habe halt Quatsch mitgemacht. Ich wollte mutig sein. Ich wollte ein cooler Hund sein. Interessant aber ist: auch die meisten Leute, die wirkliche Verbrechen begehen, tun das nicht aus krimineller Energie. Nur die allerwenigsten gehen wirklich kaltblütig und berechnend vor. Auch in unserer Serie ist nicht ein Fall dabei, bei dem ich sagen würde: Der Täter hat wirklich kriminelle Energie. Es sind Situationen, in die wir alle geraten können. Der Täter steckt in uns allen. Das kann dem nicht gefestigten Menschen unter den falschen Umständen schneller passieren, als er denkt.




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