Neuer Ärger für den Klinikverbund Medizinzentrum: Leonberg macht Druck

Da klang alles noch sehr konkret: Im Juni 2024 stellten Landrat Bernhard (rechts) und der damalige Klinikverbund-Chef Loydl Pläne für einen Gesundheitscampus in Leonberg vor. Foto: Simon Granville

Seit Jahren wird über einen Gesundheitscampus am Krankenhaus Leonberg gesprochen. Passiert ist nichts. Das will sich die Politik nicht länger bieten lassen.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Was ist eigentlich mit dem am Leonberger Krankenhaus geplanten Gesundheitscampus? Im Zuge der Diskussionen um eine Neuausrichtung der Inneren Klinik und dem Weggang der Chefärztin Barbara John ist diese Frage wieder aktuell. Zuletzt hatte Roland Bernard, der Landrat des Kreises Böblingen, Anfang Februar des vergangenen Jahres von einem „zweiten Aufschlag“ für das Projekt gesprochen. Dabei ist es geblieben. Ein Überblick.

 

Worum geht es?

Der Grundgedanken eines Gesundheitscampus ist die Ansiedlung unterschiedlicher Arztpraxen und medizinischer Dienstleister – vom Rehazentrum bis zur Tagesbetreuung – im Umfeld des Krankenhauses. Damit solle der Medizinstandort Leonberg gestärkt werden. Vor knapp vier Jahren hatten Martin Loydl, der damalige Chef des Klinikverbundes, und der Landrat konkrete Pläne mit einem „Gesundheitshaus“ vorgestellt, „um die ambulante und stationärer Versorgung zu verzahnen“, wie sich Bernhard damals ausdrückte. Für den Herbst 2021 kündigte er einen runden Tisch mit allen Beteiligten an, also auch mit Ärzten.

Was bisher geschah

Den hat es in dieser Form offenbar nicht gegeben. Dafür hatte die Leonberger SPD den Gedanken zum Jahresbeginn 2024 aufgegriffen und sich für ein medizinisches Versorgungszentrum ausgesprochen, eine Art Campus-Projekt im Kleinen, bei dem mehrere Ärzte in einem Haus gemeinsame Praxen betreiben. Besonders dem Mangel bei der medizinischen Kinderbetreuung wollten die Sozialdemokraten so begegnen. Der Vorschlag stieß seinerzeit auf allgemeine Zustimmung. Der Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) brachte eine gemeinnützige Gesellschaft ins Spiel, um Interessenten zu gewinnen.

Das waren die letzten öffentlichen Äußerungen in dieser Sache – bis zu diesem Donnerstag. Im Leonberger Finanzausschuss hatte die SPD ihre alte Idee erneut angesprochen. „Angesichts der aktuellen Nachrichten rund ums Krankenhaus“, so der Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier, „müssen wir selbst aktiv werden, sonst werden zumindest einige von uns einen Campus in Leonberg nicht mehr erleben.“

Wie geht es weiter?

Die anderen Fraktionen unterstützten Pfitzenmaiers Vorstoß. Das von Jutta Metz (Freie Wähler) angemahnte inhaltlich Konzept wäre indes erst der zweite Schritt, meinte der SPD-Fraktionschef. Zunächst müsse es „konkrete Gespräche mit dem Landrat und dem Klinikverbund geben“, um das Projekt überhaupt wiederzubeleben. „Wir müssen Druck aufbauen“, pflichtete ihm Birgit Widmaier von den Grünen bei. Die bisherige Entwicklung gäbe keinen Anlass zum Optimismus. CDU-Fraktionschef Oliver Zander ist der Meinung, dass der Dialog auf oberer Ebene geführt werden müsse, also zwischen Landrat und Oberbürgermeister. Für die hauptberufliche Allgemeinmedizinerin Annette Gaber-Paul (SALZ) ist wichtig, dass die Ärzteschaft in die inhaltlichen Überlegungen eingebunden wird.

Klaus Brenner sieht die Sache optimistisch: „ Die Planungshoheit hat die Stadt“, sagte der Leonberger Baubürgermeister. „Der Landrat ist für das Thema offen“, gab er seine Einschätzung als Kreisrat der Freien Wähler wieder. Die Stadt müssen nur dessen „Signale aufnehmen.“

Wie die Signale in konkretes Handeln umgesetzt werden, das soll nun Oberbürgermeister Cohn auf direktem Weg mit Landrat Bernhard klären. Und zwar bis zum 30. Juni. Hinter dieser Forderung stehen alle Fraktionen geschlossen.

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